Jonathan Grunwald
Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Kolleginnen und Kollegen! Der Bus ist total leer. Die Fahrt dauert – gerade im ländlichen Raum – und endet an einem nicht vertrauten Ort, einem Ort mit langen Gängen und vielen Türen, mit Bildern an den Fenstern und ein paar Spielgeräten. Die benutzt man aber nicht, sondern man kommt in einen Raum mit vielen Tischen und Stühlen. Dort setzt man sich hin. Werte Kolleginnen und Kollegen der SPD-Fraktion, ist das Ihr Ernst? (Dr. Dennis Maelzer [SPD]: Nee, das ist Ihr Ernst! Das ist ja das Problem!) Ist dieses dunkle Szenario tatsächlich Ihr Bild von Grundschulen in Nordrhein-Westfalen? (Dr. Dennis Maelzer [SPD]: Nein, von Ihren Gruppensprachkursen!) Es ist die Beschreibung eines trostlosen, grauen Orts, an dem nur noch dunkle Wolken und Blitze fehlen. Ich verstehe Sie nicht. (Dr. Dennis Maelzer [SPD]: Das ist ja das Problem!) Unsere rund 2.800 Grundschulen in Nordrhein-Westfalen verkörpern genau das Gegenteil Ihrer Beschreibung. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN – Zu- ruf von der SPD) Sie sind bunte und lebendige Lern- und Begegnungsorte. (Dr. Dennis Maelzer [SPD]: Die Grundschulen schon, aber nicht Ihre Sprachkurse!) Es sind Orte, an denen Wissen und Werte vermittelt werden, an denen jeden Tag Bildungsteilhabe und Chancengerechtigkeit durch das Engagement von Zehntausenden Grundschullehrern, Sozialpädagogen und Alltagshelfern gelebt werden. (Dr. Dennis Maelzer [SPD]: Die sind doch gar nicht in Ihren Sprachkursen!) Genau so sehen Grundschulen in Nordrhein-Westfalen aus. Das Bild, das Sie mit Ihrem Antrag von Grundschulen zeichnen, 19.03.2026 (Dr. Dennis Maelzer [SPD]: Von Ihren Sprach- kursen, nicht von unseren Grundschulen!) ist eine Beleidigung derjenigen, die an unseren Grundschulen jeden Tag ihr Bestes für die Zukunft unserer Jüngsten geben, und zwar unabhängig von Herkunft, Geldbeutel der Eltern oder sozialen Schichten. Für Ihre Schwarzmalerei habe ich kein Verständnis. Ich lade Sie daher ein, das mit dunklen Wolken verhangene Oppositionsland sowie Ihren Wahlkampfbus zu verlassen und vielmehr die Realität in unserem Land kennenzulernen. Erleben Sie engagierte Lehrerinnen und Lehrer, helle und freundliche Gänge, Lernoasen und Klassenräume, in denen bunte Plakate mit Buchstaben unseres Alphabets oder Zeichnungen von Tieren und Pflanzen an den Wänden hängen. Schauen Sie in die strahlenden Augen der Kinder, die stolz von ihrem Tag an ihrer Schule berichten. Mit den ABC-Klassen schaffen wir ein passgenaues, vorschulisches Bildungsangebot für die Kinder, die es schwerer und eben keine gleichen Startbedingungen haben. (Zuruf von Lena Teschlade [SPD]) Genau diesen Kindern – oftmals stammen sie aus bildungsfernen Elternhäusern in den städtischen Ballungszentren – wollen wir Lust auf Schule und Lernen machen und in ihnen Begeisterung dafür wecken, vom Tag der Einschulung an stolz, voller Freude, ohne Ängste und Sorgen in die ihnen vertraute Schule zu gehen. (Yvonne Gebauer [FDP]: Ui!) Als Christ und Vater dreier Kinder bin ich der tiefen Überzeugung, dass die Möglichkeit zur Entfaltung der persönlichen Fähigkeiten nur dann gegeben ist, wenn jedes Kind das Handwerkszeug dazu erhält, der Lehrerin in der Schule zu folgen und die Erklärungen und Aufgaben zu verstehen. Der Schlüssel dazu ist und bleibt unsere gemeinsame Sprache. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, werden wir Kinder mit eingeschränkten Deutschkenntnissen schon vor der Einschulung verpflichtend und zielgerichtet unterstützen, und zwar ein ganzes Jahr lang und ergänzend zur alltagsintegrierten Sprachförderung in den Kitas für diejenigen Kinder, die einen Kindergarten oder eine Kita besuchen. Wir werden aber gerade auch die Kinder unterstützen, die überhaupt keine Kita besuchen. Das betrifft laut Statistischem Bundesamt im Übrigen rund 25 % aller Kinder mit Migrationshintergrund. Gerade aus unserer gemeinsamen Arbeit in der Enquetekommission „Chancengleichheit in der Bildung“ weiß ich nur allzu gut, wie groß unser demokratischer Konsens in diesem Hohen Haus darüber ist, allen Landtag Kindern in unserem Land bessere Bedingungen für den Start in die Schule zu bieten. Frühzeitige Sprachförderung, durchgängige Bildungsdokumentation, datengestützte Schulentwicklung, Stärkung der Familienzentren oder erleichterte Zugänge zu Kitas und außerschulischen Bildungsangeboten sind Themen, die uns gemeinsam bewegen und die auch in dem vorliegenden Antrag zumindest in Teilen benannt werden. Doch während die SPD kritisiert und Verbesserungen fordert, handelt die Landesregierung. Während die SPD auf der Bremse steht, haben CDU und Grüne den Bildungsturbo längst gezündet, (Dilek Engin [SPD]: Ach!) ob bei der Einführung weiterer Lernstandserhebungen zur systematischen Erfassung des Bildungsverlaufs im Rahmen des Schulkompasses NRW 2030, beim größten Investitionsprogramm in der Landesgeschichte mit einem Schwerpunkt auf Bildung oder nun bei den ABC-Klassen.
