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Dr. Dennis Maelzer

SPD 15.07.2026 Sitzungen 18/127

Vielen Dank. – Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Sprachförderung findet am besten in der Kita statt, alltagsintegriert und mit dem dafür ausgebildeten Personal. (Beifall von der SPD und der FDP) Als ABC-Klassen getarnte Sprachkurse sind defizitorientiert, nicht kindgerecht, dafür aber teuer und ineffizient. Das war das eindeutige Ergebnis der An-15.07.2026 hörung. Das sagen Ihnen die Expertinnen und Experten aus Kitas, Kommunen und Wissenschaft. Zwei Stunden lang haben wir in der vergangenen Woche im Schul- und im Familienausschuss über die Nachteile der ABC-Klassen gesprochen. In diesen zwei Stunden haben Sie immer wieder auf den Entschließungsantrag verwiesen, den Sie uns im Ausschuss nicht präsentieren konnten. Aber wenn wir erst einmal diesen Entschließungsantrag sehen würden, dann würden uns die Augen übergehen. Man werde die ABC-Klassen in einem völlig anderen Licht sehen. Dann würde wirklich keine Frage mehr offenbleiben. Heute ist der große Tag gekommen. Endlich liegt der sagenumwobene Entschließungsantrag vor. Und meine Damen und Herren von Schwarz-Grün: Ich habe so viele Fragen! (Beifall von der SPD) Die wichtigste Frage lautet wahrscheinlich: Ist Ihnen dieser Entschließungsantrag wenigstens ein bisschen peinlich? Denn nur eines ist mit Ihrem Entschließungsantrag wirklich klar geworden: Sie wissen überhaupt nicht, was Sie gerade tun. Sie wollen es nur irgendwie hinter sich bringen. Mit einem rechtlich nicht bindenden Entschließungsantrag versuchen Sie, zu heilen, was Sie in den letzten Monaten an Porzellan zerschlagen haben. In Wirklichkeit zeigen Sie nur die Schwächen Ihrer eigenen Argumentation auf. Legen wir also los. Sie schreiben, 7 % der Kinder gingen vor der Einschulung nicht in die Kita. Die Familienministerin hat uns aber erklärt, dass mehr als 98 % der fünfjährigen Kinder eine Kita besuchen würden. Das ist mal eben ein Unterschied von 8.500 Kindern. Was denn nun, liebe Kolleginnen und Kollegen? Sie schreiben, Kinder lernten Sprache zumeist im Alltag, beim Spielen, Erkunden, Vorlesen. Ja, genau das versuchen wir Ihnen seit Monaten zu erklären. Genau darum muss in die alltagsintegrierte Sprachförderung in den Kitas jede zusätzliche Ressource fließen. Doch Sie biegen falsch ab und wollen das Geld in ABC-Klassen stecken. Diese sollten mit der alltagsintegrierten Sprachförderung verzahnt und kombiniert werden. Aber warum steht genau das dann nicht in Ihrem Gesetzentwurf? Der enthält nämlich keinerlei Regelungen zur Kooperation – weder bei der Feststellung von Kompetenzen noch des individuellen Förderbedarfs, auch nicht bei der Rückmeldung zu den Testungen. Wenn Sie wirklich eine Kooperation wollten, dann würden Sie es ins Gesetz schreiben. Denn der Austausch von Informationen und Daten bedarf einer gesetzlichen Grundlage. Stattdessen schreiben Sie: Landtag „Voraussetzung ist die enge Kooperation von Kindertageseinrichtungen und Schulen sowie die Begleitung der Kinder in die Schule.“ Ist es also Teil der Kooperation von Kitas mit Schulen, dass sie die Kinder auf dem Weg in die ABC-Klassen begleiten? Es gibt ja einen Grund, warum Sie das in einen Satz schreiben. Aber wie sollen die Kitas dafür das Personal abstellen? Und wenn das nicht gemeint ist, woher kommt denn dann das Personal, das die Kinder in die Schule begleitet? Die Wahrheit ist: Sie wissen es nicht. Sie handeln nach dem Motto: Schauen wir mal, dann sehen wir schon. Und genau so geht es weiter. Sie wollen Modellprojekte in ausgewählten Kommunen, um die Zusammenarbeit von Kitas und Schulen zu erproben. Eben war die Kooperation noch Voraussetzung, jetzt ist es ein Erprobungsprojekt in einzelnen Kommunen. Dann soll es einen Austausch mit den Kommunen über etablierte Sprachfördermaßnahmen geben. Sie wissen also, dass es Good Practices vor Ort gibt. Doch der Austausch findet nicht vor einem neuen Gesetz statt, sondern erst danach. Es muss Ihnen doch spätestens beim Aufschreiben aufgefallen sein, dass das komplett hanebüchen ist. (Beifall von der SPD und der FDP) Dann wollen Sie die Kita-Träger dazu ermutigen, dass ABC-Klassen in Kitas durchgeführt werden können. Meine Damen und Herren, unsere Kitas wollen das Beste für die Kinder, die ihnen anvertraut sind. Man muss sie nicht ermutigen. Das Problem ist, dass oft die Räume schlicht nicht da sind. Das wissen Sie auch genau. Deshalb haben Sie Transportkosten in Höhe von 108 Millionen Euro in Ihr Gesetz geschrieben, weil Sie für Ihre Sprachkurse Kinder von A nach B befördern müssen und ihnen damit wichtige Bildungszeit in der Kita klauen. (Beifall von der SPD) Ich habe gar nicht so viel Redezeit, um mich angemessen über diese schulpolitische Fehlleistung von Schwarz-Grün aufzuregen. Fest steht: Die ABC-Klassen sind weder durchdacht noch sinnvoll. Sie sind nur teuer und kontraproduktiv. Im Sinne der Kinder sollten Sie innehalten. Sie haben jetzt noch die Chance dazu. (Beifall von der SPD und der FDP)

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