Dorothee Feller
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Wir bereiten die Schülerinnen und Schüler an unseren Schulen auf die Welt von morgen und übermorgen vor. Aus dieser Welt ist die Digitalisierung längst nicht mehr wegzudenken. Denn schon heute ist die digitale Welt im Leben der Menschen und insbesondere unserer Kinder und Jugendlichen allgegenwärtig. Sie prägt alle Lebensbereiche und damit auch und insbesondere unsere Schulen. Der vorliegende Antrag verkennt aber genau das: den intensiven gesellschaftlichen Transformationsprozess durch die Digitalisierung, den wir insbesondere im Bereich der Künstlichen Intelligenz erleben. Dieser Transformationsprozess wartet nicht auf uns. Im Gegenteil: Er erfordert es, dass wir ihn bei aller Notwendigkeit für bedachtes Vorgehen zugleich in seiner rasanten Geschwindigkeit ernst nehmen. Das bedeutet gerade nicht, dass wir der Digitalisierung hinterherlaufen, indem wir sie nur zum Selbstzweck betreiben. Wir müssen sie vielmehr aktiv mitgestalten. (Sven Werner Tritschler [AfD]: Ach! Erstaunli- che Erkenntnis!) Dafür bedarf es einer guten technischen Ausstattung unserer Schulen. Vor diesem Hintergrund ist es befremdlich, dass Sie sich mit dem Antrag am vermeintlichen Selbstzweck einer fehlenden pädagogischen Fundierung der digitalen Ausstattung abarbeiten, die unseren Schulen im Zuge des EU-Programms REACT-EU zur Verfügung gestellt wurde. Schon die Pandemie selbst hat den Mehrwert einer flächendeckenden Ausstattung der Schulen mit digitalen Endgeräten ausdrücklich bewiesen. (Zuruf von Dr. Christian Blex [AfD]) 26.11.2025 Denn ohne diese Geräte hätten unzählige Schülerinnen und Schüler in Nordrhein-Westfalen und bundesweit nicht beschult werden können. Zugleich hat die Pandemie deutlich gemacht, dass die Ausstattung mit technischen Geräten allein nicht ausreicht. Sie bildet vielmehr lediglich die Grundlage dafür, Schülerinnen und Schüler anwendungsbezogen diejenigen Kompetenzen zu vermitteln, die sie in einer digitalisierten und zunehmend von Künstlicher Intelligenz geprägten Welt benötigen. Dabei stehen wir und insbesondere unsere Schulen vor einer großen Herausforderung, denn die Entwicklungen auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz erfordern einerseits, schnell auf neu entstehende Entwicklungen zu reagieren, sich aber andererseits die Zeit zu nehmen, um unsere Schulen zukunftsfähig aufzustellen, damit sie nicht binnen kürzester Zeit von neuen Entwicklungen überholt werden. Als Landesregierung haben wir auf beide Anforderungen reagiert. So haben wir binnen weniger Wochen nach der Einführung der ersten Version von ChatGPT einen Handlungsleitfaden für einen kritisch-konstruktiven Umgang mit textgenerierender KI erarbeitet, mit dem wir den Schulen die nötigen Antworten auf die komplexen Fragen an die Hand geben. Entsprechend dem Handlungsleitfaden nutzen viele Schulen bereits heute Künstliche Intelligenz im Unterricht. Das ist von uns ausdrücklich gewünscht und auch erlaubt. (Beifall von der CDU und Tim Achtermeyer [GRÜNE]) Indem sie auf der Grundlage des Handlungsleitfadens eigene KI-Anwendungen entwickeln und anwenden, zeigen sie: Digitalisierung ist in unseren Schulen angekommen – von wenigen Ausnahmen abgesehen. Darüber hinaus stellen wir als Landesregierung sicher, dass der Einsatz von Künstlicher Intelligenz flächendeckend auch in lernförderlicher Weise erfolgt. Vor diesem Hintergrund habe ich bereits im letzten Plenum unsere Maßnahmen im Bereich der Künstlichen Intelligenz vorgestellt. Ich will hier gerne einige Aspekte wiederholen. Zurzeit läuft unsere Initiative „KI-Skilling.NRW“ an allen Schulen in Nordrhein-Westfalen, in deren Rahmen wir Lehrkräften im Bereich „KI“ Sicherheit geben, sie informieren und fortbilden. Die ländergemeinsame und für den Bildungskontext optimierte KI-Chatbot-Anwendung „telli“, die ab Dezember sukzessive an unseren Schulen zum Einsatz kommen wird, startet jetzt. Das KI-Forschungsprogramm KIMADU ist kein Projekt, sondern ein Forschungsvorhaben, von dem alle Schulen in Nordrhein-Westfalen profitieren werden. Landtag Wir haben eine KI-Kommission bei QUA-LiS NRW, welche die Erkenntnisse aus dem KIMADU-Forschungsvorhaben auf alle Schulen übertragen wird. Es gibt eine Homepage „Lehren und Lernen in der digitalen Welt“, auf der weitere Nutzungsmöglichkeiten zum Thema „KI im Unterricht“ aufgezeigt werden. Mit dem Onlineinformationsangebot „KiN – Kompetent im Netz“ werden sowohl Lehrkräfte als auch Eltern über den Einsatz von Künstlicher