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Astrid Vogelheim

GRÜNE 15.07.2026 Sitzungen 18/127

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Klimakrise bedeutet eine extreme Zunahme von Extremen. Diese Extreme sind zwar noch die Ausnahmesituation, aber die letzten Jahre zeigen, dass wir immer wieder und immer häufiger mit dem Unberechenbaren rechnen müssen. Jede Krise lehrt uns etwas für die nächste, aber sie zeigt uns auch, dass wir nie alle Auswirkungen vorhersehen können. Krisen treffen uns immer genau an den Schwachstellen. Der Klimawandel stellt uns vor enorme Herausforderungen. Deshalb haben wir mit dem Klimaanpassungsgesetz und der Klimaanpassungsstrategie mit ihren 110 konkreten Maßnahmen wichtige Grundlagen geschaffen. Klimaanpassung ist aber kein Zustand, den man einmal erreicht, sondern sie muss sich mit jeder neuen Erkenntnis weiterentwickeln. Deshalb ist es unerlässlich, dass wir auf die Extreme reagieren und den Schutz von Bevölkerung, Ökosystem und Wirtschaft nachjustieren, dass wir flexibel und entschlossen handeln und aus der aktuellen Ausnahmesituation für die nächste lernen. Denn diese kommt bestimmt viel früher, als uns lieb ist. 15.07.2026 Manche Krisensituationen schweißen Menschen in gegenseitiger Hilfe zusammen. In einer Hitzewelle dagegen bleiben viele Menschen mit ihrer Belastung allein. Hitze ist die tödlichste Folge der Klimakrise in Deutschland. Und trotzdem sterben viele Menschen leise, hinter verschlossenen Türen und oft ohne die öffentliche Aufmerksamkeit, die andere Katastrophen zu Recht auslösen. Wer sich keinen wirksamen Hitzeschutz leisten kann, fühlt sich in diesen Tagen oft alleingelassen. Was diese Menschen in den Nachrichten sehen, ist: Ausgerechnet bei ihnen spart die Bundesregierung am meisten, obwohl sie von den Folgen der Klimakrise besonders hart betroffen sind. (Beifall von den GRÜNEN und Marco Schmitz [CDU]) Die wirtschaftlichen und ökologischen Schäden dieser Hitze und Trockenheit können wir noch überhaupt nicht abschätzen. Aber allen, die gerade auf dem Land unterwegs sind, fallen wohl die Mähdrescher auf, die überall Noternten einfahren, bevor das Getreide verbrennt. Diese Krise geht an unsere Existenzgrundlage. Sie ist kein singuläres Ereignis. Vielmehr weist sie auf die sehr viel größere Bedrohung hin, die uns mittlerweile überall umgibt: die Klimakrise. Das Wichtigste ist jetzt, kurzfristig und effektiv zu unterstützen. Es ist gut, dafür Maßnahmen zu treffen, die bei den bereits vereinbarten und in Gang gesetzten Maßnahmen noch nicht bedacht wurden oder nicht schnell genug gehen. Deswegen, liebe Kolleginnen und Kollegen von der SPD und der FDP, ist es auch wichtig, dass wir jetzt Dinge auf den Prüfstand stellen, die schon laufen. Dabei müssen wir die bestehenden Strukturen konsequent weiterentwickeln. Nordrhein-Westfalen fängt beim Hitzeschutz nicht bei null an. Ganz im Gegenteil: (Beifall von den GRÜNEN – Zuruf von Nadja Lüders [SPD]) Wir haben in den vergangenen Jahren entscheidende Grundlagen geschaffen. Das Klimaanpassungsgesetz verpflichtet, Klimaanpassung bei kommunalen Projekten mitzudenken. Dazu gehört auch die Hitzevorsorge. Mit dem neuen Landeswassergesetz erleichtern wir den Ausbau öffentlicher Trinkwasserbrunnen. Mit