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Christina Weng

SPD 29.01.2026 Sitzungen 18/116

Herzlichen Dank. – Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Frau Fuchs-Dreisbach, ich bin ein bisschen erstaunt. Wir haben unterschiedliche Blickwinkel. Ich spreche heute über die Möglichkeit des Landes Nordrhein-Westfalen, den knapp eine Million in Nordrhein-Westfalen von Lipödem betroffenen Frauen – so viele sind es im Hellfeld –, einen schnelleren Zugang zur Diagnose dieser pathologischen Fettvertei-Landtag lungsstörung zu eröffnen. Bundesweit sind – wir haben es schon gehört – vier Millionen betroffen. Studien zufolge warteten bzw. warten über 50 % dieser Frauen über zehn Jahre auf eine gesicherte Diagnose. Die CSU-Bundeswissenschaftsministerin hat vor nicht mal 14 Tagen gesagt, dass Deutschland bei Frauengesundheit ein Entwicklungsland sei. NRW könnte dabei helfen, das zu ändern, finde ich. Dass die Schmerzen dieser chronischen Erkrankung bagatellisiert werden, dass Symptome jahrelang falsch eingeordnet werden, dass sich Betroffene jahrelang für ihr vermeintliches Übergewicht, also für Adipositas, für Fettleibigkeit, rechtfertigen und gegen echte Diskriminierung kämpfen müssen, ist nicht nur medizinisch ein Desaster, sondern auch gesellschaftlich hochproblematisch. Denn die Folgen tragen in der Regel nämlich die Frauen und ihre Familien selbst. Auch Sie kennen bestimmt solche Berichte etwa darüber, dass eine junge Frau nicht mehr in der Lage ist, ihr Kind auf den Schoß zu nehmen, weil das ein zu schmerzhafter Prozess ist. Wegen solcher Schmerzen, eingeschränkter Bewegungsfähigkeit und zunehmender körperlicher Belastung können viele Betroffene nicht voll erwerbstätig sein oder bleiben, also nicht, weil sie nicht wollen, sondern weil ihr Körper es nicht zulässt. Das hat natürlich auch konkrete ökonomische und soziale Folgen: geringeres Einkommen, unterbrochene Erwerbsbiografien, weniger Rentenpunkte. Wenn wir über den Gender-Pension-Gap sprechen, dann müssen wir auch deutlich über solche chronischen Krankheitsverläufe sprechen, die insbesondere Frauen treffen. Ganz ehrlich: Von Schmerzen induzierte Lifestyle-Teilzeit wird sich wohl niemand ausdenken. Ja, die Entscheidung des G-BA im vergangenen Jahr war ein wichtiger Schritt. Dass die Liposuktion, also die operative Fettzellenentfernung, für alle drei Stadien grundsätzlich anerkannt wurde, ist richtig und war längst überfällig. Vielleicht auch aus Kostengründen sind aber die Hürden zum Zugang dieser OP nicht ausgeräumt. Die Verknüpfung der Bewilligung dieser OP mit dem BMI bleibt der falsche Weg. Deshalb war unser Ansatz im Antrag ein anderer. Wir wollen dort ansetzen, wo wir als Land eine Zuständigkeit haben, nämlich beim Studium von Medizinerinnen und Medizinern. Unser Ziel ist es, die Zeit bis zur Diagnose drastisch zu verkürzen. (Beifall von Angela Freimuth [FDP]) Je früher ein Lipödem erkannt wird, desto besser sind die Behandlungsmöglichkeiten und desto geringer sind die Folgeschäden für den Körper, fürs Erwerbsleben, für die Psyche; das leuchtet doch ein. Die schriftliche Anhörung zu diesem Antrag hat sehr eindrucksvoll gezeigt, dass wir mit diesem Ansatz richtig liegen. Die Sachverständigen haben mit großer 29.01.2026 Deutlichkeit für die betroffenen Frauen klar benannt, dass die mangelnde Sensibilisierung und das fehlende Wissen in der medizinischen Ausbildung zentrale Gründe für die langen Diagnosewege sind. Das mehrfach vorgebrachte Argument, man greife in die Hochschulfreiheit ein, greift nun wirklich nicht. Hochschulfreiheit bedeutet natürlich Freiheit in Forschung und Lehre und ist natürlich ein hohes Gut. Das Ansinnen hinter diesem Antrag ist nicht, in ein Curriculum hineinzuregieren. Unsere politische Verantwortung liegt aber auch darin, dass der Staat bei sichtbaren Defiziten nicht untätig bleiben darf. Wenn wir in NRW dieses Krankheitsbild und dessen Folgen so sehen und es entsprechend diskutiert wird, dann haben wir auch für die Veränderung eine Verantwortung. Ich würde den betroffenen Frauen gemeinsam mit den Frauen hier im Plenarsaal, auch mit allen anderen im Plenarsaal gerne helfen. Ich weiß, was gleich passieren wird – das ist ja schon angekündigt worden –, nämlich dass Sie den Antrag ablehnen werden. Ich werbe dennoch eindringlich um Ihre Zustimmung. Vielleicht kommen Sie alternativ in geraumer Zeit mit einem eigenen Antrag – aus Respekt vor den Frauen, die seit Jahren genau auf dieses Signal warten. – Vielen Dank. (Beifall von der SPD)

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