landtag.nrw.de ↗

Dorothee Feller

06.11.2025 Sitzungen 18/106

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Ich glaube, mit zwei Minuten komme ich nicht aus; das kündige ich vorher schon an. Das ist nun mal so, es ist einfach ein wichtiges Thema. Sie haben einige Male die IQB-Studie erwähnt. Dazu will ich ein paar Aspekte sagen, weil mir das wichtig ist. IQB-Studie, Schülerinnen und Schüler der 9. Klassen: In allen Bundesländern haben diese Schülerinnen und Schüler nicht die Kompetenzen erreicht, die sie hätten erreichen müssen. Bei vielen Schülerinnen und Schülern, die daran teilgenommen haben, ist ein deutliches Absacken in den Fächern Mathematik, Biologie, Chemie und Physik festzustellen. Das hat alle Bundesländer betroffen gemacht. Wir haben verabredet, dass wir auf Bundesebene mit der Bundesbildungsministerin gemeinsam schauen, woran das liegen könnte. Das ist keine Rechtfertigung, aber man muss schon nach den Ursachen forschen. Die Coronapandemie wird sicherlich Auswirkungen gehabt haben. Wenn man einmal zusammenrechnet, wie viele Tage die Schulen geschlossen waren, dann kommt man fast auf ein ganzes Schuljahr. Das hat natürlich Auswirkungen. Man muss auch berücksichtigen, dass Schülerinnen und Schüler einerseits sagen, dass sie die Fächer Mathematik und Naturwissenschaften nicht interessieren. Dem muss man doch mal nachgehen. Wieso ist das so? Denn andererseits sind sie interessiert am Thema „Klimaschutz“. Warum haben sie also kein Interesse an Physik, obwohl Physik und Klimaschutz ganz wesentlich zusammenhängen? Wir haben zu der IQB-Studie auch spezielle Fragen für Nordrhein-Westfalen. Wenn Schülerinnen und Schüler der 9. Klasse an Gymnasien schlechter abschneiden als 2018, dann muss man da genauer hinschauen. Hat die Umstellung von G8 auf G9 etwas damit zu tun? Denn bei der Studie werden die Kompetenzen getestet, die am Ende des mittleren Schulabschlusses erreicht werden. 2018 waren die Kinder in der 9. Klasse kurz vor Abschluss des Mittleren Abschlusses, jetzt sind die Kinder in der 8. Klasse und der Mittlere Abschluss ist noch länger hin. Das passt Landtag nicht zusammen. Könnte das eine Ursache sein? Den Fragen will das IQB noch einmal nachgehen. Ebenso müssen wir berücksichtigen, dass Schülerinnen und Schüler an der Studie teilgenommen haben, die seit einem Jahr an der Schule waren. Das heißt, es ist in Nordrhein-Westfalen nicht ausgeschlossen, dass Schülerinnen und Schüler aus der Erstförderung teilgenommen haben, die der deutschen Sprache noch nicht mächtig waren und die Aufgaben – Mathematik ist sehr textlastig – nicht verstanden haben. Das waren nur ein paar Punkte zur Einordnung der IQB-Studie. Wir tauschen uns mit den Wissenschaftlern intensiv aus, die uns sagen – das gehört zur Wahrheit dazu, die CDU, meine Partei, hat vor etlichen Jahren auch schon einmal das Schulministerium geführt –, dass sich Nordrhein-Westfalen einfach 10 bis 15 Jahre später im Vergleich zu anderen Bundesländern auf den Weg gemacht hat, hier gegenzusteuern. Sie nennen immer Hamburg als Beispiel, ich nehme ganz gerne andere Flächenländer, denn das ist besser zu vergleichen. Baden-Württemberg hat vor 10, 15 Jahren angefangen, Maßnahmen zu ergreifen. Welche Maßnahmen waren das? Es waren genau die Maßnahmen, die wir im Schulkompass NRW 2030 schon mal zusammengefasst und dargestellt haben. Fokussierung auf die Basiskompetenzen: Genau damit haben die anderen Bundesländer angefangen, die den Turnaround geschafft haben, um besser zu werden. Wir schauen uns die Lehrerausbildung an. Die entsprechenden Konzepte für die Änderung der Lehrerausbildung waren jetzt in der Verbändeanhörung. Diese werten wir aus. Wir stärken die Schulleitung. Wir haben dazu ein Funktionspostfach geschaltet und bereits 280 Vorschläge zum Bürokratieabbau gesammelt; ich habe das hier schon einmal erwähnt. Wir werden noch in diesem Jahr veröffentlichen, wie wir mit diesen Vorschlägen umgehen und welche Vorschläge wir umsetzen werden. Ich glaube, das wird bei den Schulleitungen zu einer großen Erleichterung führen. Auch dazu werden wir im Schulausschuss noch berichten. Ein weiterer wichtiger neuer Baustein im Rahmen des Schulkompass NRW 2030 ist die datengestützte Qualitätsentwicklung mit weiteren Lernstandserhebungen, um die Entwicklung der einzelnen Schüler nachzeichnen zu können. Hat sich deren Kompetenzstandard verändert oder nicht? Wie können wir frühzeitig gegensteuern? Das ist eine Komponente, die wir aus dem Austausch mit anderen Bundesländern, aber auch mit anderen Staaten mit auf den Weg bekommen haben, um besser zu werden. 06.11.2025 Als Allererstes werden wir mit dem Schülerfeedback beginnen. Wie wichtig es ist, ein Schülerfeedback einzuführen, um die Emotionen der Schülerinnen und Schüler ernster zu nehmen und zu berücksichtigen, zeigt uns die Äußerung auf der Bundesschülerkonferenz vor 14 Tagen. Wir müssen hinhören: Was ist mit unseren Schülerinnen und Schülern los? Wieso geht es ihnen so schlecht? Deswegen werden wir jetzt mit einem Schülerfeedback starten und den Schülern die Möglichkeit geben, sich zu äußern: Gehe ich gerne zur Schule? Fühle ich mich an der Schule wahrgenommen? – Es ist ausdrücklich kein Schülerfeedback zu einer einzelnen Lehrkraft, sondern es ist ein Schülerfeedback bezogen auf die Schule. Sie sehen, das sind einzelne Bausteine, mit denen wir uns längst auf den Weg gemacht haben. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN – Zu- ruf von Franziska Müller-Rech [FDP]) Es ist nicht so – das muss ich deutlich sagen –, als wären wir nicht losgelaufen. Wenn Sie sagen: „Wir brauchen mehr Zeit, das geht nicht von heute auf morgen“, dann bitte ich, zu berücksichtigen, dass wir schon losgelaufen sind, und uns die Zeit zu geben, die wir brauchen. Zum Schluss, dann höre ich wirklich auf: Wie Sie miteinander umgehen, ist mir egal. Ich habe aber irgendwann mal in meinem Elternhaus gelernt: Wenn man Menschen charakterisiert, sollte man nicht ins Tierreich gehen. (Franziska Müller-Rech [FDP]: Ich habe „die Landesregierung“ gesagt, Frau Ministerin!) Daher: Diesen Ausdruck finde ich nicht gut. – Danke. (Lebhafter Beifall von der CDU und den GRÜNEN – Franziska Müller-Rech [FDP]: Ich habe von der Landesregierung gesprochen, Frau Ministerin! Das ist ein großer Unterschied! Zuhören!)

Protokoll ↗