Susanne Schneider
Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Wissen Sie, was 2023 die häufigste Todesursache bei 10- bis 25-Jährigen war? Bei diesen Kindern und jungen Menschen war die häufigste Todesursache kein Verkehrsunfall, keine Krebserkrankung. Die häufigste Todesursache bei diesen jungen Menschen war der Suizid. Daher verbieten sich für mich, für meine Fraktion alle möglicherweise geplanten Einschränkungen im Bereich der Psychotherapie. (Beifall von der FDP) Wissen Sie, wie lange man auf einen Therapieplatz wartet? Wenn es gut läuft, sind es im Schnitt fünf Monate. In der Stadt Köln sind es auch mal neun Monate. Es gibt auch Personen, die zwölf Monate warten. Das ist bei akuten Beschwerden, bei akuten Erkrankungen natürlich fatal. Aber die Politik, werte Kolleginnen und Kollegen, kommt tatsächlich auf die Idee, den Psychotherapeuten ihre Bezüge um 4,5 % zu kürzen. Das ist mit uns definitiv nicht zu machen. (Beifall von der FDP – Vereinzelt Beifall von der SPD – Zuruf von Karl-Josef Laumann, Mi- nister für Arbeit, Gesundheit und Soziales) Wissen Sie, welche Folgen psychische Erkrankungen haben? Die Betroffenen sind oft wie gelähmt. Sie sind krank. Psychische Erkrankungen gehören zu den häufigsten Ursachen für Arbeitsunfähigkeit und Frühverrentung. Laut einer DRK-Studie haben Beschäftigte aufgrund von psychischen Erkrankungen so oft wie nie zuvor am Arbeitsplatz gefehlt. Auf 100 Versicherte kamen 366 Fehltage. Das sind deutlich über 40 % mehr als noch vor zehn Jahren. Seit der Coronapandemie sind vor allem die psychischen Erkrankungen bei jüngeren Menschen gestiegen. Psychische Erkrankungen führen nicht nur zu langen Fehlzeiten, sondern auch zu volkswirtschaftlichen Ausfällen, die die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin auf 38 Milliarden Euro im Jahr Landtag schätzt. Das können wir uns nicht leisten, schon gar nicht in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Unter psychischen Erkrankungen leiden sowohl der Einzelne als auch die gesamte Gesellschaft. Trotzdem gibt es seit dem 1. April Honorarkürzungen. Die Menschen stellen sich da natürlich Fragen: Verliere ich jetzt womöglich meinen Therapieplatz, weil meine behandelnde Praxis vielleicht schließen wird? Warte ich noch länger, bis ich Hilfe bekomme? Was passiert jetzt eigentlich, wenn ich kurzfristig akute Unterstützung suche? Muss ich mir die Finger wund telefonieren, bevor ich einen Platz erhalte? Da kann es nicht verwundern, dass es bundesweit Proteste gegen diese Kürzung gibt, auch von Betroffenen. Letztendlich geht es bei einer guten psychotherapeutischen Versorgung um Teilhabe: Kann ich mich um meine Familie kümmern? Kann ich meinen Beruf weiter ausüben? Sehe ich mich fit, und sehe ich für mich überhaupt eine Zukunft? Es ist doch auch gut, dass sich die Menschen bei seelischen Problemen mittlerweile Hilfe suchen. Ich bin gottfroh, dass wir die psychischen Erkrankungen endlich aus der Tabuzone herausbekommen. (Tim Achtermeyer [GRÜNE]: Ja, absolut!) Wem die mentale Gesundheit wirklich etwas wert ist, darf zu diesen Honorarkürzungen nicht schweigen. Unser Landesgesundheitsminister ist in dieser Sache bis jetzt relativ still. Dabei ist es längst überfällig, sich auf Bundesebene für eine Überprüfung und Rücknahme der aktuellen Kürzungen der psychotherapeutischen Honorare einzusetzen oder eine grundlegende Reform der psychotherapeutischen Bedarfsplanung zu fordern, die auch regionale Unterschiede stärker berücksichtigt und aktuelle Bedarfe realistisch abbildet. Auf Landesebene sollte gemeinsam mit den Hochschulen ein Konzept entwickelt werden, um die Studienplätze für Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in Bachelor- und Masterstudiengängen zu erweitern. (Beifall von der FDP und Rodion Bakum [SPD]) Wir sollten die rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen in der psychotherapeutischen Weiterbildung deutlich verbessern, damit Masterabsolventen nicht zum Amt müssen, sondern überhaupt Stellen zur Weiterbildung finden können. Wir können die gesetzlichen Möglichkeiten des Landes noch konsequenter nutzen, um zusätzliche Kassensitze in strukturschwachen und unterversorgten Regionen zu schaffen. Und wir können uns für kreative Konzepte wie die Bartherapie stark machen, die in Stockholm ausprobiert wurde: psychotherapeutische Gespräche abends in einer Bar – niedrigschwellig und ohne Anmeldung. Packen wir es doch einfach mal an. 07.05.2026 Wenn Sie abstimmen, denken Sie noch einmal darüber nach, was uns Psychotherapie, …
