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Christian Obrok

SPD 05.11.2025 Sitzungen 18/105

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und liebe Kollegen! Es gibt diesen einen sehr epischen Moment im Film „Zurück in die Zukunft“: Doc Brown steigt in den legendären DeLorean, wirft ein paar Bananenschalen und ein paar Dosen in den Fluxkompensator – Mr. Fusion genannt – und sagt den ikonischen Satz: „Roads? Where we’re going, we don’t need roads.“ Ein Auto, das mit Müll fliegt; Energie aus dem Nichts – sauber, grenzenlos, genial. Im Film funktioniert das natürlich alles, aber in der Realität nicht so ganz. Bevor ein Fusionsreaktor bei uns in NRW Strom liefert, brauchen wir wahrscheinlich noch ein paar Jahrzehnte Physik, Milliarden an Forschungsgeldern und vor allen Dingen eine Menge Geduld. Genau hier beginnt dann auch der Unterschied zwischen Science-Fiction und seriöser Energiepolitik. Die FDP tut in ihrem Antrag so, als stünde die Zukunft von morgen schon im Rheinischen Revier – mit einem glänzenden Fusionskraftwerk, das alle unsere Energieprobleme mit einem Wimpernschlag löst. Das ist keine ernsthafte Energiepolitik, sondern bleibt Science-Fiction, aber mit Hollywood-Budget. Natürlich ist Forschung wichtig. Und ja, die Vision der Kernforschung und Kernfusion fasziniert auch mich. Aber Politik darf Faszination natürlich nicht mit energiepolitischer Verantwortung und Versorgungssicherheit verwechseln. Christian von Hirschhausen vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung hat es gut zusammengefasst – ich zitiere ihn –: 05.11.2025 „Aus einer energiewirtschaftlichen Perspektive ist die Kernfusion heute von einer kommerziellen Nutzung genauso weit entfernt wie damals in den 1950er-Jahren, als sie entwickelt wurde. Für die Energiewende ist sie somit irrelevant.“ In der Wissenschaft spricht man in diesem Zusammenhang übrigens von der Fusionskonstanten. Der Durchbruch ist immer in genau 30 Jahren, und das bereits seit über 70 Jahren. Der Stand heute ist: Kernfusion verbraucht mehr Energie, als sie produziert. Und das wird noch eine Weile so bleiben. Schauen wir einmal auf die Fakten. Das internationale Großprojekt ITER wurde 1985 in Frankreich gestartet. Das erste Plasma sollte bereits 2018 gezündet werden. Jetzt soll es nach 2039 endlich losgehen. Die Kosten sind von 5 auf mittlerweile knapp 40 Milliarden Euro gestiegen. Während die FDP schon den Standort für das erste Kraftwerk sucht, sucht die Forschung noch den weltweit ersten existierenden und funktionierenden Reaktor.

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