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Dr. Volkhard Wille

GRÜNE 18.06.2026 Sitzungen 18/125

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Aufgabe der Stiftung Naturschutzgeschichte ist es, die Geschichte des Naturschutzes in Deutschland zu dokumentieren, wissenschaftlich zu erforschen und darzustellen. Im Zentrum stehen das Verhältnis des Menschen zu Natur und Umwelt und die gesellschaftliche Auseinandersetzung darüber. Es handelt sich um eine private Stiftung, in der neben dem Bund zahlreiche Bundesländer und Verbände Mitglied sind. Tätigkeitsschwerpunkte sind das Archiv, das Forum und bis 2023 auch das Museum in der Vorburg der Drachenburg. Das Museum gewährt uns einen Blick zurück auf die Geschichte des Naturschutzes. Im 19. Jahrhundert gab es erste Unterschutzstellungen von Natur in konkreten Einzelfällen, zum Beispiel die Unterschutzstellung des Drachenfelsen im Jahr 1836 – wenn man so will, das erste Naturschutzgebiet im heutigen Deutschland bzw. in Preußen. Landtag Naturschutz wurde besonders um die Jahrhundertwende eine Antwort auf die zunehmende Industrialisierung sowie immer intensivere Nutzung und Inanspruchnahme der Landschaft. Dabei gab es ganz unterschiedliche Erwägungen: naturwissenschaftliches Interesse, Erholungsfunktion, naturverträgliche Landnutzung, Liebe zur Natur und ein breites Naturbewusstsein formierten sich, aber noch ungesteuert und uneinheitlich. Nach und nach entwickelten sich viele ehrenamtliche Strukturen, Verbände formierten sich, und der Naturschutz erlangte eine politische Repräsentation. Das alles wurde im Deutschen Museum für Naturschutzgeschichte in Königswinter dargestellt, und es war eine wirklich sehr lohnenswerte Ausstellung. Somit ist das Anliegen des Antrags erst einmal grundsätzlich nicht falsch; es verwundert aber, dass es nun ausgerechnet von der AfD vorgetragen wird. Das Museum berichtet nämlich auch sehr ausführlich von völkisch-rassistischen Strömungen im frühen Naturschutz und der Vereinnahmung des Naturschutzes durch die Nationalsozialisten. (Markus Wagner [AfD]: Damit haben wir nichts zu tun!) Der Naturschutz wurde in der NS-Zeit gezielt mit einer Blut- und Bodenideologie aufgeladen. Diese Ideologie gipfelte in der Instrumentalisierung des Naturschutzes für zutiefst antisemitische Volksverhetzung. Jüdische Naturschützer und solche, die dieser Ideologie nicht folgten, wurden zum Opfer des NS-Regimes. Nach 1945 erfolgte viele Jahre lang kaum eine kritische Aufarbeitung dieses dunklen Kapitels der deutschen Naturschutzgeschichte. Auch und insbesondere daran gilt es zu erinnern, wenn man sich mit der deutschen Naturschutzgeschichte beschäftigt. Das hat das Museum getan, und das ist die entscheidende Leerstelle des AfD-Antrages. Hier wird schon wieder versucht, den Naturschutz als bloße Heimatliebe zu verklären, während man die Schattenseiten dieser Instrumentalisierung bewusst ausblendet und keine echten Lösungen zum Schutz der Natur anbietet. Die aufgrund von mehrjährigen Erfahrungen der Stiftung getroffene Entscheidung, das Museum bis auf Weiteres nicht zu betreiben, sondern die Inhalte in den digitalen Raum als virtuelles Museum zu übertragen, halten wir für nachvollziehbar.

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