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Franziska Müller-Rech

FDP 26.11.2025 Sitzungen 18/109

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Herr Tritschler, Sie haben insgesamt vier Minuten gesprochen und haben sich – ich habe genau auf die Uhr geguckt – eine Minute an der FDP abgearbeitet. So unwichtig können wir offenbar gar nicht sein. (Beifall von der FDP – Vereinzelt Beifall von der SPD – Heiterkeit von den GRÜNEN – Dr. Dennis Maelzer [SPD]: Eine 25-%-Partei!) Heute geht es auf Antrag der AfD per Tagesordnung zurück in die Vergangenheit. In diesem Antrag Landtag werden falsche Schlussfolgerungen gezogen, falsche Behauptungen aufgestellt, komplexe Zusammenhänge vereinfacht und in die eigene Erzählung gepresst und Fakten ignoriert. Also eigentlich ist bei der AfD alles so wie immer. (Heiterkeit von Wibke Brems [GRÜNE]) Sie behaupten felsenfest, digitale Geräte würden die Lesekompetenz von Schülerinnen und Schülern verschlechtern. Ich frage nach Ihrer eigenen Lesekompetenz. Die Studienlage ist da nämlich eindeutig, und für Ihre Behauptung gibt es keine. Lieber Tim Achtermeyer, du hast leider vergessen, noch die Evidenzbasierung in der Überschrift anzusprechen. Diesen Anspruch erfüllt die AfD-Fraktion nicht einmal selbst. (Beifall von der FDP, der CDU, der SPD und den GRÜNEN) Die IGLU-Studiendaten – dafür müsste man da aber auch erst einmal hineinschauen – zeigen keine Kausalität zwischen Bildschirmzeit und Leistungsabfall. (Zuruf von Simon Rock [GRÜNE]) Ich erspare mir die Erklärung von Kausalität und Korrelation. Das kennen Sie hoffentlich – vielleicht, gucken wir mal. (Dr. Dennis Maelzer [SPD]: Leistungsabfälle kennen die auch! – Silvia Gosewinkel [SPD]: Oh! – Zuruf von Sven Werner Tritschler [AfD]) – Es gibt schon Protest, alles klar. Es wird in der Studie aber ausdrücklich darauf hingewiesen, dass diese öffentlich verbreiteten Interpretationen, die Sie hier befeuern, Tablets würden gleich eine schlechtere Lesekompetenz bedeuten, sind vereinfachend und nicht richtig. Rückgänge der Lesekompetenz gibt es gleichermaßen sowohl in hochdigitalisierten als auch in weniger digitalisierten Ländern. Dieses Problem müssen wir angehen. Wir lösen es aber nicht, indem wir Endgeräte aus den Schulen holen und vor allem nicht, indem man es auf eine vermeintliche Ursache zurückführt. Das ist schlicht falsch und unwissenschaftlich. (Beifall von der FDP) Als Kronzeugen führen Sie nur nordische Länder auf, die wegen der negativen Folgen der Digitalisierung angeblich zurückrudern. Das ist aber falsch. Sie rudern nicht zurück – die Kollegin hat es gerade schon angeführt –, sie schalten allerhöchstens einen Gang zurück, aber sind immer noch meilenweit vor uns. (Sven Werner Tritschler [AfD]: Ach!) Die sind so weit von uns entfernt, dass wir nicht mal in der Lage wären, irgendetwas wieder abzuschaffen, auch dann wären sie uns immer noch meilenweit voraus. Wir sind nicht mal ansatzweise so weit wie die. 26.11.2025 Das Schreibenlernen auf Tablets haben nordische Länder vielleicht einmal versucht, dann festgestellt, dass es nicht funktioniert, und es zurückgedreht. Es ist nichts verwerflich daran, etwas auszuprobieren. Dass Kinder das Schreiben auf Tablets und nicht auf Papier lernen, hat