Franziska Müller-Rech
Vielen Dank. – Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte mich zuerst bei meinen Vorrednerinnen für die wertvollen Beiträge zu diesem wirklich sehr wichtigen, aufbringenden und auftreibenden Thema bedanken. Ich möchte noch eine weitere Perspektive einbringen, und zwar die der ganz konkreten Hilfe für die betroffenen Frauen. Ich möchte Ihnen nämlich von dem plastischen Chirurgen Dr. Dan mon O’Dey erzählen. Die WELT hat ihn 2023 als weltweit einzigen Chirurgen bezeichnet, der den Genitalbereich beschnittener Frauen vollständig naturgetreu und empfindungsfähig wiederherstellt. Hunderten Betroffenen hat er damit schon geholfen. Lange hat er in Aachen hier bei uns in NRW praktiziert. Im letzten Jahr hat er für sein Engagement völlig zu Recht das Bundesverdienstkreuz erhalten. Weibliche Genitalverstümmelungen gehören zu den extremsten und widerlichsten Menschenrechtsverletzungen. Sie traumatisieren die Betroffenen, sie führen zu unvorstellbaren Leidensgeschichten. Geburts- und Regelschmerzen werden zum Beispiel ausgeprägter, Geschlechtsverkehr kann nicht mehr ohne Schmerzen ausgeübt werden, und selbst das Urinieren ist mit Schmerzen verbunden. Die Anfälligkeit für Infektionen steigt. All das greift auch das Selbstbewusstsein und das seelische Wohlbefinden der betroffenen Frauen massiv an. Wie viele Frauen in Nordrhein-Westfalen von Genitalverstümmelungen betroffen sind, lässt sich nur schätzen; es werden deutlich über 20.000 sein. Die meisten davon sind Migrantinnen, die bereits beschnitten nach Deutschland kommen. Tausende Mädchen und junge Frauen sind aber auch hier bedroht, weil die grausamen Verstümmelungen weiterhin als Tradition verbrämt werden. Der Eingriff wird, wie Sie schon dargestellt haben, liebe Kolleginnen, während eines Urlaubs im Herkunftsland durchgeführt. Die Dunkelziffer wird in beiden Aspekten wesentlich höher sein. Betroffene Frauen brauchen Unterstützung, da sie oftmals auch mit ihren Familien brechen müssen, wenn sie sich gegen Genitalverstümmelungen stellen. Vereine wie stop-mutilation Deutschland aus Düsseldorf fangen diese Frauen auf. In unserem 29.01.2026 Bundesland ist man zum Glück seit Längerem sehr aufmerksam bei diesem Thema. Seit 2007 gibt es auch den runden Tisch gegen Mädchenbeschneidung. Mit YUNA gibt es ein landesweites Projekt zur Prävention von weiblicher Genitalbeschneidung mit jeweils einem Standort im Rheinland und in Westfalen-Lippe. Um wirksam gegen Genitalverstümmelungen vorzugehen, braucht man ein ganzes Maßnahmenbündel. Prävention ist der erste Schritt; da können und müssen wir tatsächlich noch besser werden. So kann bei den schon bestehenden Vorsorgeuntersuchungen von Kindern und Schwangeren die Problematik thematisiert werden. Im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge können mit Einverständnis der betroffenen Frau Gespräche mit Kultur- oder Sprachmittlern geplant und der Ehemann oder weitere Familienmitglieder einbezogen werden. Neben der Prävention muss aber auch die alltägliche Versorgung der Betroffenen verbessert werden. Ärztliches und medizinisches Personal müssen dafür auch besser sensibilisiert werden. Nur die Wenigsten in Deutschland werden schon Lokalbefunde nach einem Beschneidungstrauma mit eigenen Augen gesehen haben. Wenn Helferinnen und Helfer dann erschrocken oder hilflos reagieren, dann kann das die Betroffenen erneut traumatisieren oder stigmatisieren. Bei der Hilfe von Betroffenen müssen wir auch die chirurgische Versorgung thematisieren. Nicht jede Operation ist nämlich eine naturgetreue Rekonstruktion. Die Spannbreite bei den Operationsmethoden ist sehr groß. Die Methode, die Dr. Dan mon O’Dey entwickelt hat, dauert um die fünf Stunden. Wer sie anwendet, muss diese Technik über Monate erlernen. Es gibt aber auch andere Methoden, bei denen die Operationen nur 20 Minuten dauern und die sich innerhalb von Wochen erlernen lassen. Ich finde, wer ein solch unbeschreibliches Leid erfahren hat, der sollte die beste Behandlungsmethode erhalten. (Beifall von der FDP, der CDU, der SPD und den GRÜNEN) Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir begrüßen es, dass mit dem Antrag die Bekämpfung der weiblichen Genitalverstümmelung weiter ausgebaut werden soll. Einen kleinen Kritikpunkt muss ich dennoch anbringen: Auch dieser Antrag bleibt nicht ohne die bekannte und übliche Formel „im Rahmen vorhandener Mittel einschließlich des bestehenden Personals“. Ob das wirklich so umzusetzen ist, wird sich in der Praxis zeigen müssen. Bei reinen Absichtserklärungen sollten wir jedenfalls nicht verharren, sondern tatsächlich die Hilfe für die Betroffenen deutlich ausweiten. Wir tragen den Antrag jedenfalls sehr gerne mit. – Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. (Beifall von der FDP, der CDU, der SPD und den GRÜNEN) Landtag
