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Christin-Marie Stamm

SPD 18.03.2026 Sitzungen 18/118

Sehr geehrter Herr Präsident! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Draußen spürt man es schon: Die Motorradsaison hat begonnen. Nach der langen Winterpause wollen viele Motorradfahrerinnen und Motorradfahrer, mich eingeschlossen, endlich wieder auf die Straße. Wir suchen die Freiheit, den Fahrspaß und dieses besondere Lebensgefühl auf zwei Rädern. Doch viel zu oft endet diese Freiheit dort, wo das Blaulicht beginnt. Aus Fahrspaß wird bitterer Ernst. Die Verkehrsunfallbilanz zeigt: 45 Motorradfahrerinnen und Motorradfahrer sind im vergangenen Jahr in NRW ums Leben gekommen, allein vier davon in meinem Heimatkreis Olpe. Diese Zahlen machen deutlich: Bis zur Vision Zero ist es noch ein weiter Weg. Mehr Verkehrssicherheit erreichen wir nicht mit einer einzigen Lösung. Gefragt ist ein umfassendes Zusammenspiel unterschiedlicher Maßnahmen. Das Pilotprojekt an der Panoramastraße der L 218 zeigt, dass innovative Ansätze wirken können: geringere Geschwindigkeiten, weniger Unfälle und keine schweren Unfallfolgen. Das sind ermutigende 18.03.2026 Ergebnisse. Klar ist aber auch: Dieses Projekt kann nur ein erster Schritt sein. Ein landesweiter Rollout an Unfallschwerpunkten ist richtig und sinnvoll. Entscheidend wird sein, ihn zügig, mit ambitionierten Zielen sowie einer umfassenden Evaluierung umzusetzen. Wer Vision Zero ernst meint, muss bereit sein, konsequent in Verkehrssicherheit zu investieren. Prävention und Kontrollen müssen dabei zusammengedacht werden. So wichtig die bisherigen Maßnahmen sind, sie reichen noch nicht aus, um besonders risikoreiches Fahrverhalten nachhaltig zu verändern. Deshalb braucht es zusätzliche Ansätze. Genau darüber sprechen wir heute. Klar ist auch: Geschwindigkeit ist nicht die einzige Unfallursache. Unfälle entstehen ebenso durch mangelnde Streckenkenntnis, Unachtsamkeit und Selbstüberschätzung, gerade jetzt zum Saisonbeginn. Die Sonne steht noch tief, der Asphalt ist noch kalt und nach der Winterpause muss man auf dem Motorrad erst einmal wieder so ein richtiges Fahrgefühl bekommen. Leider spielen auch Fehler anderer Verkehrsteilnehmer immer wieder eine Rolle. Ein Restrisiko wird somit immer bleiben. Aber wir können und müssen es weiter minimieren. Deshalb unterstützen wir grundsätzlich die Idee, stärker für Fahrsicherheitstrainings zu werben. Der Antrag greift hier einen wichtigen Punkt auf. Gleichzeitig bleiben Fragen offen, etwa zur tatsächlichen Teilnehmerquote. Nach Schätzungen nimmt nur rund 1 % der Motorradfahrerinnen und Motorradfahrer regelmäßig an einem solchen Training teil. Das zeigt: Wir haben nicht nur ein Sicherheitsproblem, sondern auch ein Akzeptanzproblem. Hinzu kommt die schwierige Lage vieler Vereine, die sich für Verkehrssicherheit stark machen und beispielsweise solche Fahrtrainings anbieten. Trainings sind häufig Zuschussgeschäfte. Es fehlen zertifizierte Ausbilderinnen und Ausbilder sowie geeignete Flächen. Wer mehr Sicherheit will, muss deshalb auch die erforderlichen Rahmenbedingungen dafür schaffen. Vereine brauchen Planungssicherheit und verlässliche finanzielle Unterstützung. Jeder Euro, den wir in Verkehrssicherheit investieren, rettet Menschenleben. Hier erwarten wir von der Landesregierung, dass sie die notwendigen Handlungsspielräume schafft, damit aus guten Ansätzen auch dauerhaft wirksame Maßnahmen werden. Der Antrag weist in die richtige Richtung. Er wird das Thema Verkehrssicherheit für Motorradfahrerinnen und Motorradfahrer stärker in den Fokus rücken, und das ist dringend notwendig. Er ersetzt kein umfassendes Gesamtkonzept, aber er kann ein weiterer wichtiger Baustein auf dem Weg zur Vision Zero sein. Deshalb werden wir heute dem Antrag zustimmen, verbunden mit der klaren Erwartung, dass den Ankündigungen nun konkrete Maßnahmen folgen. Denn eines ist klar: Jeder verhinderte Unfall und jedes gerettete Leben sind den Einsatz wert. In diesem Landtag Sinne wünsche ich allen Motorradfahrerinnen und Motorradfahrern eine sichere Saison und vor allem allzeit gute Fahrt. – Vielen Dank. (Beifall von der SPD – Vereinzelt Beifall von der CDU)

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