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Jonathan Grunwald

CDU 18.06.2026 Sitzungen 18/125

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! „Weit droht ins offne Rheingfild der turmgekrönte Drachenstein, die breite Brust der Wasser schwillt an Ufern hin, bekränzt vom Wein.“ Als der englische Dichter Lord Byron 1816 diese Zeilen beim Anblick des markanten Drachenfelsens in Königswinter dichtete, konnte er nicht ahnen, was er auslöste. Sein Gedicht über den turmgekrönten Drachenfels wurde in vielen Reiseführern abgedruckt und löste einen bis dahin nicht gekannten Massentourismus aus. Millionen romantisch gesinnter Touristen kamen ins Rheintal und erklommen zu Fuß, mit dem Esel oder später mit der Zahnradbahn den Gipfel und bescherten Hotels und Gastronomen gute Geschäfte. Die Attraktivität der Region konnte allerdings nur gesichert werden, da der preußische Staat 1836 den Steinbruch am Drachenfels erwarb, um die Abbauarbeiten mit sofortiger Wirkung zu stoppen. Der Kauf gilt als die erste Großtat eines deutschen Staats im Bereich des Naturschutzes. Später gründete sich der Verschönerungsverein für das Siebengebirge und bewahrte die gesamte Siebengebirgslandschaft vor weiterer industrieller Zersetzung durch die damals noch zahlreich vorhandenen Steinbrüche. 1923 dann wurde das Siebengebirge als zweites Naturschutzgebiet in Deutschland ausgewiesen. Es ist daher absolut folgerichtig, dass 1996 die dann gegründete Stiftung Naturschutzgeschichte ihren Sitz unterhalb des Drachenfelsens im Siebengebirge bezog. Untergebracht in den Räumlichkeiten von 18.06.2026 Schloss Drachenburg – wahrscheinlich dem schönsten Schloss des Landes; diese kleine Zwischenbemerkung sei mir mit Blick auf meine Heimat gestattet – dokumentiert und erforscht die Stiftung seitdem die Geschichte des Naturschutzes in Deutschland. Ich will zu Beginn ausdrücklich sagen: Die fundierte und wertvolle Arbeit, die von den Mitarbeitern der Stiftung geleistet wird, verdient Anerkennung, Sichtbarkeit, aber sicherlich keine parteipolitische Vereinnahmung und ideologische Instrumentalisierung durch die AfD. (Beifall von der CDU, der SPD, den GRÜNEN und der FDP) Genau damit sind wir beim Thema des vorliegenden Antrags. Die AfD macht die vor gut drei Jahren erfolgte Schließung einer in der Vorburg von Schloss Drachenburg untergebrachten Ausstellung über die Geschichte des Naturschutzes zum Gegenstand der Debatte. Sie fordern die unverzügliche Wiedereröffnung der Ausstellung, die Ausarbeitung eines Wirtschafts- und Betriebsplans sowie einen jährlich dem Landtag vorzulegenden Maßnahmen- und Zeitplan zur Sicherung des Museums. Sie fordern dies, ohne sich ernsthaft und aufrichtig mit den Gründen der Schließung auseinandergesetzt zu haben. Ich helfe Ihnen: Die Gremien der Stiftung haben einstimmig – ich wiederhole: einstimmig – beschlossen, die 15 Jahre alte Dauerausstellung zu schließen. Wie Sie der Homepage der Stiftung hätten entnehmen können, ist die Entwicklung eines virtuellen Museums geplant, um den neuen Nutzungsgewohnheiten der Menschen gerecht zu werden. Alles nachvollziehbar und genau richtig, um die wichtige Arbeit der Stiftung einem noch größeren Publikum zugänglich zu machen. (Beifall von der CDU) Ihr Antrag ist daher nichts als blanker Hohn und eine Missachtung der Arbeit der Mitarbeiter der Stiftung. Aber das alles interessiert die AfD nicht. Herrn Schalley geht es in seinem vermeintlich kulturtragenden Antrag überhaupt nicht um die Dauerausstellung. Die AfD instrumentalisiert mit diesem Antrag lediglich die Stiftung und Schloss Drachenburg, um die Naturschutzgeschichte mit der völkisch-ideologischen Erzählung des Heimatschutzes zu ideologisieren. Sie wollen aus einem Kultur- und Bildungsort eine Projektionsfläche für die eigenen Begriffe von Volk, Heimat und nationaler Identität machen. Das ist abartig und geschichtsvergessen. (Beifall von der CDU, der SPD, den GRÜNEN und der FDP) Ich bin der Stiftung Naturschutzgeschichte in Königswinter daher umso mehr dankbar für die Forschungsarbeiten zu rechtsextremen und nationalistischen Aktivitäten im Naturschutz. Die Ausarbeitung über die Landtag 20er- und 30er-Jahre des letzten Jahrhunderts, in denen führende Naturschützer Brücken zur Blut- und Bodenideologie der Nationalsozialisten bauten und Vorstellungen eines Urdeutschlands kreierten, sind eine wichtige Dokumentation der Geschichte, aus der es zu lernen gilt. Die Stiftung befasst sich aber nicht nur mit der Aufarbeitung und Dokumentation der Vergangenheit, sondern arbeitet auch brandaktuell zum Beispiel zum Versuch des völkischen Rechtspopulismus rechtsextremer Kreise wie dem Dritten Weg oder der Identitären Bewegung, den Naturschutz systematisch und strategisch zu unterwandern und thematisch zu besetzen. Inwieweit sich auch die Beiträge eines AfD-Landespolitikers aus Nordrhein-Westfalen im neurechten Ökomagazin „Die Kehre“ zum Beispiel zur rechten Landwirtschaftspolitik hier einordnen lassen, wissen Sie, Herr Schallay, sicherlich am besten. (Zuruf von Zacharias Schalley [AfD]) Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir akzeptieren nicht, dass Stiftungen und deren Mitarbeiter oder unsere Wälder und der Schutz der Natur zum Spielball ideologischer Weltanschauung degradiert werden. (Beifall von der CDU, der SPD, den GRÜNEN und der FDP) Der AfD-Antrag bietet keine Grundlage für eine seriöse Auseinandersetzung mit der Geschichte des Naturschutzes in unserem Land. Er ist ideologisch durchzogen und der Versuch, Heimat- und Naturschutz durch die AfD zu vereinnahmen. Ihr Versuch ist gescheitert. Wir lehnen den Antrag ab. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN)

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