Berivan Aymaz
Für die Landesregierung hat nun Herr Minister Laumann das Wort. Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales: Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Zunächst einmal möchte ich mich auch aus meiner Sicht als Arbeitsminister für diesen Antrag bedanken, auch dafür, dass wieder erneut im Landtag von Nordrhein-Westfalen klar ist, dass Behindertenpolitik für uns keine parteipolitische Frage, sondern ein gemeinsames Anliegen ist. Das ist eine gute Tradition. (Beifall von der CDU, der SPD und den GRÜNEN) Ich rede seit vielen Jahren über Arbeitskräftemangel, Fachkräftemangel in unserem Land. Das Thema nimmt allerdings auch aufgrund der großen Probleme in der Industrie zurzeit ab. Aber wir haben 53.000 Menschen bei der Bundesagentur für Arbeit als arbeitslos gemeldet. Davon hat die Hälfte eine vernünftige, abgeschlossene Berufsausbildung, und trotzdem sind sie arbeitslos. Es ist auch keine Frage von Geld, denn Förderungen, um solche Menschen einzustellen, stehen über die Integrationsämter in Hülle und Fülle zur Verfügung. Sie wissen, dass wir mit der nordrhein-westfälischen Wirtschaft eine entsprechende Abmachung auf den Weg gebracht haben, damit wir uns gemeinsam um diese Aufgabe kümmern. Ich habe viele Veranstaltungen zu dem Thema besucht und habe in vielen Landtag Gesprächen Erfahrungen gesammelt und Beobachtungen gemacht. Es ist einfach so, dass die Erkenntnisse über die Frage von Behinderten bei vielen Arbeitgebern und bei denjenigen, die das Recht haben, Personal einzustellen, nicht besonders ausgeprägt sind. Deswegen brauchen wir einfach Werbung und Information. Ich persönlich bin immer wieder davon überrascht, mit welchen Möglichkeiten wir heute Behinderungen am Arbeitsplatz weitestgehend ausgleichen können. Die Digitalisierung hat Möglichkeiten geschaffen, die wir uns vor 15 Jahren gar nicht vorstellen konnten. All das muss vielmehr in der Arbeitswelt bekannt werden. Das ist eben eine Aufgabe, an der man dranbleiben muss, um Veränderungen hinzubekommen. Der nächste Punkt ist: Je länger ein Mensch mit Behinderung in einem Sondersystem ist, desto schwerer wird es, ihn da wieder herauszubekommen. Das ist auch eine Erfahrung, die ich über die vielen Jahre gesammelt habe. Deswegen finde ich es wichtig, dass wir bei der Berufsorientierung von Menschen mit Behinderungen sehr korrekt, sehr individuell, sehr auf den einzelnen bezogen arbeiten müssen. Daher bin ich froh darüber, dass es uns gelungen ist, Berufsorientierung etwa für behinderte Menschen, die in den Inklusionsschulen, aber auch in den Förderschulen sind, in diesem Land zu installieren, um so weit wie möglich zu verhindern, dass der Weg in die Behindertenwerkstatt, da wo er nicht sein muss, angetreten wird. Denn wenn du erst einmal in diesem System bist, ist es gar nicht so einfach, da wieder herauszukommen, auch wenn du fehlgeleitet bist. Deswegen werbe ich überall bei den Trägern der Behindertenwerkstätten dafür, dass man weiterhin ein Auge dafür hat, auch in einer Behindertenwerkstatt zu erkennen, wenn da jemand ist, der da nicht reingehört, dass man ihm den Weg in den ersten Arbeitsmarkt ebnet. Da sind natürlich Inklusionsbetriebe eine gute Brücke in den ersten Arbeitsmarkt, weil es Unternehmen sind, die dafür gegründet worden sind, gerade Menschen mit Handicaps in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Ich bin froh darüber, dass mittlerweile zunehmend Privatunternehmen eine Inklusionsabteilung in ihren Unternehmen haben, dass Inklusion eben nicht nur in den Behindertenwerkstätten mit Außenarbeitsplätzen usw., was wir alle kennen, stattfindet, sondern eben auch in dem ersten Arbeitsmarkt. Da haben wir einiges Gutes erreicht. Auch freue ich mich darüber, dass wir in den letzten Jahren in den Berufsbildungsausschüssen erreichen konnten, wieder erheblich mehr Fachpraktika-Ausbildungsberufe zu haben. Das sind in allererster Linie Berufe mit einer abgespeckten Theorie, aber es sind wirklich Brücken in den ersten Arbeitsmarkt, in gute Beschäftigung. Wir haben zurzeit 3.300 junge Leute in Nordrhein-Westfalen in der Fachpraktika-Aus-18.06.2026 bildung, und ich bin den Sozialpartnern sehr dankbar, dass man dieses Thema „Fachpraktika-Ausbildung“ heute etwas entideologisiert hat und dass man dort auch weiter zu guten Ergebnissen kommt. Zum Schluss möchte ich gerne sagen, dass diese Frage eine stetige Aufgabe der Arbeitsmarktpolitik ist. Ich wünsche auf jeden Fall, dass alle Menschen, die im erwerbsfähigen Alter sind, Teilhabe am Arbeitsmarkt haben. Wir dürfen uns nie mit Arbeitslosigkeit abfinden, denn ich persönlich habe in meinem Leben die Erfahrung gemacht: Wenn ein Mensch keinen guten Grund hat, morgens aufzustehen, weil er nirgendwo erwartet wird, ist das eine schwierige Situation. Jeder von uns muss sich nur mal vorstellen, wie es wäre, wenn er selbst in einer solchen Situation wäre. Jeder von uns soll sich nur mal vorstellen, was das bedeutet, wenn man zu Hause ein Kind hätte, was aus der Schule ist und keine Lehrstelle findet, das auf der anderen Seite aber auch nicht in die Behindertenwerkstatt gehört. Das macht deutlich, dass man an dieser Frage einfach dranbleiben muss. – Schönen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
