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Susanne Schneider

FDP 07.05.2026 Sitzungen 18/122

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Werte Damen Landtag und Herren von der SPD, Sie sprachen heute Morgen von rund 33.000 Menschen, die keine klare berufliche Perspektive haben. Ich muss Sie korrigieren: Es ist noch dramatischer. Heute Morgen um 9:00 Uhr kam die Antwort auf Ihre Kleine Anfrage. Es sind rund 35.000 junge Menschen, die keine Perspektive haben. Daher ist es auch gut, dass wir heute darüber sprechen. Denn das ist keine abstrakte Zahl, sondern das sind Menschen, denen nach dem Schulabschluss ein Anschluss in das Arbeitsleben fehlt – oder überhaupt ein Anschluss in ihr Leben. Das sind Lebensläufe, die ins Stocken geraten sind. Wir müssen uns ehrlich fragen: Wie kann es in einem Bundesland, in dem gleichzeitig Betriebe händeringend nach Fachkräften suchen, sein, dass Menschen nicht in Arbeit kommen? Wir erleben hier ein Paradoxon: Auf der einen Seite stehen Unternehmen, die Aufträge nicht annehmen können, weil ihnen Personal fehlt. Auf der anderen Seite stehen Menschen, die arbeiten wollen und keinen Weg in Beschäftigung finden oder gezeigt bekommen. Das zeigt doch: Wir haben kein Erkenntnisproblem. Wir haben ein Umsetzungsproblem. Schauen wir genauer hin: Zu oft funktioniert der Übergang von Schule in Ausbildung und Beruf nicht. Unser System ist zu kompliziert: zu viele Programme, zu viele Zuständigkeiten, zu wenig Wirkung. Menschen werden durch Maßnahmen geführt, aber nicht in Ausbildung oder Arbeit gebracht. Ein erheblicher Teil der jungen Menschen wird von den bisherigen Instrumenten gar nicht erreicht. Genau hier beginnt aber unsere Verantwortung. Denn Arbeit ist mehr als Einkommen. Arbeit bedeutet Teilhabe, Selbstwert und Perspektive. (Beifall von der FDP) Wenn Menschen dauerhaft ohne Perspektive bleiben, hat das Folgen für die Betroffenen und für unsere Gesellschaft. Wer heute nicht handelt, zahlt morgen den Preis dafür – sozial, wirtschaftlich und auch politisch. Für uns Freie Demokraten ist klar: Jeder Mensch soll die Chance haben, aus eigener Kraft voranzukommen. Aber diese Chance entsteht nicht von allein. Sie braucht faire Rahmenbedingungen, gute Bildung und Qualifizierung, echte Aufstiegsmöglichkeiten und Zugang zur Arbeit. Genau deshalb müssen wir jetzt handeln. Wir müssen Bildung und Qualifizierung neu ausrichten. Wir brauchen mehr Praxisbezug. Das duale System ist ein Erfolgsmodell, aber wir nutzen es nicht konsequent genug. Wir brauchen flexiblere Wege, modulare Qualifizierungen, schnelle Nachqualifizierung und gezielte Weiterbildung. Wir müssen digitale Kompetenzen früh und verbindlich vermitteln. Es geht nicht darum, Abschlüsse zu sammeln, sondern 07.05.2026 es geht darum, Menschen beschäftigungsfähig zu machen. (Beifall von der FDP) Wir müssen außerdem den Übergang von Schule in Beruf neu denken. Zu viele junge Menschen verlassen die Schule ohne klare Orientierung. Zu viele landen danach in einem Übergangssystem, das sie nicht weiterbringt. Die Zahlen der Schulabgänger ohne Perspektive zeigen deutlich, dass „Kein Abschluss ohne Anschluss“ nicht das gewünschte Erfolgsmodell ist. Nur nach mehr Landesmitteln zu rufen, wie es die liebe SPD hier tut, ist daher auch keine Lösung. Wir müssen früher ansetzen: mit einer fortlaufenden Berufsorientierung ab der Mittelstufe, mit der Einbindung von Kammern, Verbänden, regionalen Experten und privaten Initiativen, mit enger Zusammenarbeit mit den Unternehmen vor Ort und mit mehr direkten Wegen in Ausbildung. (Beifall von Angela Freimuth [FDP]) Es geht darum, nicht durch ein System von Maßnahmen und Warteschleifen zu führen, sondern junge Menschen in die Betriebe zu bringen. (Beifall von der FDP) Gleichzeitig muss sich Arbeit wieder lohnen, gerade beim Berufseinstieg. Wir müssen die Aufnahme von Arbeit erleichtern, klare Anreize setzen und bessere Hinzuverdienstmöglichkeiten schaffen. Wer arbeitet, muss spüren, dass sich Leistung von Anfang an lohnt. (Beifall von der FDP) Zudem müssen wir die Betriebe stärker einbinden. Unsere Unternehmen sind bereit, Verantwortung zu übernehmen. Aber sie brauchen bessere Vermittlungsstrukturen, mehr Transparenz und schnellere Prozesse. Gerade kleine und mittlere Unternehmen sind der Schlüssel; denn dort entstehen auch die Chancen. Was gewinnen wir, wenn wir das tun? Wir gewinnen Berufsperspektiven für junge Menschen. Wir entlasten unsere Sozialsysteme. Wir stärken unsere Wirtschaft. Wir stabilisieren unsere Gesellschaft. Vor allem aber gewinnen wir Vertrauen – Vertrauen in Politik, die nicht nur verwaltet, sondern wirkt. Lassen Sie mich zum Schluss klar sagen: 35.000 junge Menschen ohne Perspektive sind kein statistisches Problem. Sie sind ein Auftrag an die Landesregierung, an die Bundesregierung, an Wirtschaft und Gesellschaft. Wir haben die Instrumente, und wir haben das Wissen. Was wir jetzt brauchen, ist der Wille zur Umsetzung. Deshalb mein Appell: Lassen Sie uns die Strukturen so verändern, dass aus Warteschleifen Wege werden, Landtag (Beifall von der FDP) dass aus Maßnahmen echte Chancen werden und dass aus Perspektivlosigkeit wieder Zuversicht wird. Denn am Ende geht es um mehr als um Arbeit. Es geht um die Frage, ob die Menschen in unserem Land sagen können: Ich werde gebraucht, ich habe eine Zukunft, und ich kann meinen Weg gehen. – Ich danke Ihnen. (Beifall von der FDP)

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