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Bianca Winkelmann

CDU 30.01.2026 Sitzungen 18/117

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der vorliegende Antrag der SPD-Fraktion greift ein wichtiges Thema auf: den Lehrkräftemangel in Nordrhein-Westfalen. Dieses Thema begleitet uns kontinuierlich in dieser Legislaturperiode. Und lassen Sie mich eines vorweg sagen: Die Landesregierung arbeitet unermüdlich daran, dem Lehrkräftemangel entgegenzutreten. Sie haben schon darauf hingewiesen: Mit dem Dritten Gesetz zur Änderung des Lehrausbildungsgesetzes haben wir bereits konkrete Schritte unternommen. Wir haben die Praxiselemente im Bachelorstudium ausgeweitet, das Eignungs- und Orientierungspraktikum auf 30 Tage verlängert und das Berufsfeldpraktikum an Schulen neu ausgerichtet. Wir haben neue Qualifizierungswege über Hochschulen für angewandte Wissenschaften eröffnet und das Lehramtsstudium für sonderpädagogische Förderung grundlegend reformiert. Diese Reformen basieren 30.01.2026 auf einem umfassenden Bericht unter Einbeziehung aller Beteiligten. Die Problemanalyse der SPD ist nicht neu, doch dem nun vorgetragenen Lösungsansatz können wir nicht zustimmen. Schauen wir es uns genauer an. Der Antrag fordert ein Pilotprojekt, das Masterstudium und Referendariat zusammenlegt und zeitlich ausdehnt. Das klingt nach Innovation, ist aber ein Schnellschuss ohne klare Konturen. Wie soll denn diese Verzahnung aussehen? Wie lange würde das Studium dauern: drei Jahre, vier Jahre? Ab welchem Zeitpunkt wären wir bei einer dualen Ausbildung? Der Antrag schweigt sich dazu aus. Was wir aber wissen: Eine Verlängerung der Ausbildungszeit verschärft den Lehrkräftemangel, statt ihn zu lösen. Gerade die finanzielle Situation im Referendariat ist nicht einfach. Aufgrund der Stundenzahl in der Schule können die jungen Menschen keinerlei Nebenjobs ausführen. Wenn nun auch noch Studium und Referendariat parallel verlaufen, verschärft sich diese Problematik nur noch mehr. Eine massive Ausweitung der Praxisphasen könnte der Funktion universitärer Ausbildung entgegenwirken. Die Universität ist nicht die Berufsschule der Lehrkräfte. (Dilek Engin [SPD]: Ach!) Sie ist der Ort, an dem künftige Lehrerinnen und Lehrer lernen, über Bildung nachzudenken, (Dilek Engin [SPD]: Das funktioniert ja nicht!) pädagogische Konzepte zu verstehen, fachwissenschaftliche Tiefen zu entwickeln und kritisch zu reflektieren. (Dilek Engin [SPD]: Das funktioniert ja leider nicht!) Die Antragsteller behaupten, fast jede zweite angehende Lehrkraft verlasse das System während des Studiums. Diese Zahl ist alarmierend. Aber sie verlangt nach differenzierter Analyse, nicht nach übereilten Strukturreformen: Warum brechen Studierende ab? Ist es wirklich die mangelnde Praxisorientierung? Oder sind es fehlende finanzielle Unterstützung, überfüllte Seminare, unzureichende Betreuung oder schlicht die Erkenntnis, dass der Lehrerberuf doch nicht unbedingt das Richtige ist? Gerade in diesen Zeiten, in denen der Lehrerberuf herausfordernder wird, brauchen wir junge, motivierte Menschen, die dem Lehrauftrag voller Überzeugung nachgehen. Der Antrag fordert eine Verzahnung von Universität, ZfsL, Schulaufsicht und Ministerium. Das klingt nach Kooperation, führt aber zu Kompetenzwirrwarr. Wer Landtag ist wofür zuständig? Wer bewertet Studierende nach welchen Kriterien? (Dilek Engin [SPD]: Wie bei der Landesregie- rung! Wer ist für was zuständig?) Die zwei Phasen der Lehrerausbildung haben aus guten Gründen unterschiedliche Schwerpunkte. Die universitäre Phase legt das wissenschaftliche Fundament, das Referendariat entwickelt die praktische Professionalität. Diese klare Trennung aufzuweichen, ohne ein überzeugendes Alternativmodell vorzulegen, ist aus unserer Sicht fahrlässig. Ein Pilotprojekt an einer Universität und einem ZfsL ist reine Symbolpolitik. Die Frage ist doch, wie wir die Ausbildung flächendeckend in ganz Nordrhein-Westfalen verbessern, ohne die Qualität zu senken und ohne die Studierenden noch länger hinzuhalten. Dieser Antrag bietet keine konkrete Antwort. Er riskiert eine Absenkung der wissenschaftlichen Standards und ignoriert die eigentliche Ursache des Lehrkräftemangels. Statt experimenteller Strukturreformen setzen wir auf das, was wir bereits mit dem dritten Gesetz zur Änderung des Lehrerausbildungsgesetzes begonnen haben: durchdachte Reformen, die Theorie und Praxis verzahnen, neue Wege eröffnen und die fachliche Qualität sichern – immer mit dem Ziel, künftige Lehrerinnen und Lehrer bestmöglich auf die Herausforderungen dieses schönen Berufs vorzubereiten. – Herzlichen Dank. (Beifall von der CDU – Vereinzelt Beifall von den GRÜNEN)

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