Susanne Schneider
Fangen wir noch einmal an: Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kollegen und Kolleginnen! Wenn eine Frau ihr Kind erwartet, wenn aus Paaren Eltern werden, dann beschäftigen sie sich mit unglaublich vielen Dingen. Sie überlegen: Schaffen wir das alles? Was kommt da auf uns zu? Was müssen wir anschaffen? Bekommen wir einen Kita-Platz – erst recht hier in NRW? – Und vor allem: 28.11.2025 Wer hilft mir vor, während und nach der Geburt? – Einfach gesagt: Wo finde ich eine Hebamme? Diese Frage ist inzwischen gar nicht mehr so einfach zu beantworten. Der Hebammenberuf ist nämlich mächtig unter Druck geraten. Fast jede zweite Hebamme denkt ans Aufhören bzw. über einen Berufswechsel nach. 60 % der Hebammen sehen die Zukunft ihres Berufs negativ. Das ist eine massive Gefahr für die geburtshilfliche Versorgung in unserem Land, und das dürfen wir so nicht hinnehmen. (Beifall von der FDP) Die schlechte Stimmung der Hebammen kommt nicht von ungefähr. Die Rahmenbedingungen werden für sie immer herausfordernder. Da waren die neuen Vergütungsregelungen alles andere als hilfreich. Statt der erhofften Entlastung bedeuten sie für viele Beleghebammen Einkommenseinbußen von 25 bis 30 %. Für eine Berufsgruppe, die ohnehin unter schwierigen Bedingungen arbeitet, ist das schlicht untragbar. Besonders betroffen sind 18 Krankenhäuser in Nordrhein-Westfalen, die ihre Geburtshilfe ausschließlich über Beleghebammen organisieren, darunter auch Häuser der Maximalversorgung. Hier können wir nicht einfach abwarten, was passiert. Wenn Beleghebammen sich zurückziehen, dann bricht uns die Versorgung weg, und das kann kein vernünftiger Mensch wollen. (Beifall von der FDP und der SPD) Wenn Beleghebammen aus wirtschaftlichen Gründen aus dem System gedrängt werden, bleibt ihre Arbeit ja nicht einfach liegen, sie muss dann von verbleibenden Hebammen aufgefangen werden. Das führt zwangsläufig zu einer weiteren Verschlechterung der Arbeitsbedingungen. Die Versorgung leidet zusätzlich darunter, dass seit 2007 in Nordrhein-Westfalen rund 60 Kreißsäle geschlossen wurden. Schon heute haben wir in vielen ländlichen Räumen erhebliche Versorgungsengpässe. Überbordende Bürokratie macht den Hebammen das Leben zusätzlich schwer. Dabei ist doch eines klar: Je mehr Zeit Hebammen mit Dokumentation und Bürokratie verbringen müssen, desto weniger Zeit bleibt ihnen für das eigentlich Wunderschöne; für die Babys, für deren Mütter und für die Familien. Ein System, das Fachkräfte durch bürokratische Vorgaben in ihrer eigentlichen Arbeit hindert, belastet nicht nur die Beschäftigten, sondern gefährdet am Ende auch die Versorgung. Die Landesregierung hat zwar einige Studien zu Themen rund um die Geburt auf den Weg gebracht, aber ein umfassendes Konzept zur geburtshilflichen Versorgung fehlt. Dies muss die Landesregierung nun Landtag dringend angehen und konkrete Handlungsvorschläge zur Versorgung unterbreiten. Im Rahmen der Gesundheitsberichterstattung des Landes muss regelmäßig auch über die Entwicklung in der geburtshilflichen Versorgung und die Situation freiberuflicher Hebammen berichtet werden. (Beifall von der FDP) Weitere Maßnahmen sind aus unserer Sicht eine Initiative zum Abbau der Bürokratie in der geburtshilflichen Versorgung, ein Beratungsangebot auf Landesebene für freiberuflich tätige Hebammen sowie ein klares politisches Signal an den Bund, dass die Belastungen infolge des neuen Vergütungsvertrages reduziert werden müssen. Der Landesgesundheitsminister darf es sich hier nicht nur in einer Zuschauerrolle gemütlich machen. Im Gegenteil: Ich erwarte vom Gesundheitsminister des größten Bundeslandes, dass er seinen Einfluss in Berlin geltend macht und versucht, für die Hebammen bessere Bedingungen zu erreichen. (Beifall von der FDP und der SPD) Herr Präsident, werte Damen und Herren, machen wir den Hebammenberuf wieder attraktiver. Nur so garantieren wir eine sichere, selbstbestimmte und wohnortnahe geburtshilfliche Versorgung. – Ich danke Ihnen. (Beifall von der FDP und der SPD)
