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Lisa-Kristin Kapteinat

SPD 06.11.2025 Sitzungen 18/106

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Insbesondere lieber Herr Dr. Pfeil und lieber Minister Limbach! Was hier von den Kolleginnen gesagt worden ist, ist absolut richtig. Das kann ich alles unterstreichen. Ich glaube, ganz vielen Frauen, die das vielleicht sehen und lesen, geht es ganz genauso. Es reicht uns Frauen aber nicht, wenn es Männer gibt, die wissen, wie sie sich benehmen müssen und die in Ordnung mit uns umgehen, sondern wir Frauen brauchen genau die Männer, die auch den Mund aufmachen und sich an unsere Seite stellen und sagen: Wir haben keine Lust, das länger so zu akzeptieren. (Beifall von der SPD und Angela Freimuth [FDP] – Vereinzelt Beifall von den GRÜNEN) Wir brauchen diese Verbündeten. Daher: herzlichen Dank dafür. Denn: Wie viel Mut braucht man, um sich gegen Unrecht zur Wehr zu setzen? Die Antwort lautet: eine Menge. Das ist leider auch in der Rede der AfD noch mal deutlich geworden. Beim Thema „Gleichberechtigung“ läuft in Deutschland nach wie vor ziemlich viel falsch – egal, ob es um die Lohnlücke, um Carearbeit, um Femizide oder Ähnliches geht. Darüber haben wir hier im Landtag immer wieder diskutiert. Es gibt aber auch Punkte, über die wir uns, glaube ich, freuen können. Als ich das Video von Yanni Gentsch zum ersten Mal gesehen habe, war ich nicht nur schockiert, sondern habe auch gedacht: Wow! Was ist das für eine Frau? Was ist das für eine Generation, die da heranwächst, die sich nichts gefallen lässt, auch wenn sie dafür vielleicht ihren ganzen Mut zusammennehmen muss, die sagt: „Nicht mehr mit uns.“? Wir haben darauf keine Lust mehr. Wir wollen das jetzt erkämpfen. Wir wollen das jetzt ändern, damit es für unsere kleinen Schwestern, für unsere Töchter kein Thema mehr sein muss. Das meinen übrigens auch Feministinnen und Feministen, wenn sie von Empowerment sprechen. Da zeigt sich, wie viel der Kampf für Gleichberechtigung von zahlreichen Frauen aus unterschiedlichen Generationen wert ist. Der Fall von Yanni Gentsch zeigt aber auch, dass die Sexualisierung von Frauen immer noch viel zu normal ist. In vielen Köpfen ist nicht nur das Selbstbestimmungsrecht nicht verankert, im Gegenteil: Man hat nach wie vor den Eindruck, man könne sich übergriffig verhalten. Es sei völlig in Ordnung, Witze, Kommentare zu den Körpern von anderen Personen abzulassen. Der Mann, der die Aufnahme beim Joggen von Yanni Gentsch gemacht hat, sagt im Video unter anderem: Warum sind Sie denn so aggressiv? Ich habe Ihnen doch nichts getan. Warum ziehen Sie denn so eine Hose an? Das verstehe ich nicht. – Das zeigt ein riesengroßes Problem, das wir haben. Es wurde dort Landtag versucht, der Frau, die sich gewehrt hat, die das Recht in Anspruch genommen hat, über ihren Körper zu entscheiden, die Schuld zuzuweisen. Das darf nicht länger passieren, denn es ist nicht nichts, wenn man eine fremde Person ohne ihre Zustimmung filmt, weil sie eine enge Leggins trägt. (Beifall von der SPD und Dr. Werner Pfeil [FDP] – Vereinzelt Beifall von den GRÜNEN) Es ist nicht nichts, wenn man eine Person in ihrem Alltag sexualisiert und davon Aufnahmen auf seinem Privatgerät macht. Und es ist auch nicht nichts, wenn man dann die Schuld dafür der Frau zuschiebt, weil sie sich kleidet, wie sie es möchte. Das verletzt. Das ist sexuelle Belästigung. Das ist Voyeurismus. Davor müssen wir alle Frauen und