es bei uns im Übrigen nie gegeben. Insofern gibt es in NRW nichts zurückzurudern. Auch diesen Unterschied müsste die AfD eigentlich verstehen. Die AfD hat für sich einfach entschieden, die Digitalisierung sei gescheitert. Auch ich nehme das wahr. Die Digitalisierung zumindest in den eigenen Reihen während der eigenen Debatte ist nicht gescheitert. Da wird weiter munter an den Tablets und an den Handys herumgespielt, statt der Debatte zu folgen. Das ist auch eine tolle Arbeit für das Volk. (Beifall von der FDP – Sven Werner Tritschler [AfD]: Nur, wenn es interessant ist!) Aber wenn es an Unwissenheit liegt, will ich Ihnen nun aus Selbstzweck heraus mal Nachhilfe geben, weil mich Ihre Anträge wirklich aufs Schärfste nerven. (Simon Rock [GRÜNE]: Da haben Sie ja Recht! – Dr. Dennis Maelzer [SPD]: Haben Sie das gehört? – Sven Werner Tritschler [AfD]: „Aufs Schärfste“ – haben Sie das im Deutschunterricht gelernt?) Herr Tritschler, wer einen solchen Antrag schreibt, sollte sich … (Weitere Zurufe – Sven Werner Tritschler [AfD]: Mehr als Sie!) – Schaffen Sie es, mir einen Satz lang zuzuhören? Schaffen Sie es, mich nicht zu unterbrechen? Schaffen Sie das? (Dr. Dennis Maelzer [SPD]: Schafft er nicht! – Rodion Bakum [SPD]: Das ist länger als ein TikTok-Video! Das schafft er nicht!) Wer so einen Antrag … (Sven Werner Tritschler [AfD]: Ja!) – Herr Tritschler, schaffen Sie es auch, ohne mich zu unterbrechen? Können Sie zuhören? Das lernt man übrigens auch in der Grundschule. (Beifall von der FDP, der CDU, der SPD und den GRÜNEN) Dort lernt man auch Benehmen und sozialen Umgang, dass man sich gegenseitig aussprechen lässt (Sven Werner Tritschler [AfD]: Ohne Tablet!) und man auch denjenigen das Wort lässt, die hier am Pult stehen. Es fiel mir sehr schwer, aber ich habe Ihnen auch das Wort gelassen. (Sven Werner Tritschler [AfD]: Nur zu!) Landtag Wer einen solchen Antrag hier vorlegt, sollte sich mit Kritik wirklich zurückhalten. Das hat der Kollege Tim Achtermeyer Ihnen wirklich sehr schmerzhaft dargestellt. Hier ist etwas Bescheidenheit angesagt, Herr Kollege. (Beifall von der FDP, der CDU, der SPD und den GRÜNEN – Sven Werner Tritschler [AfD]: Ja!) Was tun wir also in der Digitalisierung? Wir müssen gute Voraussetzungen schaffen, damit sie gelingt und damit die Chancen entfaltet werden können. Es geht um die entsprechende pädagogische Einbettung, die Qualität der Lernumgebung samt digitaler Endgeräte, die Fortbildung der Lehrkräfte, Vermittlung von … (Zuruf von Sven Werner Tritschler [AfD]) – Sie unterbrechen mich schon wieder, Herr Tritschler. Meine Güte! (Zuruf von Sven Werner Tritschler [AfD]) – Herr Tritschler, was ist denn los mit Ihnen? Können Sie uns wirklich nicht ein einziges Mal ausreden lassen? Gehen Sie doch raus, wenn Sie das nicht ertragen. (Beifall von der FDP, der CDU, der SPD und den GRÜNEN) Das haben Sie schon bei der Kollegin gemacht. Basal ist: Hier gibt es Wort und Widerwort. Sie waren eben dran, haben Ihre Redezeit mit der FDP verschwendet, (Sven Werner Tritschler [AfD]: Das nennt man Zwischenruf!) und dann reden Sie hier ständig rein. Was ist denn los mit Ihnen? (Tim Achtermeyer [GRÜNE]: Nehmen Sie mal eine kalte Dusche! – Heiterkeit von den GRÜNEN) Ist das die Art Volksvertretung, die sich Ihre Wählerinnen und Wähler vorstellen? Ich glaube nicht. (Beifall von der FDP) Ich fahre fort. Fortbildung der Lehrkräfte – da war ich stehengeblieben. Viertens. (Zuruf von Dr. Christian Blex [AfD]) – Jetzt fängt auch noch Herr Dr. Blex an. Es wird immer wilder. (Heiterkeit und Beifall von der SPD – Zuruf von Dr. Dennis Maelzer [SPD]) Sie sind doch gleich noch dran. Ich habe zu unserer großen Freude gesehen, dass wir uns gleich noch etwas anhören dürfen. 