Zacharias Schalley
Sehr geehrter Herr Präsident! Werte Damen und Herren! Manchmal verrät ein kleines Tier mehr über den Zustand eines Landes als ein ganzer Stapel Regierungsberichte. Der Igel ist so ein Tier. Er gehört zu den alten Weggefährten unserer Kulturlandschaft. Er lebt nicht mehr in unberührter Wildnis. Er lebt dort, wo Menschen siedeln, gärtnern, wirtschaften und ihre Heimat gestalten. Der Igel ist ein Bewohner von Hecken, Obstwiesen, Feldrainen und verwinkelten Gärten. Landtag Grundsätzlich begrüßen wir, dass sich der Landtag mit dem Schutz des Igels befasst. Doch warum sprechen wir heute eigentlich über Meister Swinegel, wie der Igel in unseren Märchen heißt? 2024 wurde der Europäische Braunbrustigel von der Deutschen Wildtierstiftung zum Tier des Jahres gekürt. Das ist jedoch weniger als eine Ehrung, sondern viel mehr als ein Alarmsignal zu verstehen. Denn mittlerweile wird der Igel auch in der Roten Liste bedrohter Arten geführt. Wo Hecken verschwinden, Böschungen ausgeräumt, Feldraine beseitigt werden, wo immer neue Flächen unter Asphalt, Beton und Schotter verschwinden, da verschwindet auch der Lebensraum des Igels. Immer öfter verliert der Igel auch das Rennen – jedoch nicht gegen den Hasen, sondern gegen den vollautomatischen Mähroboter. Dessen Sensorik erkennt ihn oft nicht, und aufgrund seines natürlichen Verteidigungsverhaltens – Zusammenrollen und auf die Stacheln vertrauen – wird er dann von den Klingen verstümmelt und stirbt. Wohnungsnot und in der Folge Siedlungsverdichtung sowie eine geringere Pflegebereitschaft bei Gärten rauben dem Igel sein Zuhause. Das sind reale Probleme, die man angehen muss und die man angehen kann. Ob der „Runde Tisch Igelschutz“ diese Probleme allerdings lösen wird, das wird man sehen. Denn wer glaubt, Naturschutz finde in Arbeitskreisen und auf Formblättern und in Flyern statt, der irrt. Wir haben gut ausgebaute Strukturen und engagierte Ehrenamtler in der Igelhilfe überall im Land. Warum diese jetzt der Landestierschutzbeauftragten unterstellt werden und warum das einen Mehrwert bringen soll, erschließt sich uns nicht. Es gibt auch Wettbewerbe, die für igelfreundliche Gärten ausgelobt werden. Auch werden indirekt durch die Landesregierung, und zwar über die Stiftung Umwelt und Entwicklung, Projekte gefördert. Unterm Strich: Es passiert eine Menge, und das ist lobenswert. Aber natürlich kann man mehr tun. Die Erfahrungen mit igelfreundlichen Gärten kann und sollte man auch auf öffentlichen Grünflächen anwenden. Dabei sollte die Landesregierung aber nicht den Igel in der Tasche haben, wie ein altes Sprichwort sagt. Das kann und sollte auch mit finanziellen Mitteln hinterlegt sein. Eine bessere Vernetzung der Ehrenamtler und das Heranziehen ihrer Expertise sind gute Maßnahmen, die wir unterstützen. Auch die Regulation des Einsatzes von Mährobotern, ob über ein Nachtfahrverbot oder verpflichtende verbesserte Sensorik, sollten auf Bundesebene angegangen werden. Für uns Heimat- und Naturschützer in der AfD ist klar: Heimat wächst von unten – langsam, organisch und oft unspektakulär. Der Igel ist ein Symboltier dafür. 17.06.2026 Friedrich Nietzsche schreibt in „Also sprach Zarathustra“: „Gegen das Kleine stachlicht zu sein, dünkt mich eine Weisheit für Igel.“ Der Antrag der Regierungsfraktionen ist zwar klein. Aber wir als AfD werden dagegen nicht stachlicht sein und stimmen zu. – Vielen Dank. (Beifall von der AfD)