dem NRW-Plan stellen wir auch Mittel für die Klimafolgenanpassung zur Verfügung. Wir schaffen die Grundlage dafür, dass alle Kommunen flächendeckend Klimaanpassungskonzepte entwickeln müssen und stellen über den Klimaatlas umfangreiche Daten bereit, die es möglich machen, besondere Betroffenheiten zu ermitteln und gezielt zu unterstützen. Es gibt diverse Förderprogramme des Landes für Klimaanpassungsmaßnahmen in Kommunen, und die Kommunalbera-Landtag tung Klimafolgenanpassung NRW berät die Kommunen seit Jahren erfolgreich und wird jetzt verstetigt. (Zuruf von Nadja Lüders [SPD]) So unterstützen wir Schwammstadtmaßnahmen und haben das Projekt „Coole Schulhöfe“ in Gang gebracht. Ich zähle das aber nicht auf, um mich darauf auszuruhen, denn wir sehen ja: Das ist noch nicht genug. Wir müssen kurzfristige Maßnahmen anschieben. Wir schauen dabei besonders in die Städte, denn dort leiden die Menschen unter zu viel versiegelter Fläche und zu großer Hitze. Neben baulichen Anpassungen, Verschattungen, Begrünungen und der besseren Kühlung besonders sensibler Einrichtungen müssen wir aber das ganze Land in den Blick nehmen. Denn um die Gesundheit aller Menschen zu bewahren, sind wir auf alle intakten Ökosysteme angewiesen. Es gilt, uns Ökosystemleistungen zunutze zu machen – beispielsweise die kühlende Wirkung von Wäldern und Gewässern als Kaltluftentstehungsgebiete. Dafür brauchen wir dringend Renaturierung, flächensparendes Handeln und den gezielten Schutz von Flächen für natürliche Klimaanpassung. Damit wir nicht immer wieder und immer häufiger auf neue Ausnahmesituationen reagieren müssen, brauchen wir vor allem eines ganz entschieden: einen viel konsequenteren Klimaschutz. (Beifall von den GRÜNEN) Denn so wichtig kurzfristiger Hitzeschutz ist, Klimaanpassung ist nur eine Seite der Medaille. Jeder Baum, den wir erhalten, jede Fläche, die wir entsiegeln, jeder Trinkwasserbrunnen, den wir bauen, hilft. Aber die wirksamste Maßnahme gegen immer häufigere und immer gefährlichere Hitzewellen bleibt konsequenter Klimaschutz. Klimaschutz ist Daseinsvorsorge, ist Zukunftssicherung für alle in unserem Land: die Städte, die Dörfer, die Ökosysteme, die Wirtschaft, die Menschen. Langfristiger Klimaschutz gelingt nur, wenn alle mitziehen, nicht trödeln, nicht kleinreden, nicht aufschieben, wenn es gerade mal nicht heiß ist. Wir brauchen keine Politik des Kurzzeitgedächtnisses, bei der erst dann Bedenken laut werden, wenn Wetterextreme das Land im Griff haben. Es ist gut, dass wir diese Diskussion jetzt führen und dass wir uns offenbar im Ziel gerade einig sind. Sie darf aber nicht enden, sobald die Temperaturen wieder sinken, denn Klimaanpassung und Klimaschutz sind keine Aufgabe für einen Sommer. Sie begleiten uns über Jahre und Jahrzehnte. Nordrhein-Westfalen war das erste Bundesland, das Klimaanpassung systematisch gesetzlich verankert hat. Darauf können wir aufbauen. Wir befinden uns aber nicht in einem Wettlauf mit den anderen Bun-15.07.2026 desländern, sondern in einem Wettlauf mit der Klimakrise und ihren Folgen. Wir sollten alles daransetzen, diesen Wettlauf nicht zu verlieren. – Vielen Dank. (Anhaltender Beifall von den GRÜNEN – Ver- einzelt Beifall von der CDU)

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