Jonathan Grunwald
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Unsere gemeinsame Sprache ist und bleibt der Schlüssel für schulischen und beruflichen Erfolg. Sie ist die entscheidende Klammer, die unsere Gesellschaft zusammenhält. Unsere gemeinsame Sprache stärkt die Identifikation mit unserem Land, mit unserer Geschichte und mit unseren Werten. Ja, ohne Deutsch 16.07.2026 gibt es auch keine Chancengerechtigkeit. Deutsch ist und bleibt die Bildungssprache unseres Landes. Punkt. (Beifall von der CDU) Daher muss ich zu Beginn in Richtung FDP deutlich werden. Ich frage mich ernsthaft: Was hat Sie verdammt noch mal geritten, solch eine Lügenkampagne in den sozialen Medien loszutreten? Seit Monaten zetern Sie gegen den heute zur Abstimmung stehenden Antrag von CDU, SPD und Grünen, die Mehrsprachigkeit unserer Kinder als Chance zu begreifen. (Beifall von der CDU, der SPD und den GRÜNEN – Zuruf von Franziska Müller-Rech [FDP]) Ohne auch nur einen Hauch von Schamgefühl posaunen Sie in Ihre digitale Echokammer, dass zukünftig Klassenarbeiten in der Herkunftssprache der Schüler geschrieben werden könnten: Physik auf Arabisch, vielleicht denken Sie aber auch an Mathe auf Türkisch, Englisch in Russisch oder Spanisch in Portugiesisch, je nachdem, welche Herkunftssprachen in der Klasse vorhanden sind. Babylonisches Sprachwirrwarr par excellence! Was für ein Unsinn! Was für dummes Zeug von Henning Höne, Alexander Steffen und Franziska Müller-Rech! (Beifall von der CDU und den GRÜNEN) Sie rufen einen bildungspolitischen Skandal aus. Doch ich sage Ihnen etwas: Nicht der vorliegende Antrag ist ein Skandal, sondern Ihr Verhalten und Ihre Kampagne in den sozialen Medien sind der Skandal. (Beifall von der CDU – Vereinzelt Beifall von den GRÜNEN – Henning Höne [FDP]: Die CDU ist nervös! – Marcel Hafke [FDP]: Dann macht doch bessere Politik!) Liebe Kolleginnen und Kollegen der FDP, es war einmal liberal, Talente unabhängig von ihrer Herkunft zu erkennen, Wissensdurst und Bildung zu fördern, Barrieren aus dem Weg zu räumen und Aufstieg zu ermöglichen. Schade, dass Sie sich von diesem Kurs verabschiedet haben und dem süßen Gift des Populismus verfallen sind. (Zuruf von Franziska Müller-Rech [FDP]) Für diese Art von Politik haben wir überhaupt kein Verständnis. (Beifall von der CDU – Vereinzelt Beifall von der SPD und den GRÜNEN) Das ist nicht nur unseriös, sondern schändlich und hat gar nichts, wirklich gar nichts mit dem Konsens der demokratischen Mitte zu tun, die hart dafür arbeitet, unsere Gesellschaft zusammenzuhalten und den Spaltern und Agitatoren entschlossen entgegenzutreten. Landtag (Zuruf von Franziska Müller-Rech [FDP]) In unserem Antrag sagen wir nicht: Deutsch wird unwichtiger. – Im Gegenteil: Wir wollen bereits vorhandene sprachliche Ressourcen nutzen, damit unsere Kinder besser lernen können, auch die deutsche Sprache. Wir differenzieren, ob ein Kind etwas grundsätzlich nicht verstanden hat oder ob es aufgrund von sprachlichen Hürden an der Aufgabenstellung scheitert. Wer beispielsweise auf die Tausenden ukrainischen Kinder blickt, die mit ihren Familien in den vergangenen Jahren in unserem Land Zuflucht vor den russischen Bomben und Drohnen gefunden haben, muss doch fachliche Kompetenz und sprachliche Barriere voneinander unterscheiden können. Genau darum geht es, nämlich nicht um die Absenkung von Standards, sondern um eine bessere Diagnose und Förderung sowie um eine höhere pädagogische Genauigkeit für mehr Bildungsaufstieg und Chancengerechtigkeit. CDU, SPD und Grüne haben dies längst erkannt und sind sich daher in der Sache einig. Der Entschließungsantrag der FDP, über den wir heute ebenfalls abstimmen, steht dagegen isoliert im Raum. Sie hätten nach unseren Beratungen im Ausschuss die Chance gehabt, Ihren Irrweg zu verlassen und wieder den Kurs der Mitte einzunehmen. (Lachen von Marcel Hafke [FDP] – Dietmar Brockes [FDP]: Sie hätten auch unserem Än- derungsantrag zustimmen können!) Sie hätten zuhören müssen, als Ihre Falschaussagen durch unsere Bildungsministerin Dorothee Feller und durch einen dpa-Faktencheck widerlegt wurden. Aber das haben Sie nicht. Zu verlockend waren anscheinend die Klickzahlen Ihrer Kampagne. Wie hilflos, wie erbärmlich! Sie haben nichts mehr mit Gerhart Baum oder Joachim Stamp gemein, die einen den Menschen zugewandten Liberalismus verkörpert haben. (Beifall von der CDU – Zuruf von Henning Höne [FDP] – Weitere Zurufe von der FDP) Ich gebe Ihnen einen gut gemeinten Rat: (Marcel Hafke [FDP]: Jetzt kommt Lindner!) Passen Sie auf, dass Sie nicht als billige Kopie der AfD enden. (Zuruf von Franziska Müller-Rech [FDP]) Daher verwundert es auch nicht, dass Sie die Augen vor der Realität verschließen, wenn Sie behaupten, die Landesregierung würde den Erwerb der deutschen Sprache nicht wirksam angehen. (Franziska Müller-Rech [FDP]: Mit ABC- Klassen!) Das Gegenteil ist doch der Fall. Wir haben die Stundentafel für Deutsch in der Grundschule ausgeweitet, eine verbindliche Lesezeit eingeführt und stärken mit 16.07.2026 der Fachoffensive Deutsch sowie dem digitalen Lerntool „LeOn – Leseraum Online“ die Kompetenzen beim Lesen, Schreiben und Zuhören. Selbst als die damalige Ampelregierung, übrigens mit einem Bundesfinanzminister Lindner, (Zuruf von Franziska Müller-Rech [FDP]) die Finanzierung der Sprach-Kitas beendete, übernahmen wir in NRW Verantwortung. (Marcel Hafke [FDP]: Das ist auch der gesetz- liche Auftrag!) Wir sind, ohne zu zögern, eingesprungen. Zu guter Letzt werden wir die Kinder mit unzureichenden Deutschkenntnissen mit den ABC-Klassen bereits vor der Einschulung systematisch und verbindlich fördern, und zwar unabhängig davon, ob ein Kind in den Kindergarten geht oder nicht. Wir haben alle Kinder im Blick. Das ist der Weg der Zukunftskoalition von CDU und Grünen. (Zuruf von Franziska Müller-Rech [FDP]) Während die FDP also Deutsch gegen weitere Sprachkompetenzen ausspielt, verfolgen wir einen ganzheitlichen Ansatz, der Deutschkenntnisse bereits vor dem Schulstart in den Blick nimmt und Mehrsprachigkeit als wertvolle Ressource auch für unsere Wirtschaft begreift.
