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Dr. Martin Vincentz

AfD 29.01.2026 Sitzungen 18/116

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Noch immer sind Krebserkrankungen die zweithäufigste Todesursache in der Bundesrepublik Deutschland. Krebs ist heimtückisch, weil es vor allen Dingen nicht ein einziges Erkrankungsbild ist, sondern im Prinzip ein Dachbegriff für ganz viele unterschiedliche Erkrankungen. Eine Folge von Fehlern in der Signalkaskade einer Zelle führt dazu, dass diese sich unkontrolliert teilt, bösartig weiterwächst und am Ende dann zu dem führt, was im Volksmund Krebs genannt wird. Wenn in der ärztlichen Praxis das Wort fällt, dann ist es oftmals so, dass im Prinzip die weitere Aufklärung danach – das ist wissenschaftlich gesichert – kaum mehr Sinn hat, weil bei vielen vor dem inneren Auge dann ein Film abläuft, was mit dieser Krebserkrankung verbunden sein könnte. Dabei ist mittlerweile auch dank der medizinischen Forschung erkannt, dass, ausgehend davon, welches Gewebe betroffen ist, ein ganzer Strauß an Erkrankungen dahintersteht. Besonders häufig kann sich Krebs im Oberflächengewebe bilden, aber fast in jedem Gewebe im menschlichen Körper kann sich Krebs entwickeln – nur eben mit einer unterschiedlichen Wahrscheinlichkeit. Oberflächengewebe sind besonders betroffen, beispielsweise die Darmschleimhaut, die einem besonders hohen Umsatz unterliegt. Dadurch ist die Wahrscheinlichkeit – das ist reine Wahrscheinlichkeitsrechnung –, dass dort ein Fehler auftritt, etwas höher. Andere Einflüsse, beispielsweise Rauchen, Alkoholkonsum, das Lebensalter und viele andere Dinge, auch die Genetik, spielen durchaus eine Rolle, ob jemand Krebs entwickeln kann. In seltenen Fällen – „Lottogewinner“ gibt es auch im Negativen – können auch junge Menschen davon betroffen sein. Mit dem steigenden Lebensalter zieht man aus dieser Negativ-Lostrommel immer weitere Lose. Ganz Unglückliche ziehen sie sehr früh. Das kann dazu führen, dass sehr junge Menschen sehr früh mit dieser sehr niederschmetternden Diagnose „Krebs“ konfrontiert sind. Dahinter stehen, genauso individuell wie die Patienten, ganz individuelle Schicksale. Krebs ist nicht gleich Krebs. Manche Krebsarten sind nach einer einmaligen Therapie behoben. Manche kann man chirurgisch sehr gut behe-Landtag ben, und danach ist man bis zu seinem Lebensende remissionsfrei. Andere Krebserkrankungen werden in der Fachlichkeit mittlerweile eher als chronische Erkrankungen diskutiert. Man kann in diesen Fällen nicht davon sprechen, dass jemand klassisch geheilt ist, sondern sich eine Rückkehr der Erkrankung immer wieder an eine Rückkehr der Erkrankung anschließen kann und man immer wieder darum bemüht ist, das Leid möglichst lange hinauszuzögern. Genauso wenig, wie man das vereinfachen kann, ist auch die Lösung dieses Problems der Menschen, die eine Krebserkrankung überlebt haben, nicht so zu vereinfachen, wie es in dem Antrag steht. Ich bin sehr froh darüber, dass wir ihn in den Ausschuss überweisen und dort fachlich miteinander diskutieren. Es ist aber nicht ganz so einfach, wie es in dem Antrag geschrieben wurde. Es gibt unterschiedliche Erkrankungsbilder mit ganz unterschiedlichen Ansprüchen, die hinter diesem großen Dachbegriff „Krebs“ stehen. Natürlich hat jemand, der den Krebs besiegt hat, das Recht darauf, ganz normal behandelt zu werden; absolut. Dagegen steht allerdings – das hat der Kollege von der CDU sehr gut ausgeführt – das Interesse beispielsweise von Versicherern, die ein höheres Risiko eingehen, wenn es sich um Krebsentitäten handelt, die heimtückischer als andere sind. Daher ist es eine sehr diffizile und auch emotional sehr aufgeladene Abwägung, die man gesellschaftlich miteinander tragen muss. Ich bin froh, dass wir darüber in die Diskussion gehen. Wir werden höchstwahrscheinlich eine Anhörung dazu durchführen. Nachbesserungsbedarf gibt es sicherlich an vielen Stellen, an denen man gemäß dem aktuellen medizinischen Stand der Technik nachbessern und neue, auf die einzelnen Krebserkrankungen zugeschnittene Standards dafür schaffen muss, wann jemand tatsächlich als geheilt gilt. Auch das ist der Lauf der Dinge: Schon übermorgen kann sich wieder eine ganz andere Situation darstellen. Viele von Ihnen haben vielleicht mitbekommen: Eine Studie zu Pankreaskarzinomen lässt aufhorchen. Zumindest in ersten Vorstudien scheint es so zu sein, dass dieser wirklich sehr heimtückische Krebs, der in den letzten Jahren eine ganze Reihe von sehr bekannten Persönlichkeiten befallen hat, vielleicht zu einer dieser Erkrankungen wird, die man demnächst überleben kann. Vielleicht sprechen wir demnächst also davon, dass davon betroffene Menschen nicht diskriminiert werden dürfen. – Vielen Dank. (Beifall von der AfD)

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