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Dilek Engin

SPD 18.06.2026 Sitzungen 18/125

Seit Juni dieses Jahres wissen wir es erneut: Über 7700 Lehrkräfte fehlen in NRW. Diese Lehrkräfte kommen – eben nicht wie der Strom einfach nur aus der Steckdose – einfach so in die Schulen. Diese Lehrkräfte müssen ausgebildet, gewonnen und langfristig im Beruf gehalten werden. Das Problem beginnt also wesentlich eher: Wie bekommen wir junge Menschen wieder verstärkt in den Lehrkräfte-Beruf? Hohe Abbruchquoten in Nordrhein-Westfalen zeigen doch den grundlegenden Reformbedarf der Lehramtsausbildung auf. Nicht jeder zehnte, nicht jeder zwanzigste, jeder zweite Lehramtsstudent wirft das Handtuch, bevor er je eine eigene Klasse betreten hat. – so hat es der Stifterverband in seinem Lehrkräftetrichter vorgerechnet. Es nützt auch nichts, die Verantwortlichkeiten hier zwischen Uni, Seminar, Schule und Schulaufsicht Landtag hin und her zu schieben und alle gegeneinander auszuspielen. Um dem dramatischen Lehrkräftemangel wirksam zu begegnen, bedarf es daher mehr als nur, wie in der von der Landesregierung hier vorgelegten Idee, kleinere Anpassungen und ein Nachjustieren der bisherigen Lehramtsausbildung. Es gilt ganz klar: Wir brauchen eine nachhaltige groß angelegte Lehrkräfteoffensive. Und nennen Sie mir bitte nicht ihre Kampagne „Lehrkraft-werden“ als Antwort. Das ist kein Reformprogramm. Das ist ein Pflaster auf einer offenen Wunde. Nordrhein-Westfalen braucht ein grundlegendes Überdenken, warum es diese hohen Abbruchsquoten einerseits gibt, und andererseits braucht es eine echte Offensive zur Gewinnung potenzieller neuer Lehrkräfte. Gerade in einer Zeit, in der die Anforderungen an Schule stetig wachsen, muss die Ausbildung von Lehrkräften höchsten qualitativen Ansprüchen genügen und der Praxisschock muss abgefedert werden. Inklusion fordert, Digitalisierung fordert, sprachliche Vielfalt fordert. Die wachsenden psychischen Belastungen unserer Kinder fordern. Ja, der Lehrkräfte-Beruf ist heute weitaus vielschichtiger und ich möchte fast sagen auch herausfordernder als er es vielleicht noch vor 20, 30 Jahren war. Die Antwort der Landesregierung: fünf zusätzliche Praxistage anstatt Menschen eine moderne, durchdachte und qualitativ hochwertige Ausbildung. Die SPD-Fraktion hat eine Idee eingebracht, die sich am Dualen System orientiert und die die Verknüpfung von Theorie und Praxis wirklich ernst nimmt. Das ist sicher auch nicht der Weisheit letzter Schluss, aber es ist ein konkreter Ansatz, Neues auszuprobieren, sich an anderen Bundesländern wie Thüringen, Sachsen oder Baden-Württemberg, und es ist ein Ansatz, der mehr beinhaltet hat, als lediglich 5 weitere Praxistage anzusetzen. Die Frage ist doch, ob der vorliegende Gesetzentwurf der Landesregierung den tatsächlichen Herausforderungen gerecht wird. Und genau daran haben wir begründete Zweifel. Die Zahlen der fehlenden Lehrkräfte bleiben seit Übernahme der Schwarz-geführten Landesregierung dramatisch hoch, auch wenn Sie sich hier bei jeder Gelegenheit dafür rühmen, dass Sie so und so viel neue Stellen geschaffen haben. Die Zahl der fehlenden Lehrkräfte steigt und wird in Zukunft weiter steigen, wenn wir nicht gegensteuern. Die von Ihnen vorgeschlagenen Änderungen bleiben weit hinter dem zurück, was unsere Schulen 18.06.2026 brauchen. Die Landesregierung beschränkt sich erneut auf einzelne Anpassungen, statt die Lehrkräftebildung endlich strukturell weiterzuentwickeln. Die Anhörung hat noch einmal eindrucksvoll bestätigt: Lehrkräfteausbildung gehört in den Fokus – die fehlende Passung von Theorie und Praxis muss in Angriff genommen werden. Das heißt, dass die fehlende Verzahnung zwischen Studium, Praxisphasen und Vorbereitungsdienst, wie von vielen Expertinnen und Experten kritisiert, endlich angegangen werden muss. Stellen sie sich eine junge Studentin vor, mitten im Praxissemester, die abends durchrechnet, ob das Geld noch für Miete und Essen reicht, weil der Nebenjob wegfällt, den die Ausbildung abverlangt. Frau Feller, hören Sie doch den jungen Menschen einfach zu. Sie beschreiben die Probleme doch ganz genau. Auch hier gilt, was überall im Bildungssystem gilt: Wir haben schon lange kein Erkenntnisproblem mehr. Die Anhörung hätte eine Chance sein können, Hinweise aus Wissenschaft und Praxis aufzunehmen und den Gesetzentwurf nachzubessern – zumindest um einen Passus, der Modell-Studiengänge testweise ermöglicht. Doch bislang entsteht der Eindruck, dass die Landesregierung an ihrem verwaltungsverliebten Kurs festhält, unabhängig von der vorgetragenen Kritik. Die Herausforderungen an unseren Schulen sind zu groß für halbherzige Reformen. Deshalb appelliere ich an die Landesregierung: Nehmen Sie die Erkenntnisse aus der Anhörung ernst. Setzen Sie diesen bildungspolitischen Sturzflug nicht fort. Denn am Ende eines Sturzflugs steht keine Bruchlandung, sondern ein Absturz, von dem sich eine ganze Generation nicht mehr erholt.

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