André Kuper
Danke, Herr Dr. Vincentz. – Für die Landesregierung spricht nun Herr Minister Laumann. Karl-Josef Laumann*), Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales: Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Als ersten Punkt will ich sagen: Von den Menschen mit einem sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz in Deutschland und in Nordrhein-Westfalen – in Deutschland sind das 38 Millionen und bei uns knapp 10 Millionen – haben 15 % formal keine abgeschlossene Berufsausbildung. Das heißt auf der anderen Seite, dass 85 % der Menschen, die in Deutschland einer sozialversicherungspflichtigen Arbeit nachgehen, eine duale oder eine akademische Berufsausbildung haben. Wenn man diese Zahlen kennt, dann weiß man, dass man Chancengerechtigkeit in diesem Land nur herstellen kann, wenn die Leute am Ende des Tages eine abgeschlossene Berufsausbildung erreichen. Das ist die Wahrheit. Schauen wir auf unsere Langzeitarbeitslosen. Da wir wissen, wie viele von ihnen keine abgeschlossene Berufsausbildung haben, wissen wir auch, dass für die Integration in den Arbeitsmarkt die Frage, ob eine formale Berufsausbildung durchlaufen wird, die entscheidende ist. Deswegen hat diese Landesregierung in den letzten Jahren sehr viele Maßnahmen ergriffen, damit unsere Schulabgängerinnen und Schulabgänger eine Berufsausbildung beginnen. Lassen Sie mich dazu sagen: Mir persönlich ist es erst einmal egal, ob das eine akademische oder eine duale Berufsausbildung ist. Entscheidend ist, dass die jungen Leute zu einem Beruf finden, der zu ihrer Persönlichkeit passt. Das ist das Entscheidende. Denn wenn der Beruf nicht dazu passt, wie man selbst ist, dann wird es nie gut werden. 18.03.2026 Glücklicherweise haben wir in diesem Land beide starken Arme: den dualen und den akademischen. Der eine ist nicht besser und nicht schlechter als der andere. (Beifall von Angela Freimuth [FDP]) Karrierechancen sind in beiden Berufsbildern und bei beiden Ausbildungen gegeben. Sie sind unterschiedlich. Aber sie sind möglich. Man muss sie nur nutzen. Deswegen darf man die Frage der Fachkräfteoffensive nie von der Bildungspolitik, von der Schulpolitik lösen. Die jetzige Schulministerin, Frau Feller, bringt für das Ziel, mehr junge Leute so durch die Schule zu bringen, dass sie einen Abschluss erlangen, mit dem man dann eine Berufsausbildung beginnen kann, auf jeden Fall viel Gutes und viel Richtiges auf den Weg. Es dauert halt nur eine gewisse Zeit, bis das wirkt. Ich bin auch davon überzeugt – um das ganz deutlich zu sagen –, dass wir zu der Frage, welchen Beitrag Schule leisten kann und welchen Beitrag wir in der Schule leisten können, damit sich bei den jungen Leuten der richtige Berufswunsch entwickelt, sehr gute Hilfe leisten. Allerdings können wir damit nicht das persönliche Umfeld wie das Elternhaus oder die Lehrerinnen und Lehrer ersetzen. Diese ganzen Maßnahmen, die wir rund um die Entwicklung der Berufswünsche – Potenzialanalysen oder auch das Programm „Kein Abschluss ohne Anschluss“ – ergreifen, sind schon ganz gute Instrumente, finde ich, die wir in Nordrhein-Westfalen über viele Jahre entwickelt und immer weiter verfeinert haben. Wir werden sie auch weiterhin verfeinern. Heute machen wir sie an allen Schulen, auch an den Förderschulen. Ich halte es für wichtig, dass man auch diesen Bereich mit in den Blick nimmt. Ich finde auch, dass das Umfeld für die duale Ausbildung nicht schlechter sein darf als für die akademische Ausbildung. Deswegen ist ein Schwerpunkt unserer Fachkräfteoffensive in Nordrhein-Westfalen die Renovierung, die Modernisierung und der Ausbau von überbetrieblichen Ausbildungsstätten, die in der dualen Ausbildung des Handwerks nun einmal eine ganz große Rolle spielen. Darin investieren wir zurzeit jedes Jahr 16 Millionen Euro; darin investiert der Bund. In einigen Jahren werden wir ein Sanierungsprogramm hingelegt haben, das sie alle in neuem Glanz erstrahlen lässt. Es hat auch etwas mit Wertschätzung zu tun, dass nicht nur Fachhochschulen gut aussehen, sondern auch die Bildungseinrichtungen des Handwerks und die ÜBS in einem Zustand sind, der in die heutige Zeit passt und der Modernität, aber auch Wertschätzung ausstrahlt. Deswegen legen wir darauf einen ganz großen Schwerpunkt. Wir legen einen weiteren Schwerpunkt darauf, mit vielen Programmen, die wir über den ESF finan-Landtag zieren, Menschen zu unterstützen, die nach der Schule noch nicht so weit sind, dass sie eine Ausbildung beginnen können. Das sind viele unterschiedliche Programme. Denn sie können nicht alle gleich sein, weil auch die Jugendlichen, um die es geht, Gott sei Dank nicht alle gleich sind. Wir haben all diese Instrumente geschaffen, auch zusammen mit der Bundesagentur für Arbeit, damit wir in diesem Bereich ein vielfältiges Angebot haben – immer mit dem Ziel, dass die jungen Leute eine Ausbildung machen. Dass wir es mit dieser Landesregierung beendet haben, dass Meisterinnen und Meister, die für die duale Ausbildung nun einmal wichtig sind, ihre Meisterprüfung mit eigenem Geld bezahlen müssen, halte ich für einen Fortschritt. Bei der SPD war es immer so: Alle, die später über 100.000 Euro verdienen, Akademiker, werden vom Staat ausgebildet, und alle, die unter 40.000 Euro verdienen werden, bezahlen Schulgeld. – Das war in der Gesundheitsbranche so, und das war bei den Meistern so. Dem habe ich ein Ende bereitet. – Schönen Dank für die Aufmerksamkeit. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN – Jens-Peter Nettekoven [CDU]: Sehr gut!)
