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Dr. Dennis Maelzer

SPD 19.03.2026 Sitzungen 18/119

Vielen Dank. – Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Wir alle – oder zumindest die meisten – teilen ein Ziel: Jedes Kind in Nordrhein-Westfalen soll mit fairen Chancen ins Leben starten. Ja, Sprache ist ein Schlüssel für Bildungserfolg. (Beifall von Dilek Engin [SPD] und Justus Moor [SPD]) Die entscheidende Frage ist aber doch: Wo und wie fördern wir Kinder am besten? Die Landesregierung setzt auf sogenannte ABC-Klassen, übersetzt: verpflichtende Gruppensprachkurse vor der Einschulung. Das klingt zwar nach Unterstützung, doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass hier am falschen Punkt angesetzt wird, denn Sprachförderung beginnt doch nicht mit Sprachkursen ein Jahr vor der Schule. Sie beginnt viel früher im Alltag der Kinder. Darum sagen wir als SPD ganz klar: Wir brauchen ein Chancenjahr, und zwar in der Kita, denn das Chancenjahr setzt dort an, wo Entwicklung tatsächlich stattfindet – im Spiel, in Beziehungen, im täglichen Miteinander. Auch Bildungsexpertinnen und Bildungsexperten haben deutlich gemacht, dass die Kita der richtige Ort für Förderung ist, nicht eine zusätzliche Struktur außerhalb. Bis vor Kurzem wusste das die Landesregierung auch noch selbst. Noch immer findet man im Internetauftritt der Regierung folgende Aussage: „Die in den letzten Jahren gewonnenen wissenschaftlichen Erkenntnisse und Praxiserfahrungen zeigen, dass es vor allem eine systematische alltagsintegrierte Sprachbildung ist, die die sprachliche Entwicklung der Kinder fördert. Eine sprachanregende Umgebung im pädagogischen Alltag der Kindertagesbetreuung bietet dafür viele Anlässe. […] Sprachbildung und Beobachtung soll integriert im pädagogischen Alltag stattfinden.“ Das ist richtig. Ganz genau deswegen wollen wir ein Chancenjahr mit gezielter Förderung im vertrauten Umfeld, mit multiprofessionellen Teams, mit den Erkenntnissen, die wir in Sprach-Kitas gewonnen haben, und vor allen Dingen mit einem ganzheitlichen Blick auf die Kinder, denn die sozial-emotionale Entwicklung und die motorischen Fähigkeiten verdienen die gleiche Aufmerksamkeit wie das Thema „Sprache“. (Beifall von der SPD und Yvonne Gebauer [FDP]) ABC-Klassen mögen gut gemeint sein, sind allerdings falsch konstruiert. Sie setzen nämlich auf ein 19.03.2026 vollkommen anderes Prinzip. Ich frage Sie deshalb: Warum vertrauen Sie den Fachkräften in unseren Kitas so überhaupt nicht? Die sind genau für diese Altersgruppe ausgebildet. Die wissen, wie Sprachbildung für Kita-Kinder funktioniert. Warum glauben Sie, dass Lehrerinnen und Lehrer, die für diese Altersgruppe nicht ausgebildet sind, es in zweimal zwei Stunden in der Woche besser hinbekommen als die Erzieherinnen und Erzieher, die die Kinder die gesamte Woche begleiten? (Beifall von der SPD und der FDP) Sie sagen: Förderung wird aus der Kita herausgelöst und in ein separates System verlagert. – Doch genau das wird von Fachleuten kritisiert. Sie schaffen Parallelstrukturen, statt bestehende Strukturen zu stärken. Sie verlagern Förderung in eine verschulte Umgebung, die für Vorschulkinder ungeeignet ist. Dabei ist Ihr Ansatz noch total defizitorientiert. Sie reißen ausschließlich Kinder mit Förderbedarf aus ihrem gewohnten Kita-Alltag heraus und packen sie dann in einen Klassenraum mit anderen Kindern, die ebenfalls Förderbedarfe haben. Dabei wissen wir doch alle: Kinder lernen von Kindern, und sie lernen in Gemeinschaft. – Sie ignorieren das alles. (Beifall von der SPD und der FDP) Ganz praktisch heißt das: Kinder müssen transportiert werden, lernen in fremden Räumen mit neuen Bezugspersonen kurz vor einem ohnehin großen Lebensübergang. Das ist nicht kindgerecht. Es ist bürokratisch und teuer. Wenn man allein die Bürokratieund Logistikkosten Ihres Ansatzes zusammenrechnet, kommt man auf weit über 100 Millionen Euro, die eben nicht in die Unterstützung der Kinder fließen. Darum sagen wir: Jeder Euro, der so verschwendet wird, könnte in der Kita viel mehr Positives bewirken als in Ihren Busklassen. Um es auf den Punkt zu bringen: Wir wollen Kinder fördern, Sie wollen Kinder befördern. (Beifall von der SPD) Kinder lernen nicht im Sprachkurs, sondern im Alltag, im Gespräch mit Erzieherinnen und Erziehern, beim Spielen mit anderen Kindern, in stabilen Beziehungen und vertrauten Strukturen. Genau deshalb heißt es in unserem Antrag: Sprachbildung ist Regelaufgabe in den Kitas, und genau dort muss sie gestärkt werden. – Eine Förderung, die aus diesem Alltag herausgelöst wird, ist weniger wirksam, oft sogar kontraproduktiv, denn Sprachentwicklung ist ein kontinuierlicher Prozess und kein kurzfristiges Training. Sie braucht Vertrauen, Sicherheit und Zeit, und sie funktioniert besonders gut in alltagsintegrierter Förderung. Gleichzeitig sagen Sie den Kitas mit Ihrem neuen KiBiz und dem Konzept der Kern- und Randzeiten: Macht ruhig weiter, aber mit weniger Fachkräften und Landtag verengt Bildung auf fünf Stunden am Tag. – Das ist vollkommen kontraproduktiv. Darum haben Sie für dieses Konzept auch nicht den Rückhalt der Erzieherinnen und Erzieher. Jeder, der sich intensiver damit auseinandersetzt, weiß: Sprachbildung ist für diese Altersgruppe in unseren Kitas besser aufgehoben.

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