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Dr. Martin Vincentz

AfD 07.05.2026 Sitzungen 18/122

Vielen Dank. Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Der Antrag zur psychotherapeutischen Versorgung spricht sehr viele sehr reelle Probleme an. Gut, sie sind auch seit geraumer Zeit kein Geheimnis und werden offen diskutiert. Im Prinzip sind wir alle hier im Saal uns einig, dass man sich insbesondere im Ruhrgebiet, im ländlichen Raum, aber zunehmend auch an der Rheinschiene lange im Hinblick auf einen Therapieplatz gedulden muss. Diese Geduld ist gerade bei ernstzunehmenden psychischen Erkrankungen etwas, was stark dazu führen kann, dass Erkrankungen chronifizieren und sich der Zustand deutlich verschlechtert. Für Menschen mit einer Depression ist es ohnehin ein schwerer Schritt, sich aufzuraffen, den Telefonhörer in die Hand zu nehmen und den Weg zu einer Therapie anzutreten, nur um dann zu hören, dass sie monatelang Landtag warten müssen. Das ist unzumutbar. Darüber sind wir uns alle einig. Dass man ausgerechnet im Bereich der sprechenden Medizin – bei den Psychotherapeuten – jetzt Honorarkürzungen vornimmt, ist auch ein Unding. Das muss dringend wieder zurückgenommen werden. Ist es richtig, dass es dort in den letzten Jahren größere Steigerungen gab? Ja! Psychotherapeuten stehen beim Verdienst in den medizinischen Berufen insgesamt aber auf einem der untersten Plätze. Es gab vielleicht einen überdurchschnittlichen Aufwuchs, aber das macht sie trotzdem nicht zu besonders reichen Menschen, die unter „Tax the Rich“ fallen würden. Es ist schlichtweg einfach so: In der psychotherapeutischen Versorgung können sie aufgrund der Tatsache, dass die sprechende Medizin ihre Hauptbeschäftigung ist, schwer andere Budgets anzapfen und kaum Zugewinne erzielen. Sie sind in einem therapeutischen Gespräch gebunden, was eine Zeit X dauert. Danach müssen sie dokumentieren. Auch der Tag eines Psychotherapeuten hat nur 24 Stunden. Das heißt aber auf der anderen Seite: Gerade wenn sie eine gute psychotherapeutische Arbeit machen, mitschwingen und die Probleme ernst nehmen, dann sind sie nach einer gewissen Anzahl von Patienten auch erschöpft. Zu erwarten, dass der einzelne Psychotherapeut noch mehr Patienten annimmt, ist schlichtweg nicht realistisch und kann dadurch gar nicht realisiert werden. Wir alle hier sind uns zumindest einig, dass man diese zwei Punkte politisch dringend angehen muss. Wir sind uns allerdings genauso einig, dass weder die Bedarfsplanung noch die Budgets Landesrecht sind. Das heißt: Der Antrag ist gut gemeint. Es ist gut, dass wir darüber sprechen. Es wäre auch gut, wenn Politik gemeinsam zumindest das Signal in die verschiedenen Gremien sendete, dass man sich das durchaus anders vorgestellt hat, und damit in diesen Gremien verschiedenen Berufsgruppen den Rücken stärkte. Einen richtigen Einfluss haben wir aber nicht. Der andere Punkt ist allerdings – das ist ganz zentral –, dass wir uns ehrlich machen müssen. Selbst wenn man weiterhin die psychotherapeutische Versorgung aufbaute – es gibt kein Fachkräfteproblem; genügend Psychotherapeuten würden sich freuen, wenn sie sich niederlassen und diesen schönen Beruf ausüben könnten – und deutlich mehr Geld in die Hand nähme, kämen Sie aktuell nicht hinterher. Es gibt einen riesengroßen Bedarf, weswegen der Prävention bei der psychischen Gesundheit ein extrem großer Stellenwert zukommt. Es wird zu wenig darüber aufgeklärt und zu wenig Resilienz geschult. In Bildungseinrichtungen wird immer noch zu wenig darüber gesprochen, was man tun kann, bevor ein Zustand tatsächlich exazerbiert, bevor es also schlimm wird. 07.05.2026 Nicht umsonst haben wir als AfD-Fraktion zwei Anträge zu diesem Thema eingebracht, in denen es genau darum geht, Belastungen in der Arbeitswelt abzufangen, vielleicht auch Persönlichkeitsprofile zu stärken, ein bisschen mehr in Self-Care und andere Dinge zu investieren und psychische Gesundheit ernst zu nehmen. Es geht darum, von der Psyche nicht zu erwarten, dass sie funktioniert, sondern auch da eine gewisse Rücksicht zu nehmen. Auch bei der Psyche spielt das eine Rolle, was bei der körperlichen Gesundheit durchaus nach und nach Einzug erhält, dass man nämlich etwas Rücksicht auf seinen Körper nimmt und nicht gegen ihn anarbeitet. Das heißt: Prävention findet in diesem Antrag sehr wenig statt, ist aber ein wesentlicher Punkt, den wir bei psychischer Gesundheit mehr ansprechen müssen. Ein weiterer Punkt ist auch sehr wichtig. Wir haben – das werden wir auch mit besseren Budgets und mehr Planstellen nicht auffangen – eine deutliche Zunahme von psychischen Erkrankungen in der Gesamtbevölkerung. Die Politik sollte sich mehr darum kümmern, zu erfahren bzw. zu erfragen, woran das liegt, also Studien auf den Weg zu bringen und mit der Wissenschaft zusammenarbeiten. Wenn es nicht um einzelne Schicksale, sondern um wirklich große Teile der Bevölkerung geht und dabei in bisher ungeahnter, wirklich auch klinischer Dimension Angst eine Rolle spielt, wenn Depression mittlerweile zu einem erheblichen Gesundheitsrisiko für junge Menschen wird, wenn Suizid – wir haben es gerade gehört – zur häufigsten Todesursache bei jungen Menschen mutiert, dann müssen wir als Politik das ernst nehmen und uns mehr dahinterklemmen. Das kann nicht nur dadurch erklärt werden – das wird in Debatten oft angeführt –, dass es mehr Diagnostik und einen Abbau von Tabus gibt. Sicherlich trägt das dazu bei, dass plötzlich mehr Erkrankungen im System auftauchen. Ein wesentlicher Punkt ist aber, dass wir schlichtweg eine Zunahme von sehr erheblichen und wesentlichen Erkrankungen haben. Es ist eine gesellschaftspolitische Aufgabe für uns alle. Wir müssen die Frage beantworten: Woran liegt es? Was könnten wir gesellschaftlich ändern, um dem entgegenzuwirken? – Vielen Dank. (Beifall von der AfD)

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