Christian Loose
Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Die Shoah, der Holocaust ist das dunkelste Kapitel unserer deutschen Geschichte: Millionen ermordete Menschen; Namen, Familien, Stimmen ausgelöscht. Wenn wir daran erinnern, erinnern wir nicht an abstrakte Geschichte, sondern an menschliche Tragödien, an Leid, das niemals hätte geschehen dürfen. 27.11.2025 Erinnerung ist notwendig. Sie ist schmerzhaft, und sie soll schmerzhaft sein. Unsere Erinnerung ist auch ein Zeichen des Respekts und der Verantwortung. Wir haben das Glück, dass nach diesem unfassbaren Verbrechen trotzdem eine Versöhnung zwischen Israel und Deutschland möglich wurde, eine Versöhnung, die nicht selbstverständlich ist, aber eine der großen moralischen Leistungen der Nachkriegszeit darstellt. Wir reden heute über das Erinnerungszentrum Yad Vashem und dürfen dabei nicht beim Erinnern stehen bleiben. Wir müssen vielmehr auch lernen und schützen. Wir müssen klar sagen: Wir stehen an der Seite Israels und aller Juden in Deutschland. Wir stehen an ihrer Seite im Kampf gegen deutschen Antisemitismus. Wir stehen an ihrer Seite im Kampf gegen den eingewanderten Antisemitismus, der heute eine der größten Bedrohungen für jüdisches Leben in Deutschland ist. Antisemitismus hat keinen Platz in unserem Land – nicht der alte, nicht der neue, nicht der islamistische, nicht der akademische. Es darf niemals wieder geschehen, dass sich Juden in Deutschland verstecken müssen. Doch leider sehen wir Entwicklungen, die uns Sorge bereiten müssen. Auf der Kulturveranstaltung der documenta unter den Augen und mit Fördergeldern einer grünen Kulturministerin fanden sich antisemitische Bilder. Auf europäischen Messen werden israelische Aussteller hinter schwarzen Wänden versteckt. Deutsche Politiker spielen die Gefahr von radikalen arabischen Gruppen herunter – aus Angst, sonst als islamophob bezeichnet zu werden. Vor zwei Wochen sprach in unserer Israel-Parlamentariergruppe ein Vertreter aus Abu Dhabi, Herr Alshareef. Er zeigte sich schockiert darüber, dass Deutschland radikale Araber einwandern lässt, die offen ihren Hass gegen Israel verbreiten. Er fragte uns mit ehrlicher Verwunderung, warum Deutschland keine Hintergrundüberprüfungen vornehme. Er fragte, wie wir ausgerechnet diesen Menschen den deutschen Pass geben könnten. Beschämend war die Situation nach dem Massaker vom 7. Oktober 2023. In vielen Städten fanden israelfeindliche Demonstrationen statt, auch hier in NRW. Doch fast alle Parteien schwiegen und schauten zu. Nur eine Partei hat immer wieder klar gesagt, dass solche Demonstrationen in Deutschland keinen Platz haben dürfen: die Alternative für Deutschland. (Elisabeth Müller-Witt [SPD]: Boah!) Auch Holocaustverharmlosung darf keinen Platz in Deutschland haben. Doch immer wieder müssen wir dies erleben – zuletzt ausgerechnet auf einer Gedenkveranstaltung zur Reichspogromnacht in Bochum. Dort beschimpfte der Bundestagsabgeordnete Herr Yüksel AfD-Vertreter, die dort eine Gedenkkerze Landtag aufstellen wollten. Er bezeichnete die vier AfD-Vertreter als – Zitat – „Nachkommen der Nazis“. (Beifall von der SPD – Rodion Bakum [SPD]: Korrekt! Absolut richtig!) – Sie wiederholen diese Worte auch noch (Rodion Bakum [SPD]: Sie sind der geistige Nachfahre!) und bestätigen damit, dass Sie politische Gegner mit den Tätern des Holocaust gleichsetzen. (Rodion Bakum [SPD]: Sie reden ja so wie die!) Sie verharmlosen damit dieses abscheuliche Verbrechen. Sie missbrauchen das Andenken an die Opfer für parteipolitische Zwecke. (Rodion Bakum [SPD]: Das tun Sie jeden Tag!) Schämen, schämen Sie sich hier! (Beifall von der AfD) Genau deshalb brauchen wir ein Yad Vashem Education Center in Nordrhein-Westfalen, auch für Sie, nicht nur als Denkmal, sondern als Mahnung zur Wahrheit, auch als Mahnung gegenüber Menschen wie Hendrik Wüst, Karl-Josef Laumann oder Serdar Yüksel, (Tülay Durdu [SPD]: Oder Alice Weidel!) die allzu leichtfertig mit Nazivergleichen arbeiten. (Zuruf von Dagmar Hanses [GRÜNE]) Vielleicht würde ein solches Zentrum Ihnen vor Augen führen, welches Leid einst von Deutschen ausgegangen ist und wie verantwortungslos es ist, die Geschichte politisch zu instrumentalisieren. (Lisa-Kristin Kapteinat [SPD]: Sie sollten sich schämen!) Ich möchte aber mit etwas Positivem schließen. Israel hat nach dem Holocaust etwas geschaffen, das man fast ein Wunder nennen darf. Es hat ein blühendes Land aufgebaut, obwohl es sich in verschiedenen Kriegen immer wieder gegen radikale Angriffe verteidigen musste. Israel ist zum wichtigsten Zentrum für Wissenschaft, Medizin, IT und Sicherheit im Nahen Osten geworden. Dazu gebe ich ein aktuelles Beispiel. Israelische Forscher haben es geschafft, mit modernsten 3D-Druckern in einem Biolabor aus einer einzigen gespendeten Hornhaut 300 Stück herzustellen, und können hunderten Menschen das Augenlicht retten. Das ist Technologie, das ist Hoffnung. Wir stimmen diesem Antrag heute zu, aus Respekt vor den Opfern, aus Verantwortung für die Gegenwart und aus Treue zu einem Freund: Israel. – Vielen Dank. (Beifall von der AfD) 27.11.2025
