Martin Sträßer
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Vom rechten Rand in dieser Runde wird erneut ein Thema instrumentalisiert, das wir hier im Landtag bereits mehrfach diskutiert haben. (Dr. Christian Blex [AfD]: Zumindest auf Deutsch!) Deshalb wieder gleich zu Beginn die klare Aussage: Dass an unseren Schulen zukünftig jenseits der Fremdsprachenfächer Prüfungen auf Türkisch oder Arabisch statt auf Deutsch stattfinden sollen, sind nun wirklich Fake News – oder um es in der Unterrichts- und Prüfungssprache Deutsch zu sagen: Das sind Falschnachrichten. (Beifall von der CDU – Vereinzelt Beifall von den GRÜNEN) Das Schulgesetz und die Ausbildungsordnung in Nordrhein-Westfalen lassen hieran keinen Zweifel. Auch der gemeinsame Antrag von CDU und Grünen „Mehrsprachigkeit an Schulen stärken“ stellt unmissverständlich klar: Deutsch ist und bleibt die zentrale Unterrichts- und Prüfungssprache. Die antragstellende Fraktion hat unseren Antrag offensichtlich nicht verstanden – und das, obwohl er in einfachem Deutsch formuliert wurde. Sie unterstellt uns sogar, wir würden durch die Förderung der Mehrsprachigkeit die Bildungsstandards senken wollen. Das ist eine absurde Vorstellung. Richtig ist: Sprache ist der Schlüssel zur Bildung, und in unseren Schulen bleibt die deutsche Sprache der Schlüssel Nummer eins. Richtig ist aber auch: Mehrsprachigkeit kann durchaus eine Hilfe und ein zusätzlicher Schlüssel, sozusagen ein Zweitschlüssel, sein. Uns ist wichtig: Vorhandene Kompetenz in Sachfächern sollte nicht daran scheitern, dass die deutschen Sprachkenntnisse vielleicht noch nicht ausreichen. Andernfalls würden wir dem Kind und seinen Möglichkeiten nicht gerecht werden; wir würden Fachwissen einfach brachliegen lassen. Um es ganz bewusst wieder an dem Beispiel deutlich zu machen, das eben schon genannt wurde: Wer eine Textaufgabe in Mathematik nicht lösen kann, Landtag weil er sie sprachlich nicht versteht, hat deshalb keine Rechenschwäche, sondern vielleicht nur ein sprachbedingtes Verständnisproblem. Dem Kind eine Hilfestellung zu geben, damit es die Aufgabenstellung sprachlich versteht, ermöglicht ihm, diese Aufgabe fachlich zu lösen. Und darauf kommt es an. Das Beispiel zeigt: Es geht gerade nicht um das Zurücksetzen von Deutsch als Unterrichts- und Prüfungssprache, und es geht schon gar nicht um die Abkehr von Bildungsstandards. Es geht hier um ein zusätzliches Werkzeug im Lernprozess. Dieses Werkzeug ist an den meisten unserer Schulen bereits vorhanden; denn Mehrsprachigkeit ist Schulalltag. Viele Kinder sprechen neben oder sogar schon vor Deutsch eine zweite Sprache. Das können Französisch oder Englisch, Arabisch oder Chinesisch oder eine der vielen anderen Sprachen sein. Ihre Herkunftssprache beherrschen diese Kinder zu Schulbeginn leider oft noch besser als die deutsche Sprache. Das ist zwar bedauerlich. Aber darin liegt auch eine Chance. Jede Sprache ist eine wertvolle Kompetenz, wenn man sie beherrscht. Nicht umsonst ist das Erlernen fremder Sprachen auch eine der Kompetenzen, um die wir uns in unserem Bildungswesen ganz besonders bemühen. In der bereits vorhandenen Mehrsprachigkeit steckt ein Potenzial, das wir nutzen können. Dabei gilt für uns der Grundsatz „von der Integration zur Partizipation“. Dazu passt der Herkunftssprachliche Unterricht. Diesen gibt es in Nordrhein-Westfalen schon seit vielen Jahren, und er ist so breit wie in keinem anderen Bundesland aufgestellt. Mit einem Angebot in über 30 Sprachen für über 100.000 Schülerinnen und Schülern stehen wir bundesweit mit großem Abstand an der Spitze. Wir setzen hierbei auf Eigenverantwortung, Freiwilligkeit und den Fleiß der jungen Menschen, die den Herkunftssprachlichen Unterricht oft am Nachmittag besuchen. Auch hier gilt: Mehrsprachigkeit ist eine Qualität und keine Bedrohung für unser Bildungssystem. (Beifall von der CDU und der SPD – Vereinzelt Beifall von den GRÜNEN) Ich kann in einem Atemzug auch wiederholen: Die Förderung von Kompetenzen in der Bildungssprache Deutsch ist und bleibt trotzdem und zugleich die erste und zentrale Aufgabe von Schule. Deshalb stärken wir die Basiskompetenzen Lesen, Schreiben, Rechnen immer und zuallererst in deutscher Sprache. Diese Landesregierung – allen voran unsere Schulministerin Dorothee Feller – setzt hier die richtigen Schwerpunkte. Kurzes Fazit: Wir verankern das Erlernen der deutschen Sprache fest im Schulalltag. Das ist und bleibt das Fundament. Wir fördern darüber hinaus Mehrsprachigkeit als zusätzliches Potenzial und Werkzeug von Bildung. Wir tun alles, um jedem Kind die 25.11.2025 Entfaltung all seiner Talente zu ermöglichen. So machen wir es stark für die bunte Welt von morgen. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN – Thorsten Klute [SPD]: Das wäre klasse!)
