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Berivan Aymaz

19.03.2026 Sitzungen 18/119

Vielen Dank. – Für die Landesregierung spricht nun Minister Laumann. Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales: Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Das Thema „psychische Gesundheit und Arbeit“ ist zurzeit und schon seit vielen Jahren ein wirklich gravierendes Thema und auch ein Problem in unserem Land. Wie vielleicht der eine oder andere weiß, bin ich schon seit über 50 Jahren im Arbeitsleben. Als ich jung war, gingen die meisten Frühverrentungen von Kolleginnen und Kollegen zumindest in meiner damaligen Lebenswelt auf Rückenprobleme zurück. Heute – Sie können beide Rentenversicherungsanstalten in Nordrhein-Westfalen fragen – sind psychische Erkrankungen die häufigste Begründung für eine Frühverrentung oder für eine Erwerbsunfähigkeitsrente. Daran sehen wir, dass es in der Arbeitswelt wirklich ein großes Thema ist. Wir wollen zu längeren Landtag Lebensarbeitszeiten kommen. Das ist nur möglich, wenn die Menschen viele Jahrzehnte in einer gesunden Arbeitswelt arbeiten können. Es fehlt uns nicht an Studien. Herr Bakum hat das in seiner Rede sehr überzeugend dargestellt. Auch alle anderen Redner haben viele Gründe aufgezählt, die in der Arbeitswelt eine Rolle spielen. Ich fand es auch sehr bemerkenswert, wie Herr Klocke das Thema in seiner Rede aufgezogen hat. Ich möchte gern sagen, dass wir das Problem nicht lösen, indem wir immer mehr Vorschriften wegnehmen. Es muss im Arbeitsschutz schon Gefährdungsbeurteilungen geben. Natürlich spielt bei Gefährdungsbeurteilungen durch den Arbeitgeber auch die Frage der psychischen Gesundheit eine Rolle. Ein funktionierender Arbeitsschutz, der sich auch mit der Einhaltung von Pausenregelungen und Arbeitszeiten beschäftigt, ist schon wichtig. Ich persönlich glaube, dass wir dafür sorgen müssen, dass es in unserer Gesellschaft eine Taktung von Arbeitstagen und arbeitsfreien Tagen gibt. Deswegen gehöre ich nicht zu den Politikern, die der Meinung sind, dass man den Sonntag zur Disposition stellen kann. (Beifall von der SPD – Vereinzelt Beifall von der CDU – Thorsten Klute [SPD]: Das sehen nicht alle in der CDU so!) Es ist gut, wenn es auch einfach einmal ein Wochenende gibt, an dem die Gesellschaft anders tickt als in der Woche. Wir dürfen nicht alles der Ökonomisierung überlassen, wenn wir wollen, dass die Menschen über Jahrzehnte gesund an der Arbeitswelt teilnehmen. (Beifall von der CDU) Ich meine, die alte Idee von einer humanen Arbeitswelt, wie wir es früher einmal genannt haben, ist auch in der heutigen Zeit eine ganz wichtige Sache. Deswegen ist es mir so wichtig, dass wir uns darum bemühen, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und natürlich auch die unterschiedlichen Wirtschaftsbereiche ein Stück Stabilität haben. Wenn man sich Sorgen um seinen Arbeitsplatz macht und sich fragt, ob es den eigenen Arbeitsplatz nächstes Jahr oder übernächstes Jahr noch gibt – diese Sorgen haben zurzeit viele Menschen in Nordrhein-Westfalen –, dann ist es wichtig, dass wir alles daran setzen, einen guten Arbeitsmarkt zu behalten, ein Wirtschaftswachstum zu haben und den Menschen Beschäftigung anbieten zu können. Arbeit muss so entlohnt wird – auch aus der Sicht derjenigen, die Arbeit organisieren –, dass man das auch mit genügend Arbeitskräften machen kann. Herr Vincentz, Sie sind Arzt, Sie wissen das wahrscheinlich noch besser als ich, weil Sie das Gesundheitssystem viel intensiver kennengelernt haben: Wenn wir in unseren Altenheimen, wenn wir in unseren Krankenhäusern nicht viele Menschen hätten, 19.03.2026 die nicht in Deutschland geboren sind, dann, glaube ich, gäbe es in jedem Krankenhaus eine Arbeitsverdichtung, die gar keiner mehr aushalten würde. Wir müssen zugeben, wenn wir wollen, dass es genug Fachkräfte gibt, müssen wir dafür Menschen gewinnen und Menschen in den Arbeitsmarkt integrieren, die nicht in Deutschland geboren und zu uns gekommen sind. (Zuruf von Markus Wagner [AfD]) Deswegen werbe ich so sehr dafür, dass wir auch auf der Arbeit wissen, dass es um Menschen geht und dass die Arbeit menschengerecht sein muss. Das ist eine wichtige Aufgabe für Führungskräfte, das ist aber auch eine wichtige Aufgabe, die man unter Arbeitskolleginnen und Arbeitskollegen erfüllen muss. Auch das spielt eine große Rolle dafür, ob ein langes Berufsleben mit psychischer Gesundheit verbunden ist. Ich glaube, wir können alle etwas dafür tun und für dieses Thema sensibilisieren. Es geht einfach darum, auch in der Arbeitswelt ein Stück weit schlicht und ergreifend Mensch zu sein. – Schönen Dank für die Aufmerksamkeit. (Beifall von der CDU, der SPD und den GRÜNEN)

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