Intelligenz an Schulen informiert. Es gibt weitere niederschwellige Fortbildungsangebote wie zum Beispiel „Grundlagen von Künstlicher Intelligenz: KI in Unterricht und Schule“ oder auch die Zusatzqualifikation „KI in der beruflichen Bildung“. Mit diesen und vielen weiteren Maßnahmen werden wir einerseits unsere Lehrkräfte qualifizieren und andererseits unsere Schülerinnen und Schüler dazu befähigen, sich in der zunehmend digitalisierten Welt orientieren und leben zu können. Es braucht – das steht außer Frage – eine entsprechende Ausstattung der Schulen, um einen solchen digitalgestützten Unterricht umsetzen zu können. Daher hat das Land in den vergangenen Jahren mit zahlreichen Förderprogrammen und Maßnahmen unterstützt und den Schulträgern erhebliche Mittel zur Verfügung gestellt. Allein mit dem Digitalpakt Schule konnte die digitale Ausstattung in den Schulen und in den Klassenräumen weiter ausgebaut und verbessert werden, wie der Zwischenbericht zur Evaluation des Digitalpakts Schule zeigt. Darüber hinaus konnten in Nordrhein-Westfalen mit den weiteren Zusatzvereinbarungen zum Digitalpakt Schule sowie mit der Ausstattungsoffensive NRW und REACT-EU in den vergangenen Jahren mehr als 750.000 Schüler und Schüler und fast alle Lehrkräfte mit digitalen Endgeräten ausgestattet werden. Im Übrigen ist Nordrhein-Westfalen das einzige Bundesland, das EU-Mittel für die Ausstattung von Schulen eingesetzt hat, nämlich aus dem Programm REACT-EU. Auch mit dem Digitalpakt 2.0 wird das Land die Schulträger weiterhin bei der digitalen Ausstattung der Schulen unterstützen. Die Verhandlungen dazu befinden sich in der finalen Phase. Im Rahmen dieser Verhandlungen setzen wir als Landesregierung uns für eine weitergehende Finanzierungsmöglichkeit der schulischen IT-Infrastruktur ein. Bei aller Digitalisierung gilt: Technische Geräte sollen erprobte, nicht digitale Lehr- und Lernmethoden keineswegs ersetzen, sondern sie ergänzen. Wichtig für den kompetenten Umgang mit unseren Zukunftstechnologien ist daher, dass die jungen Menschen allem voran die Basiskompetenzen Lesen, Schreiben, Rechnen, Zuhören und die sozial-emotionalen Kompetenzen erlernen. Hierauf setzen wir bereits seit 26.11.2025 Beginn der Legislaturperiode einen deutlichen Fokus. Mit Beginn dieses Schuljahres stellen wir vor allem das Schreiben als wichtige Basiskompetenz in den Vordergrund. Schon daran wird deutlich, dass wir digitale Technologien nicht als Ersatz, sondern als Hilfsmittel betrachten. Auch internationale Studien weisen darauf hin, dass ein zusätzlicher Lernerfolg mit digitalen Endgeräten und Medien möglich ist. (Zuruf von der AfD: Möglich!) Dafür ist aber wichtig, dass sie didaktisch und methodisch sinnvoll eingesetzt und in unterschiedliche Lernsettings zielführend eingebunden werden. Das ist unsere Aufgabe. Das ist Aufgabe von Schule. Damit das geschieht, setzen wir die notwendigen Rahmenbedingungen und unterstützen die Schulen in diesem Prozess. Auf Länder wie Schweden oder Dänemark zu verweisen, die ihre Digitalisierungsprozesse aktuell zurückfahren, kann nur wenig überzeugen. Denn zur Wahrheit gehört auch, dass die Digitalisierung an unseren Schulen in den vergangenen Jahren nicht im selben Maße vorangetrieben wurde wie in diesen Ländern – das vor allem deshalb, weil die Digitalisierung für uns ausdrücklich eine unterstützende, eine ergänzende Funktion erfüllt. Wenn Dänemark und Schweden nun ihre Digitalisierung an den Schulen reduzieren, dann auch deshalb, weil sie die Digitalisierung ihrer Schulen ebenfalls auf eine unterstützende Funktion reduzieren wollen. Von daher werden wir unseren Weg – einen Weg, der weder den Fortschritt der Digitalisierung ignoriert, noch dem Bewährten den Rücken zukehrt – konsequent weitergehen, denn nur im Zusammenspiel von Didaktik, Technik und Pädagogik werden wir unsere Kinder und Jugendlichen auf die Welt von morgen vorbereiten können. (Vereinzelt Beifall von den GRÜNEN) Hierfür legen wir mit all unserem Handeln die Grundlagen. Nur so wird es gelingen, den gesellschaftlichen Transformationsprozess durch die Digitalisierung und insbesondere durch die Entwicklung im Bereich „KI“ auch zukünftig zu gestalten. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN) Es ist deshalb nicht die Zeit, alte Formen des Lernens aufzuwärmen und in wiederkehrende Kontexte zu setzen. Es ist Zeit, Realitäten anzuerkennen und ihnen in Schule und Gesellschaft Rechnung zu tragen. – Vielen Dank. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN)
