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Dietmar Brockes

FDP 17.06.2026 Sitzungen 18/124

Herr Präsident! Schön, dass ich jetzt auch mal reden darf. (Jens Kamieth [CDU]: Wir freuen uns auch!) Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Der Igel gehört zu den bekanntesten Wildtieren in unserem Land. Er ist ein typischer Kulturfolger und lebt dort, wo Menschen leben. Deshalb ist es auch selbstverständlich richtig, sich Gedanken über seinen Schutz zu machen. Der Rückgang der biologischen Vielfalt ist eine Herausforderung, die wir ernst nehmen müssen. Wenn Arten verschwinden oder ihre Lebensräume verloren gehen, ist das ein Warnsignal. Deshalb verdient auch die Situation des Igels unsere Aufmerksamkeit – auch jetzt zu dieser späten Stunde. Allerdings gilt auch in der Umweltpolitik: Gute Absichten allein reichen nicht aus. Politische Entscheidun-17.06.2026 gen müssen auf belastbaren Erkenntnissen beruhen, Herr Kollege Rüße. Genau daran fehlt es in Ihrem vorliegenden Antrag. (Beifall von der FDP – Norwich Rüße [GRÜNE]: Da bin ich gespannt!) CDU und Grüne beschreiben verschiedene Ursachen für den Rückgang der Igelbestände: Lebensraumverlust, Nahrungsmangel, ungeeignete Pflegepraktiken und technische Geräte wie den Mähroboter. Das Problem ist jedoch: Wir wissen bislang gar nicht genau, wie stark die Population tatsächlich betroffen ist und welche Ursachen den größten Einfluss haben. (Norwich Rüße [GRÜNE]: Das sagen Sie seit zehn Jahren! Das sagen Sie, seit ich im Land- tag bin!) Der Atlas der Säugetiere Nordrhein-Westfalens, Herr Kollege Rüße, dokumentiert zwar das Vorkommen des Igels. Er liefert aber keine belastbaren Aussagen über Bestandsgrößen und deren Entwicklungen. Damit fehlt die Grundlage, um die Wirksamkeit der vorgeschlagenen Maßnahmen auch wirklich seriös bewerten zu können. (Norwich Rüße [GRÜNE]: Das ist doch jetzt irre!) Besonders deutlich wird dies beim Thema „Mähroboter“. Im Antrag entsteht der Eindruck, als seien diese Geräte eine zentrale Ursache für den Rückgang der Igelbestände. Tatsache ist jedoch: Es gibt bislang keine belastbaren, quantifizierten Nachweise, die eine solche Schlussfolgerung rechtfertigen würden. Es gibt Einzelfälle (Norwich Rüße [GRÜNE]: Einzelfälle?) und pauschale Annahmen. Aber es gibt keine ausreichende Datengrundlage für weitreichende Eingriffe und Verbote; wenn Sie sie haben, Herr Kollege Rüße, lassen Sie sie mir gerne zukommen. Aus Sicht der FDP-Fraktion sollten wir deshalb vorsichtig sein, technische Innovationen vorschnell zur Hauptursache zu erklären. Auch die Forderung nach einem „Runden Tisch Igelschutz“ überzeugt uns nicht. Nordrhein-Westfalen verfügt bereits über zahlreiche Akteure im Natur- und Artenschutz; (Elisabeth Müller-Witt [SPD]: Meine Güte!) das ist gut. Das eigentliche Defizit liegt nicht im Austausch zwischen den Beteiligten, sondern in fehlenden wissenschaftlichen Erkenntnissen. Mehr Gremien bedeuten nicht automatisch mehr Wissen. Bevor neue Vorgaben oder Einschränkungen beschlossen werden, müssen die tatsächlichen Ursachen des Problems klar benannt werden können. Gleichzeitig unterstützen wir Aufklärung und Informationen. Viele Gefährdungen entstehen nicht durch Absicht, sondern durch mangelndes Wissen. Hier Landtag können freiwillige Maßnahmen, Beratungsangebote und technische Erweiterungen oft mehr bewirken als neue Regulierungen. (Beifall von der FDP) Der Schutz des Igels ist ein berechtigtes Interesse. Die von CDU und Grünen vorgeschlagenen Maßnahmen überzeugen jedoch nicht. Zu viele Annahmen bleiben unbelegt. Zu viele Schlussfolgerungen sind nicht wissenschaftlich abgesichert. Wir brauchen mehr Fakten statt Vermutungen, mehr Erkenntnisse statt Symbolpolitik und eine Politik, die auf Wirksamkeit und Verlässlichkeit setzt. Trotzdem werden wir uns bei dem Antrag zum Schutz des Igels enthalten. – Vielen Dank. (Beifall von der FDP)

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