Raphael Tigges
Sehr geehrter Herr Präsident! Meine lieben Kolleginnen und Kollegen! (Thorsten Klute [SPD]: Jetzt kommt meine Ra- che!) Ich bin sehr dankbar, dass wir heute über zwei Anträge diskutieren können, die unsere exzellente Forschungs- und Wissenschaftslandschaft betreffen. Ich hätte morgen wahrscheinlich etwas mehr Publikum gehabt, aber ich bin trotzdem sehr dankbar, dass wir uns diesem wichtigen Thema noch mal zuwenden können. (Christin Siebel [SPD]: Wir sind da! – Thorsten Klute [SPD]: Ich bin da, Raphael!) Wir fangen morgen früh wieder mit einem wichtigen Thema an; insofern also alles gut. (Dr. Dennis Maelzer [SPD]: Du spielst auch je- den Theatersaal leer! – Heiterkeit von der SPD) – Gut, dass die SPD zur späten Stunde noch Spaß hat. Das habt ihr schließlich nicht so oft. Insofern ist alles gut. (Zuruf von der SPD: Du redest ja!) Unser Land ist im Wandel. Technologische Umbrüche, geopolitische Spannungen und gesellschaftliche Entwicklungen stellen uns vor enorme Herausforderungen, die wir nur mit Hilfe von Wissenschaft und Wirtschaft im engen Schulterschluss gemeinsam beantworten können. Dafür braucht es kluge Köpfe und vor allem eine gute Infrastruktur, in der sich diese Kräfte entfalten können. Zwei Institutionen in NRW spielen dabei neben unseren forschungsstarken Universitäten und Hochschulen eine zentrale Rolle: die Johannes-Rau-Forschungsgemeinschaft und die Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften und Künste. Die JRF mit ihren 14 landesgeförderten Instituten ist seit jetzt über zehn Jahren unser Gütesiegel für exzellente außeruniversitäre Forschung. Sie ist das entscheidende Bindeglied zwischen der akademischen Grundlagenforschung auf der einen Seite sowie der industriellen und gesellschaftlichen Anwendung und dem Transfer auf der anderen Seite. Ihre besondere Stärke liegt in der Vernetzung unterschiedlicher Disziplinen. Ob Städtebau, Industrie und Umwelt, Gesellschaft oder Globalisierung – dort wird Forschung made in NRW konkret. Sie liefert ganzheitliche Antworten und auch Transferleistungen für genau diese Fragestellungen. Landtag Die zweite Einrichtung ist die Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften und Künste als Ort der intellektuellen Freiheit und als Forum für den interdisziplinären Diskurs. Dort kommen seit 1970 die führenden Wissenschaftler zusammen und tauschen sich fächerübergreifend auf höchstem akademischen Niveau zu vielen sozialen, ethischen und auch ökonomischen Forschungskomplexen aus. Beide Institutionen leisten wertvolle und unverzichtbare Arbeit für unser Land. Deshalb müssen wir ehrlich sein. Wenn wir unser wissenschaftliches, interdisziplinär geprägtes Niveau in unserem Land halten wollen, brauchen wir Investitionen in die JRF, in die Akademie und in deren Infrastruktur. Genauso wie wir unsere Universitäten und Hochschulen unterstützen und in sie investieren, brauchen auch unsere außeruniversitären Organisationen unsere Unterstützung – für stabile Rahmenbedingungen und zum Erhalt ihrer Wettbewerbsfähigkeit. Die Institute der JRF – das wissen wir – kämpfen an mehreren Standorten mit dringenden Erfordernissen für die Modernisierung ihrer Gebäude und auch mit Finanzierungsmöglichkeiten für energetische Optimierungen. Ebenso ist das Gebäude der AWK am Standort Düsseldorf – der eine oder andere kennt es von verschiedensten Veranstaltungen – etwas in die Jahre gekommen (Zuruf von der SPD: Aber schön!) und weist einen nicht unerheblichen Sanierungsstau auf. Zu einer funktionierenden nationalen und internationalen Wettbewerbsfähigkeit beider Institutionen gehört auch eine funktionierende IT-Ausstattung, die die konsequente Umsetzung der Digitalisierungsstrategie auf Höhe der Zeit ermöglicht. Trotz knapper Haushalte können wir es uns nicht leisten, nicht zu investieren, (Beifall von Angela Freimuth [FDP]) um Schritt zu halten und attraktiv für wissenschaftliche Kapazitäten und Talente zu bleiben. Hierbei kommt … (Angela Freimuth [FDP]: Sehr richtig!) – Danke, Frau Kollegin Freimuth. (Heiterkeit von der SPD) Ich sage aus voller Überzeugung, dass das absolut richtig ist. Frau Kollegin, hierbei kommt der NRW-Plan der Landesregierung für gute Infrastruktur ins Spiel, (Rodion Bakum [SPD]: Der Landesregierung!) den auch Sie gleich mit Ihrer Zustimmung unterstützen können. Im Rahmen eines bisher nie dagewe-19.03.2026 senen Infrastruktur- und Investitionsprogramms in unsere Bildungslandschaft von insgesamt 31,2 Milliarden Euro wird in den nächsten Jahren in Verkehrsinfrastruktur, Klimaschutz und Sport, aber vor allen Dingen auch in Digitalisierung und Wissenschaft investiert. Mit unserem Antrag wollen wir als regierungstragende Fraktionen von CDU und Grünen bewusst die Grundlage schaffen, dass JRF und AWK von diesen Mitteln ebenfalls profitieren. Wir fordern die Landesregierung auf, dies gezielt zu unterstützen und Mittel aus dem NRW-Plan dafür zur Verfügung zu stellen. Dieser Antrag ist ein Bekenntnis zum Forschungsstandort Nordrhein-Westfalen. Wir wollen verlässlicher Partner unserer Wissenschaftslandschaft bleiben und unseren Führungsanspruch in vielen wichtigen Zukunftsfeldern unterstreichen. Also: Es gibt keinen Grund, diesem Antrag nicht zuzustimmen. – Vielen Dank. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN)
