landtag.nrw.de ↗

Sven Werner Tritschler

AfD 19.06.2026 Sitzungen 18/126

Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Vor ein paar Tagen ging SpaceX an die Börse. Es war ein Ereignis der Superlative, und nach gestrigem Börsenkurs hat das Unternehmen aktuell einen Wert von 2,36 Billionen US-Dollar. Das war vor allem die phänomenale Leistung eines Mannes – von Elon Musk. Vor gut 20 Jahren wurde er bei der Unternehmensgründung noch verspottet. Heute ist er der erste Billionär der Weltgeschichte, was hier im Haus eher zu Neidreflexen führt, wie wir gestern mehrfach hören durften. Noch 2008 stand das Unternehmen kurz vor dem Ruin. Die ersten Starts der Falcon-Rakete scheiterten allesamt und hatten fast das gesamte Kapital aufgezehrt. Aber mit Mut und Unternehmergeist schaffte man es. Meine Damen und Herren, damit sollten Sie 19.06.2026 sich vielleicht einmal beschäftigen. Da könnten Sie viel lernen. Inzwischen bringt SpaceX Menschen in die Erdumlaufbahn, plant Mond- und Mars-Missionen und hat die Frachtpreise für Satelliten auf einen winzigen Bruchteil dessen gesenkt, was all die staatlichen Raumfahrtagenturen über Jahrzehnte verlangt haben. Während die meisten Menschen mit Satellitenstarts und Mond-Missionen nur entfernt etwas zu tun haben, profitieren sie schon jetzt in der ganzen Welt vom Satellitennetz Starlink. Hierzulande muss man je nach Wohnsitz immer noch hoffen, dass die Telekom irgendwann mal mit schnellem Internet vorbeikommt. Musks Satellitennetz ist weltweit schnell, günstig und einfach verfügbar, inzwischen sogar auf mobilen Geräten. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob dieser Antrag von CDU und Grünen jetzt eine Reaktion auf den Börsengang von SpaceX ist. Aber wenn es so sein sollte, ist es ziemlich nach hinten losgegangen. Jedenfalls erklärt er aber ganz gut, woher diese Hass- und Neidreflexe in Richtung Musk rühren: Es sind offenbar Minderwertigkeitskomplexe. Ja, auch wir freuen uns, dass die Menschheit wieder zum Mond strebt, was übrigens unter anderem auf die Entschlossenheit von Donald Trump zurückzuführen ist, aber den hassen Sie ja mindestens genauso sehr wie Elon Musk. Und ja, wir freuen uns, dass auch die Europäische Raumfahrtagentur ESA an der NASA-Mission beteiligt ist. Es ist auch schön, dass ein Modul der Raumfähre in Bremen entstanden ist und dass auch NRW-Teile dazu beitragen durfte. Alles schön – wer könnte etwas dagegen haben? Aber seien wir einmal ehrlich: Für die Aussage „Nordrhein-Westfalen ist im Bereich der Raumfahrt hervorragend positioniert“ – so steht es im Antrag – ist das dann doch ein bisschen wenig. Und dass, wie wir es gerade von den Grünen gehört haben, internationale Raumfahrt nur mit NRW möglich sei, ist doch eher ein bisschen lächerlich, meine Damen und Herren. Nicht einmal im Vergleich der Bundesländersind wir besonders gut positioniert. Auch das haben wir gerade gehört. Bayern etwa hat für sein Space Valley rund 700 Millionen Euro bereitgestellt. Sie haben hingegen vor, irgendwann in den nächsten Jahren irgendwie ein paar Millionen freizugeben. Konkreter wird Ihr Antrag leider nicht. Selbst innerhalb von Deutschland sind wir eher Mittelmaß. In Europa sind wir es ohnehin, und auch das fällt immer weiter zurück, vor allem hinter die USA. Das wundert auch nicht, denn hier herrscht einfach nicht das Klima für Unternehmer- und Forschergeist. Man stelle sich einmal vor, jemand hätte SpaceX hier in Deutschland gründen wollen. Der würde wahr-Landtag scheinlich heute noch auf seine Umweltverträglichkeitsprüfung warten. Und bevor der Vorstand des Unternehmens nicht irgendwie geschlechterparitätisch besetzt ist, gibt es auch keine Fördermittel. Mit diesem Geist – erst mal regulieren, erst mal kontrollieren und steuern – fallen wir weltweit immer weiter zurück. Aber CDU und Grüne sorgen mit ihren Anträgen zumindest für eine nette Begleitmusik – sei es von Vangelis oder sei es Fahrstuhlmusik. Dann feiert man sich auch noch dafür, dass man ein bisschen Technik zuliefern durfte, als drei Amerikaner und ein Kanadier zum Mond geflogen sind. (Julia Eisentraut [GRÜNE]: Keine Ahnung von Raumfahrt!) Machen Sie das, meine Damen und Herren. Aber wundern Sie sich bitte nicht, wenn keiner auf der Welt Europa mehr so richtig ernst nehmen will. Das fällt einfach schwer, wenn man so etwas liest – auch beim vorliegenden Antrag, dem wir natürlich nicht zustimmen können. – Vielen Dank. (Beifall von der AfD – Julia Eisentraut [GRÜNE]: Raumfahrt gehört offensichtlich nicht zu Ihren Kernkompetenzen!)

Protokoll ↗