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Dr. Martin Vincentz

AfD 19.03.2026 Sitzungen 18/119

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! „Ich bin gesund und kann arbeiten. Was verlang‘ ich mehr.“ Das ist freilich nicht von mir, sondern von Goethe. „Arbeit schafft Hornhaut gegen den Kummer.“ Landtag Auch das ist nicht aus meiner Feder, sondern von Cicero. Aber es spricht einen wichtigen Punkt an: Arbeit ist Schutzfaktor, zum Beispiel vor Einsamkeit, Arbeit strukturiert den Alltag, ist gut für Integration und für Inklusion. Gleichzeitig – und das gilt schon seit den Zeiten von Cicero und Goethe – geht von Arbeit aber auch ein gesundheitliches Risiko aus. Früher natürlich eher körperlich: Gerade die harte körperliche Arbeit beispielsweise auf dem Bau oder auf dem Feld hat viele Menschen körperlich sehr geschunden. Mittlerweile ist es aber häufiger die Psyche. Circa 11 % der Beschäftigten in Nordrhein-Westfalen melden sich einmal im Jahr wegen F-Diagnosen krank, also wegen psychischer Belastungen. Dabei sind es pro Versichertem mittlerweile rund 3,5 Tage pro Jahr. Betroffen sind ca. 5 Millionen Menschen in der Bundesrepublik. Es ist also keine Randerscheinung, keine Begleiterscheinung, es ist wirklich ein immer größer werdender Teil der arbeitenden Bevölkerung. 25 % der Beschäftigten fühlen sich stark psychisch belastet, 40 % sprechen sogar von körperlichen Symptomen durch Stress am Arbeitsplatz. Die Psyche ist mittlerweile der häufigste Grund für Frühberentungen. 2024 wurden ca. 100.000 Personen früh berentet, allein wegen psychischer Belastung am Arbeitsplatz. Dahinter stecken natürlich jeweils psychische und persönliche Tragödien, aber es ist auch eine wirtschaftliche Katastrophe, insbesondere in einer Zeit des demografischen Wandels, in der wir auf jede Arbeitskraft angewiesen sind, in der aber gut ausgebildete Menschen, insbesondere am Ende ihrer Erwerbstätigkeit, verloren gehen, allein wegen psychischer Belastungen am Arbeitsplatz. Die Gründe dafür sind vielfältig, zum Beispiel die zunehmende Verdichtung am Arbeitsplatz seit den 1990er-Jahren. Produktivität ist in der Bundesrepublik und auch hier in Nordrhein-Westfalen lange nicht mehr durch Investitionen gestiegen, sondern dadurch, dass immer weniger Schultern immer mehr schultern müssen. Tatsächlich ist es so, dass die Menschen im Durchschnitt – und das wird von Friedrich Merz ja wortreich kritisiert – weniger arbeiten. Ja, in Stunden ist das richtig ausgedrückt, aber in einer einzelnen Arbeitsstunde muss jeder viel mehr leisten, und das bleibt – wie man so schön sagt – nicht in den Kleidern hängen. Außerdem ist da die emotionale Belastung, insbesondere bei Pflegekräften in Kitas, bei Personen im persönlichen Kontakt mit Menschen, bei denen es immer wieder dazu kommt, dass emotionale und extreme Belastungen eine Rolle spielen. Hinzu kommt – das wird Sie in Zeiten des kriselnden Arbeitsmarktes nicht verwundern –, dass die Angst vor Jobverlust viele Menschen sehr belastet. 19.03.2026 Aber wir werden die Zeit nicht zurückdrehen können. Handys oder E-Mails beispielsweise sind am Arbeitsplatz nicht mehr wegzudenken. Dennoch: Wir müssen politische Anpassungen auf den Weg bringen. Gefährdungsbeurteilungen, die in den letzten Jahren immer wichtiger geworden sind, müssen auch ihre Umsetzung finden. Es muss politischer Druck dahinter sein, es müssen Kontrollen stattfinden, es muss auch Bußgelder geben, wenn dagegen verstoßen wird. Auch ein Recht auf Nichterreichbarkeit ist immer wichtiger in Zeiten, in denen wir alle rund um die Uhr am Handy hängen. Betriebliche Prävention, Weiterbildung und überhaupt Angebote sind umso wichtiger; man muss es wahrnehmen, auch als Arbeitgeber, dass es zu psychischen Belastungen bei den Arbeitnehmenden kommen kann. Arbeit macht oft Spaß, freilich nicht immer – das wissen Sie auch –, aber vor allen Dingen sollte sie uns nicht krank machen. Daran müssen wir alle gemeinsam arbeiten. – Vielen Dank. (Beifall von der AfD)

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