Eileen Woestmann
Sehr geehrter Herr Präsident! Verehrte Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen! Wenn man der Rede 06.05.2026 von Herrn Schalley vorhin gefolgt ist, hatte man den Eindruck, dass es hier um Werbung wie im Supermarkt geht. Da geht man in den Laden, es gibt eine Werbung für einen Pudding und ich denke mir: Boah, dieses Bild sieht einfach so gut aus; diesen Pudding möchte ich mitnehmen. Das ist bei Leihmutterschaft aber schlicht nicht der Fall. Niemand kommt auf die Idee, sich für Leihmutterschaft zu entscheiden, weil das so nett aussieht, sondern dahinter stehen starke Beweggründe, sich für diesen Weg zu entscheiden, weil die Hürde, diesen Weg zu nehmen, sehr hoch ist. Vollkommen klar ist auch, dass die Situation nicht so einfach ist, wie sie von der AfD dargestellt wurde. Ich bin sehr dankbar für die Reden von meiner Kollegin Frau Bunse und meiner Kollegin Frau Siebel, weil sie schon sehr klar auf die Herausforderungen eingegangen sind. Ich möchte noch auf zwei Punkte eingehen, die bisher noch nicht berücksichtigt wurden. Wenn in Deutschland die Leihmutterschaft verboten ist – was richtig ist –, muss man sich klar machen, dass es Verdrängungseffekte oder internationale Verlagerungseffekte gibt und Lösungen an anderen Orten gesucht werden. Deswegen brauchen wir nicht deutsche, nationale Verbote, sondern wir brauchen internationale Regulationen, wie wir alle zusammen mit dem Thema „Leihmutterschaft“ umgehen. Einen anderen Punkt finde ich noch viel spannender, nämlich die Frage der Doppelmoral der AfD. Wenn man sich anschaut, wie die AfD zum Thema „Schwangerschaftsabbruch“ bei Frauen steht, dann gilt als gute Lösung seitens der AfD, dass das Kind ja einfach zur Adoption freigegeben werden könne und damit das Problem der ungewollten Schwangerschaft gelöst werde. Jetzt gehört zu einer Adoption während der Schwangerschaft schon eine klare Absprache, und hier wird die Schwangerschaft als reiner biologischer Vorgang skizziert. In Ihren Antrag nun skandalisieren Sie diese Tatsache bei einer Leihmutterschaft und sagen, dass damit Schwangerschaft auf einen bloßen biologischen Vorgang reduziert und das Kinderkriegen kommerzialisiert würden. (Zuruf von der AfD) Ich finde es interessant, dass mit zweierlei Maß gemessen wird und dass es bei der einen Seite okay ist und bei der anderen nicht. (Beifall von den GRÜNEN – Zuruf von der AfD) – Ja, genau, das machen Sie. Deswegen müssen Frauen bei der Leihmutterschaft vor Ausbeutung geschützt und die Kinder in den Blick genommen werden, denn sie haben Rechte, und diese müssen ernst genommen werden. Landtag Wenn man die Hürde für die Anerkennung von diesen Kindern anhebt, dann trifft das die Kinder – Frau Siebel hat es ausgeführt –, die schon auf der Welt sind und die nichts dafür können, die keine Entscheidung darüber getroffen haben, wie sie auf die Welt gekommen sind. Deswegen ist dieser Antrag nicht anzunehmen. Dennoch müssen wir dieser Überweisung zustimmen. Ich schließe mich aber an, dass Vorfreude anders aussieht. (Beifall von den GRÜNEN und der SPD)
