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Nina Andrieshen

SPD 19.03.2026 Sitzungen 18/119

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wenn wir über sexualisierte Gewalt gegen Kinder sprechen, dann sprechen wir über eines der schwersten Verbrechen, das es gibt. Es geht um Vertrauen, das missbraucht wird, um Kinder, die Schutz brauchen, und um Erwachsene, die ihrer Verantwortung gerecht werden müssen. Darum muss die Haltung in dieser Debatte immer von Ernsthaftigkeit geprägt sein, und genau deshalb müssen wir zwei Dinge gleichzeitig tun: Erstens. Wir müssen historische Fehler klar benennen. Zweitens. Wir dürfen aus diesen Fehlern keine falschen politischen Geschichten konstruieren. Der Antrag der AfD wird diesem Anspruch nicht gerecht. (Beifall von der SPD und den GRÜNEN – Ver- einzelt Beifall von der CDU) In ihm werden verschiedene Ebenen miteinander vermischt: historische Aufarbeitung, wissenschaftliche Debatten und die pädagogische Praxis in Kitas. Zunächst zur historischen Dimension: Die Aufarbeitung der letzten Jahre hat gezeigt, dass es in Deutschland gravierende Versäumnisse im Umgang mit sexualisierter Gewalt gab, auch im Umfeld wissenschaftlicher und pädagogischer Debatten. Der Name Helmut Kentler steht exemplarisch für einen besonders schweren Fall institutionellen Versagens. Kentler hat über Jahre hinweg Pflegeverhältnisse herbeigeführt, in denen Jungen bewusst bei pädophilen Männern untergebracht wurden. Behörden haben dies toleriert, Hinweise wurden ignoriert, und betroffene Kinder wurden nicht geschützt. Das war ein massives Versagen von Wissenschaft, Behörden und Politik und bedarf weiterer Aufarbeitung: vollständig, transparent und ohne Beschönigung. Ebenso müssen sich Organisationen und Hochschulen, wie zum Beispiel die TU Dortmund hier in NRW, mit der Thematik der emanzipatorischen 19.03.2026 Sexualpädagogik differenziert auseinandersetzen und eine eigene Aufarbeitung vorantreiben. Doch der Antrag der AfD zieht aus dieser historischen Verantwortung eine weitreichende Schlussfolgerung: Er stellt heutige Schutzkonzepte, insbesondere in Kindertageseinrichtungen, unter den Generalverdacht, Übergriffe zwischen Kindern zu begünstigen. Das ist eine simple Kontinuitätsbehauptung und so nicht haltbar. (Beifall von der SPD und Norika Creuzmann [GRÜNE]) In der frühkindlichen Pädagogik geht es bei entsprechenden pädagogischen Ansätzen um sehr grundlegende Themen. Kinder lernen, ihren Körper wahrzunehmen, Gefühle auszudrücken, zwischen Nähe und Distanz zu unterscheiden und eigene Grenzen zu formulieren. Es geht darum, Kindern Orientierung zu geben, ihre Selbstwahrnehmung zu stärken und eine respektvolle Kultur im Umgang miteinander zu fördern. Der Antrag der AfD hingegen konstruiert einen Zusammenhang zwischen diesen kinderrechtsbasierten pädagogischen Ansätzen und steigenden Zahlen von Gewalt in Kitas.

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