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Eileen Woestmann

GRÜNE 15.07.2026 Sitzungen 18/127

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Präsidentin! Verehrte Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen! Man hier als SPD natürlich noch einmal Verfahrenskritik üben, ich würde aber sagen, dass es anders gelaufen ist: Es gab Kritik am KiBiz, und die haben wir ernst genommen. (Dr. Dennis Maelzer [SPD]: Die gibt es immer noch!) Wir haben im Dialog ganz viele Dinge noch einmal angepackt und sie verbessert. Ich finde, angesichts der Debattenlage muss Politik genau so passieren. Ich habe nicht den Anspruch, dass wir perfekt Politik machen, (Dr. Dennis Maelzer [SPD]: Wohl wahr!) Dinge in die Welt stellen und alle dafür Beifall klatschen. Mein Anspruch ist, dass wir einen Vorschlag machen und, wenn darauf reagiert wird, auf diese Kritik eingehen und sie ernst nehmen. (Beifall von den GRÜNEN und der CDU) Genau das haben wir gemacht. Herr Maelzer, Sie haben gerade gesagt, dass es schwierig ist, wenn die Kitas geschlossen sind. Das ist richtig. Genau deswegen novellieren wir das KiBiz, weil wir offene Kitas haben wollen und weil wir davon überzeugt sind, dass nur eine geöffnete Kita eine gute Kita ist – eine Kita, auf die Eltern sich verlassen können, eine Kita, in der Chancengerechtigkeit gelebt werden kann, eine Kita, in der Erzieherinnen und Erzieher gerne arbeiten. (Beifall von den GRÜNEN und der CDU) Ich erkläre gerne noch einmal, wie die Idee des 35- Stunden-Modells aufgekommen ist. Es gab eine Studie der Bertelsmann Stiftung, in der gesagt wurde: Wenn alle Kinder nur noch für 35 Stunden die Kita besuchen, dann gibt es für alle Kinder einen Kita-Platz. Wir haben uns das angeschaut und sehr intensiv diskutiert, wie wir mit dieser Zahl umgehen, weil für uns vollkommen klar war: Mit 35 Stunden werden wir nicht allen Eltern gerecht, weil es Familien gibt, die mehr als 35 Stunden brauchen, und weil wir davon 15.07.2026 überzeugt sind, dass 45 Stunden für Kinder in Teilen auch notwendig sind. Daraufhin haben wir diese Debatte intensiv geführt und uns überlegt, wie wir damit umgehen können. Dann kam die Idee dieses Kern- und Randzeitmodells auf, und zwar nicht, weil wir sagen, dass Kinder in dieser Zeit nicht lernen, sondern dies nur in der Kernzeit tun, während sie in der Randzeit nur irgendwie verwahrt werden. Wir sind vielmehr davon überzeugt, dass Ergänzungskräfte – bei diesen haben Sie ja gerade noch einmal deutlich gemacht haben, wie wichtig die SPD sie findet – mehr Verantwortung in diesen Zeiten übernehmen sollten. Ich habe eine andere Vorstellung von Teamarbeit, als Sie sie hier gezeichnet haben. Für mich ist klar, dass eine Ergänzungskraft, die morgens ein Kind in Empfang nimmt, genauso wichtige Informationen in die Gruppe tragen kann, wie es eine Fachkraft kann. Entscheidend ist am Ende, dass die Ergänzungskraft dem Kind und den Eltern bekannt ist. Dann kann die Zusammenarbeit gelingen. So muss Teamarbeit laufen, sodass Ergänzungskräfte und Fachkräfte Hand in Hand und nicht aneinander vorbei arbeiten. (Beifall von den GRÜNEN und der CDU) Wir haben einen massiven Fachkräftemangel. Den können wir nicht mal eben wegschnipsen und das Problem ist behoben, sondern wir müssen mit diesem Fachkräftemangel arbeiten. In dieser Situation gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder wir sagen: Wir machen die Kitas zu, und es gibt nur noch 35-Stunden-Plätze. Oder wir sagen: Wir nehmen mehr Menschen mit in Verantwortung. Ich finde, dafür sind die Ergänzungskräfte prädestiniert, weil sie eine zweijährige Ausbildung haben, in den Kitas schon verankert sind und dort gute Arbeit leisten. Weil wir wissen, dass ein Fachkräftemangel sich nicht dadurch löst, dass wir hier darüber sprechen, stärken wir darüber hinaus die Ausbildung und schaffen so mehr Fachkräfte im System und vor allem auch, dass die Ausbildung für die angehenden Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen besser gestaltet werden kann. Ein anderer Punkt, auf den ich noch eingehen möchte, weil er mir besonders wichtig ist, ist die Frage der Chancengerechtigkeit. Wir haben in dieser Novellierung einen sehr klaren Fokus darauf gelegt, weil wir davon überzeugt sind, dass die frühkindliche Bildung den Grundstein für die Entwicklung des Kindes in der Bildungsbiografie legt und wir dementsprechend früh ansetzen müssen. Mit der Etablierung des Kita-Sozialindexes hier in Nordrhein-Westfalen schaffen wir es als erstes Flächenland, dass Mittel nicht mehr mit der Gießkanne über alle verteilt werden. Wir können zielgerichtet die Kitas unterstützen, in denen der Bedarf am höchsten ist. Landtag Darüber hinaus entwickeln wir die Familienzentren und plusKITAs zu Chancen-Kitas weiter, um dort dem gesteigerten Bedarf gerecht zu werden. Wir haben viele Gespräche geführt, in denen sehr viele Erzieherinnen zurückgemeldet haben: Wir wollen gerne allen Kindern gerecht werden, aber wir schaffen es nicht, weil nicht nur ein oder zwei Kinder in der Gruppe einen erhöhten Bedarf haben und beispielsweise unter Armut leiden oder unter Umständen auch Gewalt ausgesetzt sind, sondern fast alle Kinder in der Gruppe. Man kann diesen Kindern nicht mit den normalen Ressourcen, die jeder Kita zur Verfügung stehen, gerecht werden. Ich finde, es ist eine ganz klare Stärke dieses Kinderbildungsgesetzes, dass wir darauf einen Fokus legen. Deswegen finde ich es richtig und wichtig, dass wir es heute bzw. morgen verabschieden.

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