Franziska Müller-Rech
Vielen Dank. – Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Vielen Dank, dass ihr das Thema auf die Tagesordnung setzt, liebe Kolleginnen und Kollegen der Sozialdemokratie. Ich möchte mit einem Gespräch einsteigen, das ich mit einer angehenden Lehrerin hatte. Sie möchte Grundschullehrerin werden, sie liebt Kinder, sie erklärt den Stoff toll und mit leuchtenden Augen, kann Kinder wirklich begeistern. Das habe ich in diesem Gespräch sofort gespürt. Aber sie sitzt im Mathematikstudium, das zu ihrem Lehramtsstudium gehört, mit Mathematikprofis im selben Hörsaal und muss dieselben Prüfungen schreiben. Ihr Ziel ist es, Kindern das 1x1 und ein Verständnis für Zahlenräume beizubringen. Ihre Realität weicht aber davon ab: Sie macht mathematisches Hochreck, das sie nie wieder brauchen wird. Das ist eine Verschwendung von Ressourcen. Das ist nicht wertschätzend, und das ist vor allem auch nicht sinnvoll. Sie kann eine großartige Lehrerin werden, wenn sie nicht vorher durch diesen Teil im Lehramtsstudium vergrault oder schlimmstenfalls sogar ausgesiebt wird. Deswegen müssen wir uns dringend angucken, was da schiefläuft und was wir ändern können. Das Lehramtsstudium ist im Moment noch zu viel Theorie und zu wenig Schule. Praxis kommt zu spät und vor allem auch nur punktuell. 40 % der Lehramtsstudierenden brechen ab, weil sie zum Beispiel keine echte Vorstellung vom Alltag einer Lehrkraft haben – wenn sie denn überhaupt einen Studienplatz bekommen. Denn viele Lehrertalente werden schon ausgesiebt, bevor sie überhaupt einen Fuß in die Uni oder ins Schulgebäude gesetzt haben. Stellen Sie sich das vor: Wir haben zwar Lehrermangel, aber wir haben gleichzeitig an vielen Hochschulen einen Numerus clausus aufs Lehramt. Es kann nicht jeder Lehramt studieren, der Lehrerin oder Lehrer werden will, obwohl wir einen Mangel haben, und 30.01.2026 dann brechen auch noch 40 % ab. Was für eine Demotivation, was für eine Vergeudung! (Beifall von der FDP und von Dilek Engin [SPD]) Kommen wir zum Antrag. Die SPD reagiert auf die genannten Probleme mit einem Pilotprojekt, das ich sehr spannend finde. Sie will das Referendariat mit dem Master verschmelzen. Keine Sorge; ich will es nicht kaputtreden. Aber ein paar Anregungen und Anmerkungen habe ich dann doch. Meines Erachtens müsste die Voraussetzung dafür sein, dass wir Praxisleistungen mindestens ebenbürtig wie akademische Leistungen bewerten. Ich finde es nicht so gut, dass Sie dafür den Master verlängern wollen. Das ist mir nicht mutig genug. Sie fordern ja zum Beispiel auch bei den Lehrplänen selbst eine Entschlackung und den Fokus aufs Wesentliche. Das könnte man für das Lehramtsstudium doch erst recht verfolgen. Übrigens, Frau Kollegin Winkelmann: Finnland zeigt, dass das geht. Das Beispiel, wie man das miteinander verbinden kann, haben wir unter anderem in Finnland gesehen. Wir sehen das aber auch, wenn wir nicht ganz so weit blicken, nämlich nach Thüringen, wo bereits ein entsprechendes Pilotprojekt läuft. Möglich ist es also schon. (Zuruf von Bianca Winkelmann [CDU]) Was wollen wir als FDP? Wir wollen die Lehrerausbildung komplett neu denken, also ein praxisintegriertes Lehramtsstudium ab dem ersten Semester. Wir möchten genau dieses finnische Modell. Theorie und Praxis müssen Hand in Hand gehen und dürfen nicht voneinander losgelöst sein, wie das jetzt der Fall ist. Studierende sollen früh Verantwortung übernehmen, dabei aber natürlich professionell begleitet werden, zum Beispiel durch feste Ausbildungsschulen, durch qualifizierte Mentorinnen und Mentoren und auch durch Co-Teaching statt Einzelkampf. Die Praxisleistung muss endlich zählen. Dieser Punkt ist mir besonders wichtig; denn das ist entscheidend. Wenn wir Studierende bewerten, muss es doch auch darauf ankommen, ob sie vor einer Klasse bestehen und sie beflügeln können oder nicht. Dass man mit angehenden Mathematikern bis in die 33. Ableitung fachlich mithalten kann, halte ich für weniger wichtig. (Beifall von der FDP) Dann fehlt mir auch noch das Auswahlverfahren vor dem Studium. Das können wir uns zum Beispiel von den Medizinern abschauen. Die Abiturnote allein ist keine Garantie dafür, dass man ein guter Lehrer wird. Es zählt so viel mehr, vor allem auch die Persönlichkeit, und die wird nicht durch eine Abiturnote gemessen. Das fehlt mir im SPD-Antrag auch noch. Es wäre doch eine wichtige Maßnahme, um Studienabbrüche Landtag zu verhindern, wenn wir ein solches Auswahlverfahren an den Anfang setzten. Das würde auch dazu führen, dass wir die knappen Studienplätze viel gerechter vergäben. Denn das Ziel muss doch sein, die Zahl der Studienabbrüche zu senken, angehende Lehrkräfte realistisch auf den Beruf vorzubereiten und den Lehrerberuf wieder attraktiv, professioneller und zukunftsfähiger zu machen. Ich komme zum Schluss. Ich begrüße den SPD-Antrag als wichtigen Debattenbeitrag. Ich bin dankbar für jeden Schritt in die richtige Richtung, den wir hoffentlich zusammen einfordern. Ich sage aber auch ganz klar: Das ist uns noch nicht mutig genug. Wir wollen mehr. – Ich freue mich aber sehr auf die Debatte im Ausschuss. – Herzlichen Dank. (Beifall von der FDP)
