Dorothee Feller
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! In dem Antrag fordern Sie unter anderem – ich zitiere –, dass „die zweite Phase des Lehramtstudiums zeitgleich zu einem entsprechend verlängertem Master-Studium stattfindet“. Das würde letztlich bedeuten, dass wir eine Aufhebung der zweiphasigen Ausbildung hätten, also kein Referendariat mehr. Das lehnen wir ausdrücklich ab, und zwar nicht aus mangelndem Mut, wie vor zwei Tagen gesagt worden ist, sondern aus tiefster fachlicher Überzeugung. Zunächst aber zu Ihrem Antrag: Darin gehen Sie von falschen Zahlen aus, wenn Sie die Studienabbrecherzahlen erheben. Bei der Studie, auf die Sie sich beziehen, lassen Sie außer Acht, dass es sich dabei um sogenannte polyvalente Bachelorstudiengänge handelt, also um Studiengänge, die von vornherein darauf angelegt sind, dass man ein Lehramt, aber auch einen anderen Beruf anstreben kann. Daher ist diese Bezugsgröße in diesem Zusammenhang einfach falsch. Das Statistische Bundesamt hat 2025 in einer ersten Einschätzung und Erläuterung angedeutet und klargemacht, dass die Studienerfolgsquote im Lehramt in Nordrhein-Westfalen höher als in anderen Studiengängen ist. Das ist doch wirklich eine ganz andere Zahl als die, die Sie nennen. (Dilek Engin [SPD]: Das reicht Ihnen?) Im August 2025 haben wir dem Landtag einen Evaluationsbericht vorgelegt. Dem Evaluationsbericht ist ein umfangreicher Dialogprozess mit vielen Beteiligten im Rahmen der Lehrerausbildung vorausgegangen; zum ersten Mal mit vielen Gesprächen auch mit den Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärtern selbst und den Rektoren der Universitäten. Im Herbst hat es eine umfangreiche Verbändeanhörung gegeben. Alle Aspekte aus dem Dialogprozess, aber auch aus der Verbändeanhörung finden sich in unserem Gesetzentwurf zur Lehrerausbildung wieder. Sie erheben Kritik an einigen Änderungen, die wir im Studium vorgenommen haben, und wünschen sich dort mehr Änderungen. Um es noch einmal deutlich zu sagen: In Nordrhein-Westfalen gilt die Hochschulfreiheit. Das heißt: Wir können die hier gestellten Forderungen gar nicht alle umsetzen. Es ist nicht richtig, zu sagen, dass man in Nordrhein-Westfalen nur noch mit einem NC studieren kann. Das Gegenteil ist der Fall. In Nordrhein-Westfalen kann man ohne NC alle Lehrämter studieren. (Zuruf von Franziska Müller-Rech [FDP]) Richtig ist: Das geht nicht an allen Universitäten. 30.01.2026 (Franziska Müller-Rech [FDP]: Richtig!) Aber man kann in Nordrhein-Westfalen ohne NC alle Lehrämter studieren. Die Aussage, die Sie gerade gemacht haben, ist also falsch. (Zurufe von Franziska Müller-Rech [FDP] und Dilek Engin [SPD]) Wir erhöhen die Praxisanteile im Studium. Sie beziehen sich immer auf das Praktikum, das wir um fünf Tage erweitern. Es gibt aber noch viele andere Elemente, die ebenfalls die Praxisanteile im Studium widerspiegeln. Dazu gehört auch, dass wir in den Seminaren im Studium mit Lernlabors und mit Makerspaces arbeiten, durch die die Praxis in das Studium hineingeholt werden. Unser Anliegen muss es doch sein, dass wir zunächst eine wissensbasierte Ausbildung durchführen und dann die jungen Menschen in das Referendariat geben. Die enge Verzahnung zwischen Referendariat und Studium, wie sie Ihnen vorschwebt, wird im Übrigen auch von der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission der Kultusministerkonferenz abgelehnt. Diese warnt sogar davor, weil das Studium sowohl für diejenigen, die in der Ausbildung tätig sind, als auch für die Studierenden zu komplex würde, dass es zu mehr Belastung und zu einem höheren Druck bei den Studierenden führte und wir am Ende mit mehr Abbrechern rechnen müssten als jetzt. (Dilek Engin [SPD]: In anderen Bundeslän- dern, in Thüringen, klappt das doch auch!) Masterstudium und Referendariat nach Ihrer Vorstellung zu verzahnen, würde zudem