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Dr. Martin Vincentz

AfD 05.11.2025 Sitzungen 18/105

Vielen Dank. – Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Die Faktenlage ist klar. Daher wird Ihre Zustimmung zu unserem Antrag auch gewiss sein. Dennoch möchte ich mit einigen Sätzen noch ein bisschen ausführen. Einer der Hauptgründe, wenn nicht sogar der Hauptgrund der Mediziner, das Land zu verlassen – das tun sie im Übrigen in großer Zahl; nur 38 % der in Nordrhein-Westfalen ausgebildeten Mediziner bleiben in NRW; viele gehen beispielsweise nach Baden-Württemberg, Bayern, aber eben auch noch weiter weg, in die Schweiz, nach Skandinavien oder Großbritannien, in die USA etc. –, noch vor der Bürokratie – das muss man sich in der Bundesrepublik Deutschland mal vorstellen: noch vor der Bürokratie! –, sind die Arbeitsbedingungen und damit verbunden vor allen Dingen der Personalmangel. Es fehlt also an Medizinern. Dadurch wir eine regelrechte Reise nach Jerusalem ausgelöst. Deutsche Ärzte gehen wie gerade ausgeführt in die Schweiz oder in die USA. Dafür kommen dann griechische Ärzte, polnische Ärzte, Ärzte aus der Russischen Föderation nach Deutschland. (Mehrdad Mostofizadeh [GRÜNE]: Ist ja un- möglich, dass das passiert!) Nach Polen kommen dann wiederum viele Bulgaren, Rumänen etc. Das ist ein Zustand, der eigentlich für alle unglücklich ist, denn die Ausbildung eines Mediziners ist teuer. Braindrain ist real, und sich unter Industrienationen in Zeiten der demografischen Krise gegenseitig die wenigen verbliebenen klugen Köpfe abzuwerben, ist schlichtweg unfair. Trotz Zuwanderung und obwohl unser Gesundheitssystem mittlerweile auch von vielen Menschen, die zugewandert sind, mitgetragen wird, fehlen bis 2035 brutal viele Ärzte. Allein bei den Hausärzten gibt es 11.000 zu wenig. Hinzu kommen Fachärzte, Klinikärzte etc. Dieser Zustand ist nicht neu; er müsste Ihnen allen bekannt sein. Bereits heute sind 47 % der Hausärzte über 55 Jahre alt. Es ist also absolut absehbar, wann die Versorgung hier kollabiert. 05.11.2025 Gleich in der Debatte wird es wieder heißen, NRW tue doch schon so viel. Und ja, in absoluten Zahlen ist das bevölkerungsreichste Bundesland meistens vorne mit dabei, aber auf die Einwohner gerechnet liegen wir 11% unter dem Bundesdurchschnitt. Dabei wissen wir längst, dass ein Studienplatz teuer ist. Ja, aber jeder Mediziner, der uns fehlt, ist ungemein teurer. Jeder Hausarzt schafft es, die Kosten seiner medizinischen Ausbildung allein dadurch wieder reinzubringen, indem er Hospitalisierungen verhindert, indem Menschen seltener ins Krankenhaus müssen, wenn sie zu ihrem Hausarzt gehen. So kann das Gesundheitssystem mit jedem Mediziner, der nicht fehlt, zwischen 200.000 und 1 Million Euro pro Jahr sparen. Das Argument, ein Mediziner sei teuer, und das Argument, wir lebten in einer schwierigen Haushaltslage, sind also schlichtweg nicht richtig. Die Unis würden gerne helfen. Das Rektorat der Universität Münster sagt beispielsweise, dass sie gerne 200 Mediziner mehr ausbilden würden – allein Münster 200 Mediziner mehr. Sie hingegen haben bislang 120 Studienplätze geschaffen. Allein Münster würde gerne 200 Mediziner mehr ausbilden, wenn sie denn die Förderung dafür bekämen. Wo, wenn nicht in Nordrhein-Westfalen, wäre das denn möglich, mit den vielen starken Universitätsstandorten, mit den vielen renommierten Universitäten, die die Möglichkeit haben, die den Raum haben und die in der Medizinerausbildung auch eine lange Tradition vorweisen können? Im Koalitionsvertrag sprechen Sie von 500 zusätzlichen Studienplätzen, die laut Wissenschaft mindestens notwendig seien. Geliefert haben Sie, wie ich ausführte, bislang allerdings nur 120. Das ist viel zu wenig; da sind sich alle einig. Andere Länder zeigen derweil, wie es geht. Die Niederlande haben die Ausbildung der Mediziner bei sich seit 2015 um 25 % gesteigert. Studien zeigen sehr deutlich, dass sie damit den Mangel halbiert haben. Das ist ein guter erster Schritt. Warum passiert das nicht auch in der Bundesrepublik? Sie müssen endlich ins Handeln kommen. Alles andere wäre geradezu fahrlässig. Daher sehe ich der Zustimmung und der begeisterten Fürsprache von Wissenschaftsministerin Brandes entgegen und bedanke mich. – Vielen Dank. (Beifall von der AfD)

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