26.11.2025 Viertens: Vermittlung von digitaler Grundkompetenz. Fünftens: die Stärkung der individuellen Förderung. Das ist genau das, was wir an Voraussetzungen schaffen können, damit Digitalisierung gut wirkt, und genau daran arbeiten wir hier jeden Tag. (Sven Werner Tritschler [AfD]: Nein, machen Sie nicht!) Schule muss junge Menschen auf die Zukunft und die digitale Arbeits- und Lebenswelt vorbereiten. Das gelingt nicht, wenn man Digitalisierung aus den Schulen verbannt, wie die AfD das möchte. Es gibt keinen einzigen Beruf mehr, der ohne Digitalisierung auskommt. Wir leben in einer digitalisierten Welt. Wir Freie Demokraten wollen die Schülerinnen und Schüler auf diese Welt vorbereiten. Die AfD will das nicht. Wir wollen, dass Schülerinnen und Schüler ihr Leben selbst in die Hand nehmen können, selbstbestimmt leben können. Die AfD will das nicht. (Beifall von der FDP und der SPD – Vereinzelt Beifall von der CDU und den GRÜNEN) Wir wollen, dass Kinder alle Chancen in ihrem Leben haben, dass ihnen die Welt offensteht. (Sven Werner Tritschler [AfD]: Die können nicht mal lesen und schreiben!) Die AfD will das nicht. Das betrifft übrigens insbesondere die Kinder aus Familien, die nicht viel Geld haben, die nicht mit den besten Chancen ins Leben starten. Es ist ein Gebot der Fairness, dass wir das tun. (Zuruf von Sven Werner Tritschler [AfD]) Die AfD – das haben sie hier mehrfach bewiesen – will eben genau das nicht. (Beifall von der FDP, der CDU, der SPD und den GRÜNEN – Zuruf von Sven Werner Tritschler [AfD]) Sie haben mit einem wirklich schlampig geschriebenen und auch langweiligen Antrag – da kann ich nur zustimmen – das Ende von REACT-EU als Sprungbrett genutzt, um die Digitalisierung hier mal wieder grundsätzlich infrage zu stellen. Auch das ist eine alte Tradition der AfD; das haben wir schon in der letzten Legislatur immer mal wieder von Herrn Seifen gehört. Sie ignorieren weiterhin Expertenstudien und internationale Vergleichsdaten. Sie schauen nicht mal in die Studien rein. Sie bieten keine Lösungen, sondern nur eine nostalgische Sehnsucht nach der uralten Kreidetafel. Und Sie verschließen die Augen vor den realen Herausforderungen an den Schulen. Aber wie Landtag sollen Sie die auch kennen? Sie werden ja nicht reingelassen. (Sven Werner Tritschler [AfD]: Davon werden Sie gleich was hören!) Wir sagen deutlich: Wer Digitalisierung abschafft, der schafft Chancen ab – Chancen auf Zukunft, auf Wettbewerbsfähigkeit, auf Teilhabe. Wir wollen eine mutige, daten- und evidenzbasierte und verantwortungsvolle Bildungspolitik, die alle mitnimmt. Dieser Antrag ist das Gegenteil davon. Deshalb lehnen wir ihn ab. – Vielen Dank. (Beifall von der FDP, der CDU, der SPD und den GRÜNEN)

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