landtag.nrw.de ↗

Bernhard Hoppe-Biermeyer

CDU 05.11.2025 Sitzungen 18/105

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir wissen seit ziemlich genau 100 Jahren, was Kernfusion ist. Ich kann mich gut an meine Abiturzeit erinnern; das war vor gut 45 Jahren. Damals gehörte ich zu den Verrückten, die Physik als Leistungskurs gewählt hatten. Dabei habe ich populärwissenschaftliche Literatur tatsächlich verschlungen. Auch da war Kernfusion schon das ganz große Thema. Natürlich ist Kernfusion faszinierend. Sie verspricht saubere, sichere und nahezu unbegrenzte Energie. Wenn sie funktioniert, wäre das ein Durchbruch; gar keine Frage. (Marcel Hafke [FDP]: Tut sie ja!) 05.11.2025 Aber wir müssen uns auch ehrlich machen: Wir reden hier über eine Technologie, die noch Jahrzehnte entfernt ist. (Kopfschütteln von Marcel Hafke [FDP]) Selbst die führenden Forscherinnen und Forscher sagen, dass in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren kein einziges Fusionskraftwerk kommerziell ans Netz gehen wird. Das ist der wissenschaftliche Stand. Deswegen ist dieser Antrag der FDP leider deutlich zu euphorisch. Die Bundesregierung hat mit dem Aktionsplan „Deutschland auf dem Weg zum Fusionskraftwerk“ ein starkes Zeichen gesetzt; das ist richtig. Über 2 Milliarden Euro sollen in Forschung, Technologie und Ausbildung fließen. Das ist gut und zeigt: Die Union im Bund steht für Zukunftstechnologien. Deutschland soll bei der Fusion ganz vorne mitspielen – aber auf einer soliden, realistischen Grundlage. Nordrhein-Westfalen bringt dafür hervorragende Voraussetzungen mit: das Forschungszentrum Jülich, die Universitäten in Bochum, Münster und Düsseldorf, das Fraunhofer-Institut in Aachen. Hier wird Spitzenforschung betrieben. Aber die Anhörungen im Wissenschaftsausschuss haben in der Vergangenheit sehr deutlich gemacht: Ein Fusions-Ökosystem lässt sich nicht in einem einzigen Bundesland abbilden. Das ist ein nationales, ja sogar ein internationales Projekt. Kein Bundesland, auch nicht NRW, kann das alleine stemmen. Die Fachleute aus Jülich haben klar gesagt, dass der Campus dort kein geeigneter Standort für einen Reaktorprototypen ist. Es fehlen Genehmigungen, Logistik und Infrastruktur. Das Forschungszentrum Jülich hat ausdrücklich davor gewarnt, Strukturwandelmittel in Fusionsforschung umzuleiten. Das passt nicht zusammen. Meine Damen und Herren, wir als CDU stehen für Technologieoffenheit. Wir fördern Forschung, Innovation und Fortschritt. (Zuruf von Dietmar Brockes [FDP]) Aber wir bleiben auch auf dem Boden der Tatsachen. (Zuruf von der FDP: Wir auch!) Wir versprechen nichts, was technisch gar nicht umsetzbar ist. Die FDP hat dieses Thema bereits mehrfach – es ist angesprochen worden – im Wissenschaftsausschuss eingebracht, wo der Antrag auch hingehört. Die Sachverständigen haben die Euphorie gebremst und auf Realismus hingewiesen. Jetzt versucht die FDP das Ganze erneut, diesmal über den Wirtschaftsausschuss. Fusionsforschung ist aber in erster Linie ein wissenschaftliches und kein wirtschaftspolitisches Thema. Landtag Das zeigt: Die FDP sucht weniger nach Lösungen; sie sucht nach Schlagzeilen. Ja, wir brauchen Mut zur Innovation. Aber wir brauchen auch Vernunft in der Politik. Vernunft heißt: Wir unterstützen die Fusionsforschung und bringen unsere Stärken in die nationale Strategie ein, aber tun das mit Realismus und nicht mit Wunschdenken. Die Energiezukunft entscheidet sich nicht morgen im Reaktor, sondern heute beim Ausbau der Erneuerbaren, beim Netzausbau und bei der Sicherung von Speichertechnologien. Fusion ist ein Zukunftsprojekt, kein Ersatz für die heutige Energiepolitik. Der Überweisung in den Ausschuss stimmen wir natürlich zu. Aber in der Sache bleibt klar: Dieser Antrag ist überzogen, unausgereift und nicht zielführend. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN)

Alle Reden von Bernhard Hoppe-Biermeyer Protokoll ↗