zu einer hohen Belastung führen. In den Praxissemestern gibt es rund 3.500 Studierende. (Dilek Engin [SPD]: Es gibt doch eine KMK- Empfehlung!) Wenn Sie den Masterstudiengang enger mit der Praxis verzahnen wollten, würde das bedeuten – wenn man das einmal hochrechnet –, dass 14.000 Studierende in unseren Ausbildungsschulen wären. Vor zwei Tagen haben Sie noch gefordert, wir sollten die Ausbildungsschulen weiter entlasten. Jetzt wollen Sie die Ausbildungsschulen stärker in die frühere Phase einbeziehen. Das würde bedeuten, dass 14.000 Studierende zusätzlich in die Ausbildungsschulen gingen, was schlichtweg nicht zu stemmen wäre. (Dilek Engin [SPD]: Am Ende haben Sie dann qualitativ gut ausgebildete Lehrkräfte!) In Bezug auf eine duale Ausbildung – auch das gehört dazu – hat die KMK deutlich gemacht, dass eine duale Ausbildung nicht mit der grundständigen Ausbildung der Lehrkräfte gleichgestellt werde. Das heißt auch: Wir würden dazu beitragen, dass die jungen Lehrkräfte sich nicht im gesamten Bundesgebiet bewerben könnten. Natürlich wollen wir sie alle in Nordrhein-Westfalen halten. Aber wir machen den Landtag Lehrerberuf ein ganzes Stück unattraktiver, wenn sie von vornherein wissen, dass sie nicht überall … (Zurufe von Franziska Müller-Rech [FDP] und Dilek Engin [SPD]) – Ja, Thüringen macht das, Frau Müller-Rech; das ist richtig. Aber Sie müssen sich genau anschauen, wo sie es machen. (Zuruf von Franziska Müller-Rech [FDP]) – Nein, nicht in ganz Thüringen, sondern regional sehr begrenzt und in bestimmten Kombinationen. (Zuruf von Franziska Müller-Rech [FDP]) Das funktioniert nicht. Es bleibt dabei: Das wird nicht als grundständig ausgebildete Ausbildung anerkannt, sondern es basiert ausschließlich auf der Zusicherung der anderen Länder, dass sie gebeten sind, diese Ausbildung anzuerkennen. (Franziska Müller-Rech [FDP]: Das könnten wir auch machen!) Ob sie es tun, ist eine andere Frage. Es ist nicht sicher, ob es auf Dauer so gewährleistet ist, weil es aus einer Mangelsituation heraus kommt. Mit unserem Praxissemester haben wir schon bundesweite Maßstäbe gesetzt. (Dilek Engin [SPD]: Sie wollen ja nicht mal das Praxissemester vergüten!) Deswegen investieren wir in den Praxissemestern schon mehrere Hundert Lehrkräftestellen. (Dilek Engin [SPD]: Aber das ist kostenlos!) Natürlich wollen auch wir die Zentren für schulpraktische Lehrerausbildung, die bei uns in der Lehrerausbildung eine zentrale Rolle spielen, zum Nukleus für die Aus- und Fortbildung unserer jungen Lehrkräfte machen. Dazu bedarf es aber keiner gesetzlichen Regelung. (Dilek Engin [SPD]: Wer vergütet denn das Praxissemester? Sie nicht!) Es gibt auch noch einen weiteren Vorteil für das Referendariat. Das Referendariat liegt nämlich in der Verantwortung unseres Landes. Wir können den Inhalt des Referendariats mitgestalten. Daher haben viele Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärter im Rahmen des Dialogprozesses Vorschläge gemacht, wie wir das Referendariat weiter optimieren können. Dabei ist uns eines wichtig: dass sich Referendarinnen und Referendare sowie Ausbilderinnen und Ausbilder auf Augenhöhe begegnen und dass Ausbilderinnen und Ausbilder Trainer oder Coach für unsere Referendare sind. Mit Erlaubnis des Präsidenten darf ich einmal aus einem Interview aus dieser Woche mit einem Referendar vom Zentrum für schulpraktische Lehrerausbildung 30.01.2026 in Gelsenkirchen zitieren, der in Bezug auf das Referendariat Folgendes festgestellt hat: Das war von vornherein kein Von-oben-Herab, sondern ein gemeinsames Wachsen und Entwickeln und eine sehr vertrauensvolle Atmosphäre. Man spürt: Da ist seitens der Fachleitung der Wille zur bestmöglichen Vorbereitung. An einer solchen Lehrerausbildung werden wir in Nordrhein-Westfalen weiterhin arbeiten. – Vielen Dank. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN)
