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Susanne Schneider

FDP 19.03.2026 Sitzungen 18/119

Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Macht Arbeit krank? Die Arbeitswelt wandelt sich immer schneller. Die fortschreitende Digitalisierung geht nicht für alle einfach von der Hand. Die Grenzen der Arbeitszeit schwinden, Stress und Belastungen steigen. Neben diesen Risikofaktoren bringt Arbeit aber auch gesundheitsfördernde Faktoren mit sich. Erst ein Ungleichgewicht kann die Entstehung psychischer Erkrankungen fördern oder auslösen. Psychische Beeinträchtigungen sind eine der häufigsten Ursachen für Arbeitsunfähigkeiten. Im schlimmsten Fall können die Betroffenen keinen Beruf mehr ausüben. Die Ursachen für psychische Belastungen und Erkrankungen sind aber komplex und vielfältig. Meistens lassen sie sich nicht allein auf das Arbeitsumfeld zurückführen. Je früher bestehende Risiken erkannt werden, umso eher kann man rechtzeitig handeln. In dem vorliegenden Antrag wird der Anstieg psychischer Erkrankungen aufgrund einer zunehmenden Belastung in der Arbeitswelt aufgegriffen. Mehr als das Aufgreifen dieses wichtigen Problems gelingt damit jedoch nicht. Die genannten Ursachen und Lösungsvorschläge sind ziemlich einseitig. Sie zielen allein auf Bürokratisierung, wachsende Dokumentations- und Berichtspflichten sowie regulatorische Vorgaben. Diese Faktoren tragen zwar sicherlich auch zu Belastungen bei, und Bürokratieabbau ist aus liberaler Sicht eine herausragende Aufgabe, andere Belastungsfaktoren wie Arbeitsabläufe, Arbeitsplatzgestaltung, unregelmäßige Arbeitszeiten, Personalmangel, Mobbing und unzureichende Verein-19.03.2026 barkeit von Beruf und Care-Arbeit werden in dem Antrag jedoch vernachlässigt. Daher wäre schon eine umfassendere Betrachtung nötig. Arbeit leistet einen wichtigen Beitrag zur seelischen Gesundheit durch Tagesstrukturierung, soziale Kontakte, Wertschätzung und Sinngebung. Menschen in Arbeitslosigkeit sind im Vergleich zu Berufstätigen überproportional häufig von klinisch relevanten psychischen Störungen betroffen. In Zeiten von Arbeitsund Fachkräftemangel ist es zudem im Interesse der Unternehmen, Arbeitsfähigkeiten zu erhalten und lange Ausfallzeiten aufgrund psychischer Erkrankungen zu vermeiden. Ein bedarfsgerechtes und verlässliches Kinderbetreuungsangebot ist wesentlich, um psychische Belastungen für erwerbstätige Eltern zu reduzieren. Eine Flexibilisierung im Arbeitszeitgesetz mit einer wöchentlichen Höchstarbeitszeit würde die Vereinbarkeit von Beruf und Care-Arbeit ebenfalls extrem erleichtern. (Beifall von der FDP) Mehr Kapazitäten bei der ambulanten psychotherapeutischen Behandlung könnten Wartezeiten von mehreren Monaten auf einen Therapieplatz und damit auch die langen Ausfallzeiten aufgrund psychischer Erkrankungen reduzieren. Bei Präventionsangeboten in Betrieben wäre eine Verstetigung sinnvoll. Mentale Gesundheit darf kein Tabu sein. Sie ist ein sehr, sehr wichtiges Thema. Dieser Antrag ist mir und auch der FDP aber viel zu dünn. Wir werden ihn ablehnen. – Vielen Dank. (Beifall von der FDP und Rodion Bakum [SPD])

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