Martin Sträßer
Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Kolleginnen und Kollegen! Zum wiederholten Male debattieren wir heute über einen AfD-Antrag zur – Zitat – „Deutschförderung“. Ich versuche einmal, mehrsprachig zu antworten: Das lateinische Sprichwort „Repetitio est mater studiorum“ lehrt uns eigentlich, dass Wiederholung die Mutter des Lernens sei. Bei diesem Antrag und nach der Rede meines Vorredners steht aber wohl fest, dass die ständige Wiederholung hier leider nicht zu neuen oder besseren Erkenntnissen führt. Das war wieder nur eine Wiederholung ohne Substanz. (Zuruf von Dr. Christian Blex [AfD]) Es bleibt unstrittig: Das Beherrschen der deutschen Sprache ist für Kinder der entscheidende Schlüssel für erfolgreiche Bildung. Deshalb ist frühe Sprachförderung so wichtig. Das Beherrschen der deutschen Sprache führt zu mehr Bildungsgerechtigkeit. Es ist eine wichtige Voraussetzung für echte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und damit auch für gelingende Integration. Genau deshalb stärken wir die frühkindliche Sprachförderung. Mit dem Schulkompass NRW 2030 und jetzt auch mit den ABC-Klassen gehen wir wichtige Schritte, um durch gezielte Sprachförderung die Deutschkenntnisse von Kindern frühzeitig und nachhaltig zu stärken. Wir wollen, dass alle Kinder gut vorbereitet in die Schule starten können, um den schulischen und gesellschaftlichen Herausforderungen gewachsen zu sein. Mit den ABC-Klassen im Jahr vor der Einschulung schaffen wir bessere Startchancen von Anfang an und leisten einen wichtigen Beitrag zu mehr Chancengerechtigkeit. Wir verfolgen bewusst einen präventiven Ansatz, denn unser Ziel ist klar: Kinder sollen dem Regelunterricht in deutscher Sprache vom ersten Schultag an erfolgreich folgen können. Dabei ist mir wichtig, zu betonen: Die ABC-Klassen sind eine zusätzliche Sprachförderung, die bei den Schulen angesiedelt ist. Sie sind aber weder Konkurrenz noch Ersatz der wertvollen Sprachförderung, die bereits in den Kitas geleistet wird. Es geht nicht um ein Entweder-oder, sondern um ein Sowohl-alsauch. Es geht bei den ABC-Klassen zudem nicht ausschließlich um Sprachförderung. ABC-Klassen sind keine klassischen Sprachkurse. Im Gegenteil sollen die Kinder als individuelle Persönlichkeiten wahrgenommen werden. Hier wird zusätzliche Förderung möglich sein, wo sie notwendig ist. 28.01.2026 ABC-Klassen bieten so auch Chancen über die Sprachförderung hinaus. Kinder können früher als gewöhnlich einen Bezug zur Schule aufbauen – in vielen Fällen vielleicht sogar konkret zu ihrer zukünftigen Schule und ihren zukünftigen Lehrkräften, die sie betreuen. Pädagogisch legen wir Wert auf qualifizierte und multiprofessionelle Teams. Die Basisqualifizierung für Deutsch als Zweitsprache wird gezielt für multiprofessionelle Teams und sozialpädagogische Fachkräfte geöffnet. Sprachförderung ruht damit auf mehreren Schultern, fachlich fundiert und praxisnah. Finanziell stehen wir zum Konnexitätsprinzip. Das Land übernimmt die entstehenden Mehrkosten. Auch das ist gelebte Verlässlichkeit. Ganz wichtig ist uns, dass diese ABC-Klassen nicht im Hauruck-Verfahren eingeführt werden. Hier geht es um ein komplexes Verfahren mit vielen Beteiligten, für das unbestritten zusätzliche Ressourcen notwendig werden. Deshalb geht Gründlichkeit vor Schnelligkeit. Wir brauchen ausreichend Zeit für eine sorgfältige und verantwortungsvolle Umsetzung, und dabei werden wir weiterhin alle Beteiligten einbeziehen: Kitas, Schulen, Kommunen. Der Rahmen dafür ist gesteckt. Mein Fazit lautet: Wir wollen Kinder ohne ausreichende Sprachkenntnisse nicht ausgrenzen, sondern sie durch frühzeitige Sprachförderung integrieren. Die ABC-Klassen sind dafür ein wichtiger nächster Baustein. Wir wissen: Sprache öffnet Türen. Wir tragen mit unserer Politik dazu bei, dass jedes Kind diese Tür aufstoßen kann. Wir lehnen den Antrag ab. – Vielen Dank. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN)
