Zacharias Schalley
Vielen Dank. – Frau Präsidentin! Werte Damen und Herren! Hätten Sie es gewusst? Die Wiege des deutschen Naturschutzes steht in Nordrhein-Westfalen. 1836 stellte der preußische Staat Teile des Drachenfels im Siebengebirge unter Schutz. Der markante Gipfel mit seiner malerischen Burgruine drohte durch intensive Steinbrucharbeiten zerstört zu werden. Bürger aus Bonn und Köln protestierten gegen diesen Raubbau und die Naturzerstörung. Der preußische König Friedrich Wilhelm III. hörte auf die Stimmen aus dem Volk. Er veranlasste den Kauf des Gipfels durch den preußischen Staat und verbot fortan jeden Steinabbau auf dem Drachenfels, um so die Silhouette des Berges als Naturschönheit zu sichern. Das war der Geburtsmoment des staatlichen Naturschutzes hier bei uns. Im Siebengebirge wurde erstmals in unserem Land eine Landschaft um ihrer Selbstwillen geschützt, nicht aus wirtschaftlichen Gründen und lange bevor es Naturschutzgesetze, globale Nachhaltigkeitsziele oder gar die Grünen gab. Es ging um die Bewahrung von Schönheit, Identität und Heimat. Was am Drachenfels begann, setzte sich in den folgenden Jahrzehnten fort. 1869 gründete sich der Verschönerungsverein für das Siebengebirge. 1886 folgte der Verein zur Rettung des Siebengebirges. Die Bürger sammelten Spenden, organisierten Lotterien und kauften über 800 Hektar Land, um die wildromantische Landschaft aus Fels, Ruine und Wald vor weiterem Raubbau zu retten. Die Idee, Natur als Ausdruck von Heimatliebe und Identität zu verstehen, war genuiner Bestandteil von Umweltschutz. Der 1904 durch Ernst Rudorff gegründete „Bund Heimatschutz“ verband Naturschutz, Denkmalschutz und den Erhalt des deutschen Volkstums untrennbar miteinander. Für Rudorff und die Heimatschutzbewegung lag in dem innigen Gefühl für die Natur und die Heimat die Wurzel für die Kraft eines Volkes. Genau diese Verbindung von Naturschutz und Heimatliebe hat das Deutsche Museum für Naturschutzgeschichte auf Schloss Drachenburg über viele Jahre vermittelt, konkret, anschaulich und auch mit Stolz auf die Wurzeln des deutschen Naturschutzes. Und heute? Heute steht das einzige Museum, das sich ausschließlich der Geschichte der deutschen Naturschutzbewegung widmet, seit über drei Jahren leer. Die Türen sind zu, die Ausstellung ist dunkel. Ein Skandal, der nicht länger hingenommen werden darf. Das ist ein Prüfstein dafür, ob dieses Land noch zu seiner eigenen Geschichte steht oder ob es sie 18.06.2026 einfach vergisst, weil sie nicht mehr ins aktuelle Narrativ passt. Die Stiftung Naturschutzgeschichte als Träger des Museums hat es aus finanziellen Gründen schließen müssen. Das Land NRW trägt als Mitgründer dieser Stiftung jedoch eine besondere Verantwortung. Es ist paradox, dass ausgerechnet unter einem grünen Umweltminister das Museum, welches die Ursprünge der deutschen Naturschutzbewegung dokumentiert, seit Jahren geschlossen ist. Wer einerseits den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen beschwört, aber andererseits zulässt, dass das Gedächtnis des Naturschutzes dauerhaft geschlossen ist, der muss sich fragen lassen, wie ernst es ihm mit der Bewahrung unserer Heimat und Natur wirklich ist. Es kann nicht sein, dass Geld da ist für die Untersuchung von neurechten Interventionen im Naturschutz während gleichzeitig die Erinnerung an die historischen Wurzeln der Naturschutzbewegung vernachlässigt wird. Was sagt das eigentlich über den Zustand dieses Landes aus? In unserer Landesverfassung steht es unmissverständlich. Die Jugend soll zur Verantwortung für die natürlichen Lebensgrundlagen erzogen werden, in Liebe zu Natur und Heimat. Dieses Museum hat genau das getan. Es hat gezeigt, wie Bürgerengagement und Ehrenamt unseren Naturschutz stark gemacht haben von den ersten Protesten am Drachenfels über die Vereine im Siebengebirge bis zur Heimatschutzbewegung. Es hat nicht abstrakte, globale Ideologien vermittelt, sondern konkrete, anschauliche und auch stolze Heimatgeschichte. Aber vielleicht ist genau das auch der Grund für die mangelnde Fürsorge. Betrachtet man die Geschichte der Naturschutzbewegung, so wird klar: Umweltschutz ist Heimatschutz und damit konservativ. Es ging den Vätern der Naturschutzbewegung nicht um globale Klimaziele oder bedrohte Tiere am anderen Ende der Welt, es ging ihnen stets um das Eigene, die Identität und Kultur unseres Volkes, die aus unserer heimatlichen Natur entspringt. Ernst Rudorff wäre angeekelt von Figuren wie Luisa Neubaur oder Greta Thunberg. König Friedrich Wilhelm und die damaligen Bewohner am Fuße des Drachenfels würden die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, wenn sie von den Windindustrieanlagen auf der Kasseler Heide bei Königswinter wüssten. Besinnen wir uns also auf die konservativen Wurzeln des Naturschutzes. Sorgen wir dafür, dass es wieder einen Ort gibt, wo diese Wurzeln sichtbar sind. Denn dieses Museum ist der Beweis, dass Naturschutz und Heimatliebe seit jeher zusammengehören, von den Bürgerprotesten vor über 200 Jahren über Ernst Rudorff und den „Bund Heimatschutz“ bis in unsere Zeit. – Vielen Dank. (Beifall von der AfD) Landtag
