landtag.nrw.de ↗

Franziska Müller-Rech

FDP 19.03.2026 Sitzungen 18/119

Vielen Dank. – Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Vielleicht waren Sie selbst schon einmal in so einer Situation dabei, wenn ein junger Mensch gesagt hat: Ich überlege, Lehrerin oder Lehrer zu werden. – Wenn ein schon im Amt befindlicher Lehrer oder eine schon im Amt befindliche Lehrerin dabei ist, dann lautet der erste Rat oft: Egal, was du studierst, nimm bloß nicht zwei Korrekturfächer, sonst wirst du keine Freude an diesem Beruf haben. Das sagen auch die Bestandslehrkräfte. Diese armen Lehrkräfte sind zum Beispiel mit Deutsch und Englisch oder Deutsch und Französisch oder einer weiteren Fremdsprache längst zu Korrekturmaschinen geworden. Viele reduzieren sogar ihre Arbeitszeit, damit sie genau das, ihre Korrekturen, schaffen können. Diese stundenlangen Korrekturen bedeuten: Sie haben weniger Zeit für die individuelle Förderung, für Gespräche mit ihren Schülerinnen und Schülern und für Elternarbeit. 19.03.2026 Gleichzeitig steigen seit vielen Jahren die Anforderungen an unsere Lehrkräfte, zum Beispiel durch heterogene Klassen, mehr Bürokratie und immer mehr Aufgaben, die wir ihnen geben und die ehrlicherweise oft nicht mehr viel mit Unterrichten zu tun haben. Das alles passiert in Zeiten massiven Lehrermangels. Dabei verkennen wir, dass Zeit die wichtigste Ressource in unseren Schulen ist. Deswegen brauchen wir neue Ideen, um Lehrkräfte zu entlasten, und Mut zur Umsetzung neuer Lösungen. Eine solche Lösung habe ich Ihnen heute mitgebracht. Ich möchte, dass in Nordrhein-Westfalen kein Lehrer mehr Klassenarbeiten korrigiert und vor allem durch die Korrekturen so belastet ist. Ich möchte, dass Künstliche Intelligenz ihnen diese Aufgabe abnimmt. Ich verrate Ihnen ein Geheimnis: Manche Lehrer tun übrigens schon genau das. Auch Unternehmen bieten genau solche Lösungen schon an. (Thorsten Klute [SPD]: Was? Frau Ministerin?) Ein Beispiel ist zum Beispiel die Firma eXaminer, eine Plattform für Prüfungen, die auch von Lehrkräften in Deutschland genutzt wird. Genug Lehrkräfte nutzen genau das im Verborgenen oder auf eigene Faust mit sogenannter Schatten-KI. Sie sehen: Die Praxis ist weiter als die Politik. Künstliche Intelligenz kann schon heute Aufgaben strukturiert auswerten, typische Fehler erkennen, Feedback individuell formulieren und Lernstände systematisch erfassen – von der Schatten-KI übrigens auch mit unterschiedlicher Qualität. Ich möchte Ihnen klarmachen: Das ist keine Zukunft, sondern das ist Gegenwart. Was wollen wir? Wir wollen eine verlässliche technische Lösung nach dem KI-Prinzip „Human-in-the-Loop“. Diese KI-Korrektur soll keinen einzigen Lehrer ersetzen – diese Angst kann ich Ihnen vorweg schon einmal nehmen –, sondern sie soll ganz im Gegenteil Lehrer unterstützen und entlasten. Das bedeutet nämlich: Die KI übernimmt die Erstkorrektur und unterstützt beim Feedback. Uns ist wichtig: Bei Humanin-the-Loop trifft die Lehrkraft die finale Entscheidung. Dabei soll es auch bleiben. (Beifall von der FDP) Wir wollen eine datenschutzkonforme und ausgereifte Software statt dieser Schatten-KI. Wir wollen natürlich eine Marktlösung und kein LOGINEO-Desaster 2.0, also bitte nichts selbst entwickeln. Das kann der Markt viel besser. Verschaffen wir den Lehrkräften damit mehr von dem, was wirklich zählt: Zeit für die Schülerinnen und Schüler. Die Technologie ist längst vorhanden. Wir müssen sie nur clever nutzen. Ich freue mich sehr auf die Beratung. – Vielen Dank. (Beifall von der FDP) Landtag

Alle Reden von Franziska Müller-Rech Protokoll ↗