Sven Werner Tritschler
Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Letzte Woche hat die sogenannte Spitzenorganisation der Filmwirtschaft in Deutschland, das SPIO, Heinz Rühmann, einem der beliebtesten deutschen Filmschauspieler aller Zeiten, posthum die Ehrenmedaille aberkannt. Er sei, wie es in der Begründung heißt, NSkonform gewesen und damit des Preises nicht mehr würdig. Aber vielleicht ist ja auch die deutsche Filmwirtschaft, diese traurige von Steuergeld abhängige und endlos austauschbare, zeitgeistig schrottproduzierende Industrie eines Heinz Rühmann nicht mehr würdig. Dass ausgerechnet diese Filmwirtschaft, die sich längst nicht mehr an Zuschauern oder an qualitativ künstlerischen Maßstäben, sondern an ihren wahren Herren, den Förderbürokraten und Medienpolitikern orientiert, einem Heinz Rühmann Anpassung an ein Regime vorwirft, entbehrt jedenfalls nicht einer gewissen Ironie. Jedenfalls produziert diese Industrie längst nichts mehr, was irgendwer auf der Welt unbedingt sehen will. Und selbst in Deutschland ist der Erfolg sehr überschaubar. Macht ja auch nichts, denn das Geld aus allerlei Förderbürokratien, wie etwa der Film- und Medienstiftung NRW, der wir ja gleich auch wieder etwas Geld zuschieben werden, fließt ja trotzdem. Worauf es heute beim deutschen Film ankommt, zeigen zum Beispiel die sogenannten ökologischen Standards, die seit Anfang dieses Monats für Filme mit NRW-Förderung gelten. Ein paar Beispiele. Für jede Produktion muss ein sogenannter Green Consultant beschäftigt werden. Produktionsstätten müssen mit zertifiziertem Ökostrom betrieben werden. Weiter heißt es: Sofern in einer Woche drei oder mehr Drehtage stattfinden und ein externes, sepa-26.11.2025 rates Catering eingesetzt wird, muss mindestens an einem Tag dieser Woche das Essensangebot rein vegetarisch oder vegan sein. Sonst gibt es keine Fördermittel. Die Trennung des entstehenden Mülls muss an jeder Produktionsstätte, in allen Studios und in sämtlichen genutzten Büros mindestens in den Kategorien Papier, Glas, Plastik, Gelber Sack, Metall, Biomüll und Holz erfolgen. Aber hier mein absoluter Favorit: Falls Papier eingesetzt wird, muss Recyclingpapier mit einem Altfaseranteil von mindestens 90 % genutzt werden. Dies gilt für sämtliche Verbrauchsformen – in Klammern –: Kopierpapier, Toilettenpapier, Küchenpapier, Umschläge, Papierhandtücher etc. Ich weiß nicht, welches Toilettenpapier die Granden der Filmgeschichte favorisiert haben, aber es ist offensichtlich, warum der deutsche Film inzwischen ist, wie er ist: grottenschlecht, aber wenigstens klimafreundlich. Es geht auch längst nicht mehr darum, Filmkultur zu fördern. Es geht darum, eine Ideologie zu verbreiten. Als kleines Dankeschön darf der Medienpolitiker, der über die Fördertöpfe verfügt, einmal im Jahr bei der Berlinale auf dem roten Teppich ein paar Selfies mit der deutschen Film-B-Prominenz machen. (Hendrik Schmitz [CDU]: Da ist aber einer nei- disch!)) So haben alle was davon, außer natürlich die Zuschauer. Auch sonst findet sich im vorliegenden Medienhaushalt kaum etwas, was zustimmungsfähig wäre. Etwa Ihr Baby, das Bonn Institute für sogenannten konstruktiven Journalismus soll gefördert werden. Was ich damit meine, verrät ein Blick auf die Publikationen dieses Instituts. Es gibt schöne Broschüren heraus, etwa zehn Tipps für besseren Klimajournalismus. Konstruktiver Journalismus ist für Sie – wie könnte man das auch anders erwarten, meine Damen und Herren – Journalismus in Ihrem Interesse oder, wie man früher gesagt hätte, Hofberichterstattung. Letztere vermissen Sie ja – wir haben es gerade in der Debatte gehört – im Zeitalter eines freien Informationsflusses im Internet allzu sehnlichst. Schließlich stellt der genau Ihre Macht infrage. Der Staat hat nicht zu entscheiden, was ein guter Film ist, und der Staat hat auch nicht zu entscheiden, was guter Journalismus ist. Das gilt im Besonderen für Sie, meine Damen und Herren, aber es gilt auch für jeden anderen, der hier jemals regiert hat oder jemals regieren wird. Ihr Medienhaushalt dagegen ist ein Ausdruck von Misstrauen gegen die eigene Bevölkerung, von Größenwahn und von Paternalismus. Wir lehnen ihn selbstverständlich ab. Allen, jetzt zuhören oder zuschauen, kann ich für die Weihnachtszeit noch einen Filmtipp mitgeben. Die Landtag Feuerzangenbowle mit Heinz Rühmann – weder gendergerecht noch klimaneutral. Und das merkt man auch. – Vielen Dank. (Beifall von der AfD)
