Andreas Keith
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Nichts gönnen wir unseren Spitzensportlern mehr als Olympische Spiele im eigenen Land und auch gerne in Nordrhein-Westfalen. Wir gönnen sie den Tausenden Ehrenamtlichen, den Trainern, den Vereinen und den Millionen sportbegeisterten Menschen, die sich Tag für Tag engagieren und den Laden am Laufen halten. Dieser Antrag trägt allerdings nichts dazu bei, den Leistungssport und den Breitensport zu fördern oder Olympische Spiele nach Deutschland oder nach NRW zu holen. Vielmehr enthält er eine Reihe von Floskeln, die wir in den letzten Jahren immer wieder von Ihnen gehört haben. Bislang ist nicht einmal entschieden, welche deutsche Bewerbung überhaupt ins Rennen geschickt wird. München, Berlin, KölnRheinRuhr: ob Nordrhein-Westfalen am Ende überhaupt ausgewählt wird, weiß heute niemand. Trotzdem feiern Sie sich mit diesem Antrag schon jetzt, als wären Sie die größten Olympiasieger aller Zeiten. Das kennen wir von Ihnen hier inzwischen aber zu Genüge. Wenn die Zukunftsaussichten im Land immer düsterer werden, wenn Unternehmen abwandern, Straßen zerbröseln, Brücken gesperrt werden und die innere Sicherheit leidet, dann kommt die Regierung mit dem altbewährten Konzept „Brot und Spiele“ um die Ecke. Bereits die römischen Kaiser wussten: Wer die Menschen mit teuren Spektakeln beschäftigt, lenkt sie von den eigentlichen Problemen ab. Sie sprechen von einer historischen Beteiligung und demokratischer Legitimation. 66 % Zustimmung – das klingt überwältigend, bis man genauer hinsieht. Denn diese 66 % beziehen sich eben nicht auf alle Bürger Nordrhein-Westfalens, Herr Golland, sondern sie beziehen sich auf 34 % von den 4,1 Millionen Bürgern, die überhaupt abgestimmt haben. Abgestimmt haben ausschließlich Bürger in den 17 Austragungsstätten, während die Millionen Menschen in Ostwestfalen, im Sauerland, im Münsterland, am Niederrhein oder in der Eifel, die ebenfalls für die Folgen dieser Spiele aufkommen müssten, überhaupt nicht gefragt wurden. Dabei betreffen die Auswirkungen nicht nur Rhein-Ruhr, sondern sie be-15.07.2026 treffen ganz Nordrhein-Westfalen, und das ist alles andere als eine große demokratische Legitimation, wie Sie alle das behaupten. (Beifall von der AfD) Diese Spiele bedeuten zusätzliche Verkehrsbelastungen auf ohnehin überlasteten Autobahnen. Sie bedeuten Einschränkungen im Nahverkehr. Sie bedeuten erhöhte Sicherheitskosten. Sie bedeuten zusätzliche Belastungen für Polizei, Rettungsdienste und Kommunen. Lassen Sie uns auch einmal ehrlich über die Kosten sprechen. Die Sommerspiele 2000 in Sydney schlossen mit einem Defizit von rund 2,4 Milliarden Dollar ab. In Athen explodierten die Kosten der Sommerspiele 2004 auf bis zu 11 Milliarden Euro, und sie gelten bis heute als eine Ursache der späteren griechischen Staatsschuldenkrise. Über das finanzielle Fiasko in Rio de Janeiro und die brutale Vertreibung der Menschen aus ihren Häusern und ihrer Heimat will ich hier erst gar nicht sprechen. Sie wollen den Bürgern aber ernsthaft erzählen, Olympia sei ein Selbstläufer. (Marc Zimmermann [GRÜNE]: Haben Sie die Zahlen für Paris auch?) Bemerkenswert ist auch Ihre Behauptung, Olympia werde die Modernisierung unserer Sportstätten voranbringen. Welch ein Armutszeugnis: Sporthallen, Schwimmbäder und Sportplätze werden erst saniert, wenn irgendwo fünf Ringe rumhängen. Die Bürger zahlen jeden Tag fleißig ihre Steuern, damit die Infrastruktur generell instand gehalten wird, was die Pflicht des Staates auch ohne Bewerbung beim IOC ist. (Beifall von der AfD) Wenn unsere Sportstätten marode sind, dann ist das kein Argument für Olympia, sondern das ist ein Argument gegen Ihre Sportpolitik. Ich betone noch einmal ausdrücklich: Wir freuen uns über sportliche Großereignisse. Wir freuen uns über erfolgreiche Athleten. Selbstverständlich freuen wir uns auch über internationale Gäste. Allerdings lehnen wir ab, einer Bewerbung einen Blankoscheck auszustellen, obwohl Millionen Bürger überhaupt nicht gefragt wurden. Wir lehnen auch ab, Olympia als Allheilmittel für politische Versäumnisse zu verkaufen. Des Weiteren lehnen wir ab, den Menschen einzureden, es hänge von einer Entscheidung des IOC ab, ob unsere Sportstätten modernisiert werden oder nicht. Schaffen Sie doch erst einmal die Grundlage dafür, dass Nordrhein-Westfalen ein echtes Sportland bleibt. Beantworten Sie außerdem die Frage, wie Sie die Sportinfrastruktur auch ohne Olympia erhalten und schaffen wollen. Wie sanieren Sie Hallenschwimmbäder, wenn die Sportmilliarde versiegt ist? Wie bauen Sie kosten-Landtag günstig neue? Wie sorgen Sie dafür, dass Kinder überhaupt schwimmen lernen und Vereine bezahlbare Sportstätten finden? Denn genau daran mangelt es in Nordrhein-Westfalen derzeit mehr als an Olympischen Spielen. Die AfD-Fraktion wird sich auch in Zukunft dafür einsetzen, dass der Leistungs- und Breitensport endlich die Unterstützung erhält, die er verdient, und das auch ohne Olympische Spiele. – Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall von der AfD)
