landtag.nrw.de ↗

Anke Fuchs-Dreisbach

CDU 18.03.2026 Sitzungen 18/118

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich freue mich immer sehr über Anträge, die sich mit der Stärkung der beruflichen Bildung und der Begleitung junger Menschen auf dem Weg in Ausbildung und Beruf befassen; denn das ist ein ganz wichtiges Themenfeld. Hierbei handelt es sich um eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung; denn es geht auch um Respekt und Wertschätzung, die wir bestimmten Berufsgruppen im Alltag entgegenbringen, damit sich Menschen bewusst für einen Berufsweg entscheiden. Bundespolitisch wurden in den letzten Jahren einige wichtige Schritte unternommen, um die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung stärker sichtbar zu machen. Mit dem Berufsbildungsmodernisierungsgesetz wurden erstmals bundesweit einheitliche Fortbildungsstufen eingeführt, darunter der Titel „Bachelor Professional“ für höher qualifizierte Abschlüsse wie den Meister oder den Fachwirt. Ziel dieser Reform war es, berufliche Aufstiegsfortbildungen klarer einzuordnen, sie international verständlicher zu machen und damit auch die Attraktivität beruflicher Karrierewege zu stärken. Wie ich finde, ist dies ein ganz wichtiger Baustein im gemeinsamen Bemühen um die Fachkräftesicherung. Doch auch in Nordrhein-Westfalen strengen wir uns diesbezüglich natürlich an. Seit Herbst 2022 haben wir mit der Arbeits- und Fachkräfteoffensive bereits vielseitige Maßnahmen zur beruflichen Bildung und gegen den Fachkräftemangel eingeleitet. Die Fachkräfteengpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit zeigt, dass nicht alle Arbeitsplätze deutschlandweit gleich gut besetzt werden können. In Pflege- und Gesundheitsberufen, in handwerklichen Spezialberufen, in der IT, bei Berufskraftfahrern, aber auch bei Erziehern und Köchen stehen besonders viele freie Arbeitsplätze zur Verfügung. Dies verdeutlicht die hohe Bedeutung gezielter Maßnahmen zur Fachkräftesicherung insbesondere in den genannten Engpassberufen. Zugleich zeigt die Analyse aber auch: Wir sind auf dem richtigen Weg. Die Zahl der Engpassberufe verändert sich positiv. Landtag Kern des vorliegenden AfD-Antrags ist der Vorwurf, die Landesregierung betreibe nur kurzfristige Programme, und es fehle an Ernsthaftigkeit bei der Problemlösung zur Fachkräftesicherung. Dieses im Antrag gezeichnete Bild entspricht nicht der Realität. Denn Nordrhein-Westfalen hat mit „Kein Abschluss ohne Anschluss“ ein leistungsfähiges und bundesweit anerkanntes Übergangssystem geschaffen. Bereits ab Klasse 8 erhalten Schülerinnen und Schüler verbindliche Potenzialanalysen. Darauf folgen Berufsfelderkundung und Praktika, die fundierte Entscheidungen ermöglichen. Kommunale Koordinierungsstellen vernetzen Schule, Betriebe, Kammern und Träger. Diese sorgen dafür, dass Angebote aufeinander abgestimmt, erreichbar und regional passend sind. In den Jahrgangsstufen 9 und 10 vermitteln Praxiskurse vertiefte Einblicke in betriebliche Abläufe, fördern Fach- und Sozialkompetenzen und tragen gezielt zur Reduzierung von Ausbildungsabbrüchen bei. Ich denke, wir Abgeordneten kennen alle die Ausbildungsmessen und besuchen diese regelmäßig vor Ort. Auch inklusive Angebote wie KAoA-STAR unterstützen Jugendliche mit Behinderung beim Übergang in den allgemeinen Arbeitsmarkt. Zudem hilft das Werkstattjahr jungen Menschen, die besondere Unterstützung benötigen. Digitale Angebote wie die berufswahlapp ergänzen die Berufsorientierung zeitgemäß und ermöglichen selbstständige und reflektierte Entscheidungen. Alle diese Maßnahmen sind Teil der Fachkräfteoffensive NRW für eine erfolgreiche Bildungs- und Erwerbsbiografie der jungen Menschen. Erste Erfolge etwa bei der Vermittlung durch Jobcenter oder Inklusionsinitiativen zeigen, dass koordinierte Fachkräftesicherung wirkt. Wir verfolgen in Nordrhein-Westfalen ein strukturiertes, modernes und inklusives System der Berufsorientierung, das früh ansetzt, systematisch begleitet und einfache Übergänge von Ausbildung in Beruf ermöglicht. Wir werden den eingeschlagenen Weg zur Fachkräftesicherung beibehalten und lehnen daher den Antrag der AfD ab. – Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN)

Alle Reden von Anke Fuchs-Dreisbach Protokoll ↗