Franziska Müller-Rech
Vielen Dank. – Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Dass Nordrhein-Westfalen einen massiven Lehrkräftemangel hat, ist keine neue Erkenntnis, sondern die tägliche Realität an unseren Schulen. Und was macht die Landesregierung? Sie will ein Lehrerausbildungssystem verändern, das längst nicht mehr funktioniert, und das leider nicht mit Mut, sondern mit kosmetischen Korrekturen. Mehr Praxis? Na ja, nicht wirklich. Neue Studieninhalte? Fehlanzeige. Mut zur echten Reform? Leider nein; leider gar nicht. Dieser Gesetzentwurf ist ein kleiner Schritt. Ja, vieles darin ist richtig, aber er ist kein Aufbruch, und genau den bräuchten wir. (Beifall von der FDP – Zuruf von Dr. Jan Hei- nisch [CDU]) Ich möchte auf drei Punkte eingehen, die mir besonders wichtig sind. Das sind zum einen die Praxisanteile im Studium. Die Landesregierung setzt nun darauf, Praktika zu verlängern. Das ist gut gemeint, aber viel zu wenig und viel zu kurz gedacht. Denn einzelne Praktika reichen nicht aus, um auf den Lehrerberuf vorzubereiten. Praxis darf kein Anhängsel sein, sondern muss ein integrierter Bestandteil des Studiums werden. Unser Ansatz ist deshalb klar: Wir wollen einen kontinuierlich steigenden Praxisanteil über alle Semester hinweg mit systematischen Praxisformaten: Hospi-28.01.2026 tation, Co-Teaching, eigenständiger Unterricht. Das Ziel muss sein, dass Studierende schrittweise in den Beruf hineinwachsen, dass sie Verantwortung lernen, und zwar begleitet und reflektiert. Dieses Hineinwachsen findet nicht im Hörsaal statt, sondern durch echte Erfahrungen im Klassenzimmer in einem echten, praxisintegrierten Studium nach finnischem Vorbild. Das ist unsere Forderung. (Beifall von der FDP) Ein weiterer Punkt, der im Gesetzentwurf viel zu kurz kommt, ist die Rolle der Ausbildungsschulen und des Mentorings. Die Landesregierung verschenkt enormes Potenzial. Wir brauchen starke Ausbildungsschulen, die gezielt auf diese Aufgabe vorbereitet sind – übrigens ebenfalls nach finnischem Vorbild. Die Zentren für schulpraktische Lehrerausbildung müssen als zentrale Ausbildungsakteure deutlich gestärkt werden, denn wer Qualität will, muss die Zentren zum Herz der Ausbildung machen und nicht zur Nebenstelle. Als letzten Punkt will ich heute die Vergütung hervorheben. Die Landesregierung ignoriert einen zentralen Aspekt des Lehramtsstudiums völlig: Ein Lehramtsstudium muss man sich erst einmal leisten können. Aktuell ist das Lehramtsstudium nicht nur unattraktiv, sondern für manche schlicht nicht machbar. Viele Studierende sind auf Nebenjobs angewiesen. Ich möchte Ihnen von einem Gespräch erzählen. Mir hat ein Lehramtsstudent erzählt, dass er erst einmal für das Praxissemester sparen muss. Er hat sich sein Studium durch einen Nebenjob finanziert, den er aufgeben muss, bevor er ins Praxissemester gehen kann, weil er dann ja keine Zeit mehr dafür haben wird. Er musste also wirklich eine Zwangspause machen, um fürs Praxissemester überhaupt Geld zu haben. Liebe Kolleginnen und Kollegen, das ist doch kein Zustand, und das können wir doch nicht länger dulden! (Beifall von der FDP und Kirsten Stich [SPD]) Es ist ja nicht so, als würden die Lehramtsstudierenden in den Schulen einfach nur rumstehen, nichts machen und eigentlich nur allen Leuten zur Last fallen. Ganz im Gegenteil: Die packen mit an, helfen mit und sind für viele Schulen – das ist die Rückmeldung, die wir hören – eine echte Unterstützung. Deswegen fänden wir es nur fair, wenn wir es schaffen würden, dass diese Praxisphasen im Lehramtsstudium endlich vergütet werden. Das wäre übrigens auch echte Bildungsgerechtigkeit in der Hochschulbildung. Dieser Gesetzentwurf ist ein Manifest verpasster Chancen. Man hätte wirklich mutig reformieren können, hätte akute Probleme wirksam angehen können. Es fehlt aber der Wille zur echten Systemreform, und wo der Wille fehlt, ist auch kein Weg. Wir werden das im Ausschuss gerne weiter diskutieren und hoffentlich noch zu Änderungen kommen. Landtag Ich freue mich auf jeden Fall auf die Debatte. – Herzlichen Dank. (Beifall von der FDP und Kirsten Stich [SPD])