Mädchen besser schützen. Es gab in den USA einen Trend. Dort haben sich junge Frauen in der U-Bahn weite T-Shirts über ihre Outfits gezogen, um sich gegen fremde Blicke zu schützen. Das darf aber nicht der Weg sein, den wir gehen wollen. Wir müssen endlich aus der Zeit herauskommen, in der Frauen das Gefühl haben, sich passend und angemessen kleiden zu müssen, damit sie nicht belästigt werden. (Beifall von der SPD und Dr. Werner Pfeil [FDP] – Vereinzelt Beifall von der CDU und den GRÜNEN) Wenn wir feststellen müssen, dass die Gesellschaft momentan leider zumindest noch nicht in Gänze so weit ist, dann müssen wir als Politik vorangehen. Deswegen ist gut, dass Bundesjustizministerin Stefanie Hubig einen praxistauglichen Gesetzentwurf angekündigt hat, der bestehende Gesetzeslücken im Strafrecht schließen soll. An anderer Stelle funktioniert das nämlich auch. Wir haben das Gaffen inklusive des Fotografierens und Filmens bei Unfällen unter Strafe gestellt. Das Gleiche sollten wir mit ungewollten Aufnahmen von Pos und Brüsten tun. Wir wollen, dass mutige junge Frauen mutig bleiben und sich auch noch mehr trauen. Deshalb ist es wichtig, dass wir diese Erfahrung, dieses Unwohlsein, diese Verletzung als das bezeichnen, was es ist, nämlich Belästigung. Wir müssen politische Konsequenzen daraus ziehen, denn es ist unsere Aufgabe als Politik, nicht nur Mädchen zu empowern und Gleichberechtigung durchzusetzen, sondern auch, Mädchen und Frauen gegen Gewalt zu Hause, auf der Straße oder im Netz zu schützen. (Beifall von der SPD – Vereinzelt Beifall von der CDU und den GRÜNEN) Auch wenn wir mit dem Gewalthilfegesetz einen weiteren wichtigen Schritt gegangen sind, gibt es viele weitere Bereiche, die die Freiheit und das Selbstbestimmungsrecht von Frauen gefährden, zum Beispiel 06.11.2025 im digitalen Bereich. Wenn ich lese, dass ChatGPT demnächst eine neue Erotikfunktion bekommen soll, dann mache ich mir wirklich Sorgen, wohin das führt und was das gerade für junge Frauen oder Mädchen bedeuten kann. Denn auch jetzt merken wir schon: Deepfakes verletzen nicht nur Persönlichkeitsrechte und werden oft zur Desinformation genutzt, sie werden oft auch sexualisiert. Auch hiergegen plant das Bundesjustizministerium mit einem eigenen Tatbestand für die missbräuchliche Nutzung vorzugehen. Ich freue mich sehr, dass CDU und Grüne das Vorhaben von Stefanie Hubig unterstützen, voyeuristischen Aufnahmen strafrechtlich etwas entgegenzusetzen. Es ist ein wichtiges Zeichen, dass wir hier eine breite politische Mehrheit haben, die sich hinter Yanni Gentsch und Frauen und Mädchen mit ähnlichen Erfahrungen stellt. Wir brauchen mehr davon. Wir wollen uns nicht verstecken müssen, um unliebsamen Blicken aus dem Weg zu gehen. Wir wollen uns nicht ständig umschauen, ob uns jemand folgt oder uns heimlich filmt. Wir wollen auf dem Nachhauseweg im Dunkeln oder beim Joggen im Park keine Angst haben müssen. Und wir wollen uns nicht ständig erklären, warum das nicht okay ist, sondern uns und unsere Rechte verletzt. Wir wollen die gleiche Freiheit und Sicherheit, mit denen sich Männer und Jungs durch die Welt bewegen – zu Hause, auf der Straße, im Netz. (Beifall von der SPD und Dr. Werner Pfeil [FDP] – Vereinzelt Beifall von den GRÜNEN) Das sage ich als Frau, als Schwester, als Mutter und als Tochter. – Herzlichen Dank. (Beifall von der SPD – Vereinzelt Beifall von der CDU, den GRÜNEN und der FDP)

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