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Christin Siebel

SPD 28.01.2026 Sitzungen 18/115

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Jugendliche stehen heute früher als viele von uns damals vor großen Entscheidungen. Mit 17 oder 18 Jahren soll plötzlich klar sein, wie das Leben weitergeht: Ausbildung oder Studium? Direkt arbeiten oder doch noch warten? Sicherheit oder Risiko? Das alles sollen sie in einer Phase entscheiden, in der vieles möglich ist und gleichzeitig alles wackelt. Diese Zeit ist eine absolute Orientierungsphase. Eigentlich wäre jetzt Raum zum Ausprobieren, zum Lernen, zum Scheitern, aber auch zum Wachsen nötig. Freiwilligendienste können genau das sein: ein geschützter Raum zwischen Schule und dem, was danach folgt; ein Ort, an dem junge Menschen Verantwortung übernehmen und gleichzeitig herausfinden können, wer sie sind und was sie sein wollen. Aber die Realität sieht anders aus. Ich treffe Jugendliche, die sich in der Schule, in einem Jugendverband oder in einem Sportverein engagieren wollen. Doch das scheitert an 300 Euro Miete oder einem Ticket; an der Frage, wie das Leben bezahlt werden soll. (Beifall von der SPD) Das sind keine Ausnahmen, sondern das ist der Alltag. Genau deshalb ist Freiwilligkeit heute oft eine Klassenfrage. Für viele Jugendliche ist ein Freiwilli-Landtag gendienst ein Luxus. Wer es sich leisten kann, macht ihn. Wer es sich nicht leisten kann, lässt es bleiben. Für viele ist ein Freiwilligendienst nicht einmal ein Thema, weil sie schlicht nie davon erfahren. Informationen sind zur sozialen Frage geworden. Gerade in Nordrhein-Westfalen wissen wir, wie ungleich Startchancen verteilt sind. Hier wachsen viele Jugendliche in Familien auf, in denen kein finanzielles Polster existiert. Wenn wir Freiwilligendienste nicht absichern, dann schließen wir genau diese Jugendlichen aus und verlieren die, die wir am dringendsten brauchen. Das dürfen wir nicht akzeptieren, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall von der SPD) Dagmar Hanses hat es gerade schon gesagt: Ein Taschengeld reicht nicht, wenn die Miete gezahlt werden muss. Auch – das muss ich ergänzen – eine Ehrenamtskarte reicht nicht aus, auch wenn es natürlich gut ist, sie zu erweitern. Ein Platz reicht nicht, wenn das Leben daneben unbezahlbar ist, und ein Prüfauftrag reicht auch nicht, wenn Jugendliche jetzt Entscheidungen treffen müssen, die ihr ganzes Leben prägen. Der Antrag, über den wir heute sprechen, erkennt die Bedeutung von Freiwilligendiensten an. Er will informieren, er will prüfen, er will verbessern; das ist richtig. Aber wir sagen auch ganz klar: Das reicht nicht. (Beifall von der SPD) Denn prüfen heißt warten, und warten heißt häufig auch verlieren. Eine Generation, die bereit ist, Verantwortung zu übernehmen, wartet nicht auf Prüfaufträge; sie braucht Entscheidungen – jetzt. Jugendliche brauchen keine Prüfaufträge. Sie brauchen Sicherheit, sie brauchen Verlässlichkeit, sie brauchen das klare Signal: „Dein Engagement zählt und ist uns etwas wert.“ Ein Rechtsanspruch auf einen Freiwilligendienst würde genau das leisten. Er würde garantieren, dass jede junge Person, die sich engagieren will, auch einen Platz bekommt – ohne Wartelisten, ohne Zufall und vor allen Dingen auch ohne Glück. Ein auskömmliches Freiwilligengeld würde endlich dafür sorgen, dass Engagement nicht vom Elternhaus abhängt. Dann ist ein Freiwilligendienst keine Frage von Privilegien mehr, sondern eine echte Chance für alle. Wenn wir junge Menschen ernst nehmen, dann müssen wir ihnen mehr ermöglichen. Wir können nicht Engagement fordern und gleichzeitig Hürden aufbauen. Das passt nicht zusammen. Wir stimmen dem Antrag zu, aber wir fordern mehr: einen verbindlichen Rechtsanspruch, eine echte finanzielle Absicherung und Freiwilligendienste, die allen Jugendlichen offenstehen, nicht nur denen mit dem entsprechenden Rückhalt, sondern allen. Denn 28.01.2026 Engagement entsteht nicht durch schöne Worte, es entsteht durch echte Möglichkeiten. – Vielen Dank. (Beifall von der SPD)

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