Dr. Dennis Maelzer
Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Nach langer Prüfung hat der Kreis Lippe als zuständige Genehmigungsbehörde die Errichtung von sieben Windkraftanlagen im Bereich der Gauseköte erlaubt. Vorausgegangen war ein Erörterungstermin beim Oberverwaltungsgericht Münster. Das Gericht war der Auffassung, dass die damalige Rechtslage eine Ablehnung nicht hergibt. Gegen die Genehmigung laufen wiederum Klagen von Umweltverbänden. (Zuruf von Markus Wagner [AfD]) Das ist ein rechtsstaatliches Verfahren, und Recht und Gesetz kann auch ein nachträglicher Landtagsbeschluss nicht aushebeln. (Beifall von der SPD) Das wissen Sie von der AfD ganz genau, darum geht es Ihnen aber auch gar nicht. Der Antrag dient als Landtag Staffage für die morgige Demo Ihrer Parteigänger in Detmold. Es geht Ihnen darum, in nationalem Pathos zu schwelgen. Sie machen sich angeblich Sorgen darum, dass der Hermann durch Windkraftanlagen als Nationalsymbol entwertet werden könnte. Die Anlagen sind 6 km entfernt. Da Sie sich in Lippe nicht auskennen, wissen Sie nicht, dass deutlich näher zum Hermann bereits eine andere hohe Anlage steht: Der Sendemast Bielstein ist nicht einmal 2 km Kilometer entfernt und mit nahezu 300 m deutlich höher als das Denkmal. Übrigens nimmt der Hermann das seit Jahrzehnten mit viel Gleichmut hin. (Heiterkeit von Christian Dahm [SPD] – Zuruf von Mehrdad Mostofizadeh [GRÜNE]) Seit 151 Jahren reckt er stoisch sein Schwert in die Höhe und lässt sich dabei nicht stören. Doch jetzt raunt die AfD düster davon, dass der Anblick von Windrädern das Denkmal und das kulturelle Gedächtnis eines Volkes zerstören würde. Wie steht es eigentlich um Ihr kulturelles Gedächtnis, Herr Schalley? (Zurufe von der SPD: Oh, oh!) Waren Sie nicht derjenige, der hier im Plenum dem erstaunten Publikum erklärt hat, die Lippegans wäre das Symboltier Lippes? (Beifall von der SPD – Ellen Stock [SPD]: So war das nämlich! – Zuruf von Alexander Vogt [SPD]) Wenn Sie das einem Lipper erzählen, dann zeigt er Ihnen vielleicht einen Vogel, aber ganz bestimmt keine Lippegans. (Heiterkeit von der SPD) Sie haben von Lippe keine Ahnung. Sie haben auch keine Ahnung davon, was Lipperinnen und Lippern wichtig ist. Ich bin in Lippe geboren. Ich bin am Fuß des Hermanns aufgewachsen. Das Hermannsdenkmal ist unser Wahrzeichen. Es ist Heimat. Es ist heute aber ganz gewiss kein Symbol mehr für Nationalismus und Deutschtümelei. (Beifall von der SPD und den GRÜNEN – Ver- einzelt Beifall von der CDU und der FDP) Die Lipperinnen und Lipper haben zu ihrem Denkmal ein unverkrampftes Verhältnis. Schwelgten die Detmolder in nationalem Pathos, als das zweitausendjährige Jubiläum der Varusschlacht begangen wurde? Nein, die Detmolder haben zur Feier des Anlasses etwas anderes gemacht, nämlich ein Bier gebraut. Benannt haben sie dieses nach Thusnelda, der Frau des Cheruskerfürsten. Das Bier 08.05.2026 ist übrigens preisgekrönt und verkörpert mehr Heimat, als die AfD je propagieren könnte. (Beifall von der SPD und den GRÜNEN – Ver- einzelt Beifall von der CDU) 500.000 Menschen besuchen jedes Jahr das Hermannsdenkmal. Fast alle sind uns herzlich willkommen, aber wir Lipper ziehen eine klare Linie. Als Herr Höcke mit seinen rechten Kumpanen im Frühjahr den Hermann besuchen wollte, formierte sich rasch Gegenprotest. Der Demo wich er dann lieber aus. Am 3. Oktober wollten Teilnehmer aus dem rechtsextremen Spektrum eine „patriotische Wanderung“ zum Hermann machen. Darunter waren Personen aus dem Umfeld der „Aktion Hermannsland“, der „Freischar Westfalen“ und der AfD-Lippe – leider unter Führung eines Mitglieds der Jungen Union Köln. Wissen Sie, was die Lipperinnen und Lipper gemacht haben? Sie haben am Denkmal ein Familienfest unter dem Motto „Der Hermann ist bunt“ gefeiert. Die Lipper haben gefeiert, und die Rechtsextremen haben den Hermann nicht einmal aus der Nähe gesehen. (Beifall von der SPD – Vereinzelt Beifall von den GRÜNEN) Unsere Heimat, meine Heimat ist eben kein Wallfahrtsort für Rechtsextreme – schon gar nicht für solche, die sich in ihrem fragilen Nationalstolz von Windrädern bedroht fühlen. (Heiterkeit und Beifall von der SPD und den GRÜNEN) Wissen Sie übrigens, wann wir Lipper uns am Hermannsdenkmal zuletzt so richtig stolz gefühlt haben? Das war letztes Jahr, (Mehrdad Mostofizadeh [GRÜNE]: Aufstieg!) als der Hermann ein riesiges blaues Trikot getragen hat. (Beifall von Christina Osei [GRÜNE]) Mit der AfD hatte das aber rein gar nichts zu tun. (Christian Dahm [SPD]: So!) Wir haben gefeiert, dass Arminia Bielefeld als Drittligist ins DFB-Pokalfinale eingezogen ist. (Beifall von der SPD, der CDU und den GRÜNEN) Darum sage ich Ihnen: Ja, das Hermannsdenkmal muss geschützt werden. Es muss vor der politischen Vereinnahmung von rechts außen geschützt werden.
