Andreas Keith
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Preisfrage: Wie viele Schwimmbäder sind seit 2001 in Nordrhein-Westfalen verschwunden? Ich mache es Ihnen zur späten Stunde etwas leichter. Antwort A: jedes vierte. Antwort B: jedes dritte. Antwort C: jedes zweite. Sie ahnen es bereits: Die Lösung lautet „Antwort C“. Seit 2001 hat sich die Anzahl der Schwimmbäder in Nordrhein-Westfalen halbiert. Die übrig gebliebenen Bäder sind teils stark marode und bleiben jahrelang geschlossen. Dennoch wiederholen Sie mantraartig, dass Nordrhein-Westfalen das Sportland Nummer eins sei. Was Sie dabei auslassen: Das Sportland Nummer eins ist auch der Sanierungsfall Nummer eins bei Sportstätten. Der Landessportbund schätzt den Sanierungsbedarf in Nordrhein-Westfalen inzwischen auf rund 3,6 Milliarden Euro. Der eigentliche Skandal dabei: Ihnen ist Landtag das seit Jahren bekannt. Genau deshalb stellt sich die Frage, warum Sie bis heute keine landesweite Übersicht über diesen Sanierungsbedarf geschaffen haben. In der letzten Legislaturperiode hatten wir Sie dazu aufgefordert, dies zumindest für Schwimmbäder umzusetzen. Die Ablehnung unseres Antrags rächt sich jetzt, wo die sogenannte NRW-Sportmilliarde im Raum steht. Eine Milliarde Euro für Sportstätten? Das klingt zunächst gut. Investitionen in Sportstätten sind längst überfällig. Aber nicht nur der interessierte Sportpolitiker, sondern auch viele Vorstände von Sportvereinen fragen sich: Warum steht das Geld ausgerechnet jetzt zur Verfügung? Über Jahre hinweg haben wir Sie immer wieder auf den desolaten Zustand der Sportanlagen hingewiesen. Was hat man uns, aber auch den Kommunen, Vereinen und Verbänden erzählt? Kein Geld! (Mehrdad Mostofizadeh [GRÜNE]: Sie haben doch dagegen gestimmt!) Als wir hier im Landtag einen neuen „Goldenen Plan Sport“ forderten, also ein langfristiges Investitionsprogramm für Sportstätten, hieß es ebenfalls: kein Geld! Plötzlich ist eine Milliarde da. Warum? Es ist eigentlich ganz einfach: Weil Nordrhein-Westfalen sich für die Austragung der Olympischen Spiele bewirbt und der Lügenbaron aus dem Sauerland sich mit dem alten Bundestag über eine Billion Euro verschafft hat. Siehe da, jetzt, wo es ein Jahr vor der Landtagswahl wieder um Prestige und internationale Aufmerksamkeit geht, ist plötzlich Geld da. Doch es gibt ein Problem: Das Land hat bis heute keinen vollständigen Überblick über den Zustand seiner Sportstätten. Es gibt keine systematische Darstellung darüber, welche Sportanlagen den größten Sanierungsbedarf haben. Ja, die Kommunen wissen, wo es bei ihnen fehlt, aber sie entscheiden gerade nicht über die Vergabe. Genau deshalb braucht es eine landesweite Datengrundlage. Wie sonst wollen Sie priorisieren, wer am dringendsten die Gelder benötigt und wer nicht? Sind es die, die zuerst Mittel beantragen, ist es vielleicht der, der politisch gerade gut vernetzt und gelitten ist, oder machen Sie es, wie so oft, einfach nach dem Gießkannenprinzip? Mit unserem Antrag fordern wir ein, was eigentlich selbstverständlich sein sollte: einen landesweiten Sportstättenmonitor, eine zentrale und regelmäßig aktualisierte Übersicht über den Zustand und Sanierungsbedarf der Sportstätten in Nordrhein-Westfalen. Die Schweiz macht es vor. Das Bundesamt für Sport führt eine sogenannte Sportanlagenstatistik, und England verfügt über eine umfassende Datenbank. 18.03.2026 Auch wir nehmen im Straßenbau, bei Schulen und selbst beim Brückenbau regelmäßig Zustandsbewertungen vor. Dank des Brückenmonitors wissen wir, dass über 2.500 Brücken in NRW sanierungsbedürftig sind. Nur bei der Sportinfrastruktur, die ebenfalls Millionen Menschen betrifft, passiert das nicht. Das ist schlicht unverantwortlich. Nur wer weiß, wo der Bedarf am größten ist, spart Zeit, Verwaltungsaufwand und am Ende des Tages jede Menge Steuergeld. Meine Damen und Herren, die Menschen erwarten zu Recht, dass ihr Geld nicht des Prestiges wegen und nicht nach politischem Opportunismus, sondern nach tatsächlichem Bedarf zielgerecht eingesetzt wird. Olympische Ringe auf Bewerbungsbroschüren sehen zwar gut aus, aber davon wird kein Schwimmbad saniert und keine Sporthalle repariert. Und es lernt auch kein Kind schwimmen. Wenn Sie eine Milliarde investieren wollen, dann sorgen Sie dafür, dass das Geld dort ankommt, wo es am dringendsten benötigt wird, …
